TenneT hat Antrag auf Bundesfachplanung eingereicht

Bundesnetzagentur ist am Zug

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SuedLink soll Windkraftstrom aus dem Norden Deutschlands in den Süden bringen.Foto: dpa

Bad Wildungen/Edertal - Der Netzbetreiber TenneT hat den „Antrag auf Bundesfachplanung“ für die umstrittene Gleichstrom-Trasse SuedLink bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Die Trasse soll von Wilster im Norden nach Grafenrheinfeld im Süden führen und Windkraftstrom von der Küste ans andere Ende des Landes bringen, wo er gebraucht wird. Sie könnte auch die Gemarkung von Bad Wildungen und Edertal überspannen.

TenneT hat aus Bürgerversammlungen Anregungen entgegengenommen und verarbeitet. Dennoch rühren sich an vielen Orten Proteste, so im Schwalm-Eder-Kreis. Der NABU Waldeck-Frankenberg hat eine Trassenvariante über Edertal und Altwildungen wegen Konflikten mit reichlich genutzten Vogelzuglinien abgelehnt.

Wo genau der einen Kilometer breite Trassenkorridor am Ende verläuft, entscheidet in den nächsten zwei Jahren die Bundesnetzagentur. Sie prüft alle Gegebenheiten und ist nicht verpflichtet, sich an die Vorschläge von TenneT zu halten, sondern kann deren Planungen auch komplett verwerfen und neue Streckenführungen vorgeben.

An die Entscheidung der Bundesnetzagentur über den Korridor schließt sich das nächste Verfahren an, das die exakte Position der Masten in den Grenzen des Korridors festlegt.

SuedLink soll 2022 fertig sein, denn in dem Jahr soll auch das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz genommen werden.

TenneT hatte laut eigenen Angaben seit Februar einen Projektdialog angestoßen und Bürger, Bürgerinitiativen, Gemeinden, Landespolitik sowie Naturschutzorganisationen auf Veranstaltungen und in Gesprächen über das Projekt informiert und um Hinweise für die Planungen gebeten. Die eingegangenen Hinweise und Vorschläge hätten dazu geführt, dass der erste Trassenkorridorvorschlag an einigen Stellen angepasst wurde. Aus anderen Hinweisen seien insgesamt 98 neue Bürgervorschläge entstanden, die TenneT in den Antrag mit aufgenommen hat. Damit enthält der Antrag nun insgesamt knapp 3000 Kilometer mit alternativen Trassenkorridorführungen, darunter auch viele großräumige Varianten.

SuedLink ist ein gemeinsames Projekt der Übertragungsnetzbetreiber TenneT und TransnetBW. Grundlage ist das Szenario A2024 aus dem Netzentwicklungsplan 2014. Diese Ausbauziele der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen zeigen für Schleswig-Holstein eine Stromproduktion aus Windkraftanlagen On- und Offshore mit zusammen rund 8200 Megawatt und weitere gut 3000 Megawatt erneuerbare Energien aus Photovoltaik und Biomasse. Die konventionelle Kraftwerksenergie macht in diesem Szenario noch rund 900 Megawatt aus. Durch SuedLink soll darüber hinaus die notwendige Austauschkapazität von Deutschland mit den skandinavischen Ländern bis 2023 auf bis zu 4,5 Gigawatt gesteigert werden.

Mit ungefähr 21000 Kilometern an Hoch- und Höchstspannungsleitungen, 41 Millionen Endverbrauchern in den Niederlanden und in Deutschland gehört TenneT nach eigenen Angaben zu den Top 5 der Netzbetreiber in Europa. Der Konzern richtet seinen Fokus auf die Entwicklung eines nordwesteuropäischen Energiemarktes und auf die Eingliederung erneuerbarer Energie.(r/su)

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