Leerstandsmanagement war gestern · „Vollstandsführung“ soll Investoren und Gründern Appetit machen

„Brunnenmeile mit Gönn-Geschäften“

Bad Wildungen - Nach „Leerstandsmanagement“ rief der CDU-Abgeordnete Marc Vaupel in der Stadtverordnetenversammlung. „Wir sprechen lieber von Vollstandsführung“, meinte Stadtmarketing-Chefin Ute Kühlewind.

Nein, es ging nicht um den Edersee, sondern um Ladenlokale an Brunnenstraße und Brunnenallee. Eine wachsende Zahl von Flächen liege brach, lautet die These der Christdemokraten, „und die Leerstände dehnen sich von der Altstadt in die Allee aus“, befand Vaupel, als er den Antrag seiner Fraktion begründete. Sie verlangte, einen Experten aus der Stadtverwaltung herauszupicken, der sich in einer zweijährigen Testphase ausschließlich mit diesem Thema befasst und ausschließlich mit Blick auf Brunnenstraße und -allee.

Bereits Krell und Lauffer bissen sich die Zähne aus

Seit Jahren und Jahrzehnten bewege das Problem die Stadtverordneten, spöttelte Vaupel: „Herr Krell und Frau Lauffer haben sich ebenso die Zähne daran ausgebissen, wie nun unser oberster Wirtschaftsförderer, Bürgermeister Volker Zimmermann.“ Die Hauptursache sieht der CDU-Abgeordnete in denjenigen Hauseigentümern, die nichts unternähmen.

Überalterte Technik, überhöhte Mietforderungen

Darin war er sich mit Jürgen Graul (FDP) einig, der die Untätigen kritisierte. Einfach verglaste Fenster, undichte Eingangstüren, mäßige Toilettenanlagen, überalterte Elektrik; die Liste der Mängel bei leeren Geschäfte lasse sich fortsetzen. „Auf Befragen nach gemeinsamen Investitionen für eine Modernisierung wird oftmals abgewunken“, hat Graul als Erfahrung gemacht: „Soll doch der künftige Mieter blechen, nur nicht der Eigentümer, der über Jahrzehnte zu wenig oder nicht investiert hat. Hinzu kommen unrealistische Mietpreisforderungen.“

Info-Broschüren reichten da nicht aus, legte Marc Vaupel nach. Ein Leerstandsmanager müsse die Unwilligen „hartnäckig auf mögliche Umnutzungen ansprechen. Wir brauchen einen Kümmerer.“

Ute Kühlewind wusste, wo der zu finden ist: „Der Kümmerer bin ich.“ Sie setzte dem Gehörten ihren blanken Optimismus entgegen nach dem Motto: Das Glas ist zu vier Fünfteln voll, nicht zu einem Fünftel leer: „Wir haben 70 tolle, funktionierende Betriebe in Brunnenstraße und Allee - bei 17 Leerständen“, sagte sie und verwies auf erfolgreiche Bemühungen, neue, interessante Läden anzuwerben.

„ ... für Menschen, die schon alles haben“

Kühlewind entwarf ihre Vision von der „Brunnenmeile mit Gönn-Geschäften für Menschen, die schon alles haben, sich in unserer Stadt aber etwas Gutes tun wollen.“

Da ist sie wieder, die wohlhabende Generation 50+, die mehr Geld in die Badestadt bringen soll. Die Brunnenmeile reicht in der Vorstellung der Stadtmarketingchefin vom Kaiserlindendeck bis zum Fürstenhof, und der Umbau des Scharniers biete endlich die Möglichkeit, die Zweiteilung der Kernstadt zu beenden.

Im Internet-Auftritt der Stadt, in Werbekampagnen, will Ute Kühlewind die vorhandenen, attraktiven Geschäfte in den Vordergrund stellen und so weiteren Existenzgründern, Hauskäufern und Investoren Appetit machen.

Sie hält nichts davon, die Eigentümer an den Pranger zu stellen. Viele von ihnen seien älter und beschäftigten sich verständlicherweise nicht mit Großinvestitionen.

Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Mombrei riet, die Bälle flacher zu halten. „Wir sehen, es passiert schon viel. Im Vergleich zu anderen Städten unserer Größe brauchen wir uns nicht zu verstecken.“

Richtig sei es, am Thema dranzubleiben, meinte er wie Dr. Hans Schultheis (FWG), der zugleich einen Abbau der Bürokratie-Hürden für Investoren anmahnte, Stichwort Baugenehmigungen.

„Wir müssen auch Geld in die Hand nehmen“

„Um was zu erreichen und den gewünschten Prozess zu fördern, werden wir auch Geld in die Hand nehmen müssen“, prophezeite Mombrei.

Einmütig beschloss das Parlament statt des CDU-Antrages deshalb, sich in Zukunft halbjährlich im Finanzausschuss von Ute Kühlewind Bericht erstatten zu lassen über die Entwicklung des Leerstandsmanagements - hin zur Vollstandsführung.

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