Bad Wildungen

Dienst für Pflegebegleiter aufbauen

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- Bad Wildungen (höh). Was tun, wenn der Ehepartner oder ein Elternteil plötzlich zum Pflegefall wird? Hinweise und Ratschläge für den „Pflege-Dschungel“, aber auch offene Ohren für ein persönliches Gespräch finden Angehörige künftig bei der freiwilligen Pflegebegleitung.

Zwei Drittel der Älteren werden von ihren Angehörigen gepflegt. Oft werden sie unvorbereitetet damit konfrontiert und stehen allein da. In der Not sind kompetente Gesprächspartner gefragt, die bei persönlichen und sachlichen Fragen zur Lebensgestaltung mit Pflegebedarf helfen, Anregungen geben, aber auch motivieren und mit Angehörigen nach Wegen suchen, damit Lebensfreude und Lebensqualität nicht leiden.

Bettina Schäfer und Sabine Schuldt von der Pflegeberatungsstelle Info-Vital im alten Stadtkrankenhaus wollen eine freiwillige Pflegebegleitung aufbauen, die Ratsuchende kostenlos in Anspruch nehmen können.Laut Prof. Dr. Elisabeth Bubolz-Lutz, Initiatorin des Pflegebegleiter-Projekts, gingen über 20 Bewerbungen zum Projektverbund Pflegebegleitung des Landes Hessen ein. Zehn Standorte erhielten den Zuschlag, darunter auch Bad Wildungen. Verbunden ist damit eine Anschubfinanzierung. Die Projekt-Initiatorinnen suchen engagierte Menschen, die sich ehrenamtlich als Pflegebegleiter engagieren möchten. Nach den Sommerferien ist ein Vorbereitungskurs (60 Unterrichtseinheiten) geplant. Darin wird das notwendige Wissen über die Pflege-Netzwerke in der Region vermittelt, außerdem sind zwei Exkursionstage vorgesehen.

Vorkenntnisse in Gesundheitsberufen sind nicht erforderlich. Willkommen sind alle Interessierten – von Müttern in der Familienphase bis hin zum Ruheständler – die sich als Pflegebegleiter einbringen möchten. Auch Menschen mit Handicap können mitwirken. „Sie bringen ganz andere Zugangsmöglichkeiten mit“, so Schäfer und Schuldt. Der Einsatz ist gedacht als „Brückenschlag hin zur professionellen Hilfe“, stellt Bubolz-Lutz klar. Pflegende Angehörige seien durch ihre Dauer-Präsenz am Pflegebett stark isoliert und kennen sich in den Pflege-Netzwerken nicht aus.

Aber die freiwilligen Pflegebegleiter sollen nicht nur informieren, wo in der Nähe professionelle Hilfe eingeholt, ein Krankenbett organisiert oder ein Rollstuhl beschafft werden kann, sondern sie sollen im Gespräch auch Mut machen und Beistand leisten im zwischenmenschlichen Bereich. „Ehrenamtliche nachbarschaftliche Unterstützung“, nennt es Bettina Schäfer. „Betroffene werden motiviert, Hilfe in Anspruch zu nehmen, die aus Unkenntnis oder aus Scheu bisher tabu war“, ergänzt Sabine Schuldt.Landesnetzwerk bilden

„Hilfemaßnahmen sind zuhauf da – aber es ist ein Dschungel, wo kaum einer durchblickt“, bringt es Asklepios-Regionalgeschäftsführer Dr. Dirk Fellermann auf den Punkt. Stadtklinik und Werner-Wicker-Klinik unterstützen das Projekt, und es gibt Kooperationspartner. Begrüßt wird es vom Ehrenamt vor Ort. Gesprächsbereit zeigte sich auch Bürgermeister Volker Zimmermann, freuen sich die Initiatorinnen. Wildungen ist einer von zehn Standorten in Hessen und weiteren vier aus dem Bundesprojekt Pflegebegleiter. „Diese 14 bilden ein Landesnetzwerk Pflegebegleitung Hessen“, erläutert Bubolz-Lutz. Das soll Interesse am Aufbau neuer Standorte wecken.

Kontakt: Interessierte am Projekt „Pflegende Angehörige“ melden sich unter Tel. 05621-960198. Ausführlichere Informationen unter www.netzwerk-pflegebegleitung.de

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