Bad Wildungener Ärzte betreuen behinderte Sportler in London

Dienstreise in das olympische Dorf

Bad Wildungen - 4200 Sportler aus 165 Nationen kämpfen bei den 14. paralympischen Sommerspielen in London um Medaillen bei 503 Wettkämpfen in 20 Sportarten. Im olympischen Dorf mit dabei: Zwei Bad Wildunger Ärzte, die die deutschen Athleten rund um die Uhr betreuen.

Für Dr. Jürgen Völpel sind es nach Barcelona, Atlanta, Athen und Peking bereits die fünften Paralympics. „Nur in Sydney war ich nicht“, sagt der Leitende Abteilungsarzt der Werner-Wicker-Klinik. Der Spezialist für Wirbelsäulenorthopädie betreut im Deutschen Behinderten-Sportverband die Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Frauen. Sie gewann 2008 in Peking die Silbermedaille und unterlag den USA nur knapp im Finale. Seit über 20 Jahren investiert der ehemalige Handballer, der zwölf Jahre in der Bundesliga spielte, einen Großteil seiner Freizeit in den Behindertensport. Zu Events wie Welt- und Europameisterschaften sowie den Paralympics kommen pro Jahr mehrere Vorbereitungs-Wochenenden sowie Trainingsaufenthalte im Ausland, wie kürzlich in den USA und Australien. Die Leidenschaft für den Sport und die internationalen Erfolge treiben Dr. Völpel an. „Die Frauen-Basketball-Nationalmannschaft gehört zu den Besten der Welt“, sagt der Arzt nicht ohne Stolz. In der Weltspitze behauptet sich auch der querschnittsgelähmte Powerlifter Mario Hochberg. Der Gewichtheber absolvierte seinen letzten Gesundheitscheck vor London im Bad Wildunger Institut für Prävention und Sportmedizin (IPUS) in der Odershäuser Straße 55. Der ehemalige Dachdecker zog sich in 1995 bei einem Sturz vom Dach eine Fraktur des achten Brustwirbelkörpers zu und sitzt seitdem im Rollstuhl. Nach dem fünften Platz in Peking als bester Europäer will der Matthias Steiner des Powerliftings im Bankdrücken erneut angreifen. „205 bis 210 Kilo wären schon klasse“, peilt der 98-Kilo-Mann aus dem thüringischen Gotha seine Ziele an. Dr. Dr. Hans Herbert Vater, Ärztlicher Leiter des Ipus-Instituts, betreut etwa acht bis zehn deutsche Powerlifter und 30 Rollstuhl-Rugby-Sportler aus ganz Deutschland in Bad Wildungen. Aus dem Nicht-Behindertensport kommen Mannschaften wie die Kassel-Huskys, Handballer aus Baunatal oder Athleten, die ihre Wurzeln in der heimischen Region haben. Der 51 Jahre alte Sportwissenschaftler freut sich auf die Teilnahme an seinen zweiten Paralympics. Gemeinsam mit Dr. Jürgen Völpel reist er am 22. August nach London. „Wir sind einige Tage vor den Sportlern da, um das Ärztezentrum und die Apotheke einzurichten.“Den Wildunger reizt der Wettkampf der weltbesten Behindertensportler ebenso wie die besondere Atmosphäre im olympischen Dorf. Eine Erholungsreise wird der Aufenthalt in Großbritannien aber nicht, ist sich Dr. Vater sicher. „In Peking hatte ich 484 Behandlungen in drei Wochen – das ist alles andere als Urlaub.“ Auch Spitzenathleten plagen Magen-Darm-Infekte, Erkältungen oder Blessuren aus dem Training. „In China hatte ich eineinhalb Tage zur persönlichen Verfügung – das hat gerade ausgereicht für den Kaiserpalast und die Mauer“, schmunzelt Vater. Bleibt zu hoffen, dass die deutschen Athleten in London topfit sind, und den Ärzten bis zum paralympischen Finale am 12. September mehr 
Zeit verbleibt als eine Sightseeing-Tour zu Buckingham-Palast, Tower-Bridge und Big Ben.Von Conny Höhne

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