Historische Dokumentation in Wildunger Wandelhalle ausgestellt

„dOCUMENTA“ öffnet ohne Tamtam

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Bernd Ulrich hatte die Idee zur Documenta-Ausstellung in der Wandelhalle. Das Zitat vom documenta-Gründer Aarnold Bode hat Ulrich am hinteren Eingang der Halle selbst gestaltet.Fotos:

Bad Wildungen - Am Samstag, 9. Juni, um 10 Uhr ist Deutschlands erster Bürger, Bundespräsident Gauck, der erste Besucher der „dOCUMENTA“ (13).

Damit ist die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst – „ohne Festakt, ohne Gummibaum und ohne Streichquartett für die Besucher eröffnet“, erklärte documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld in der Wildunger Wandelhalle, wo Stadtrat Klaus Spohr die Ausstellung „13 x 100 Tage documenta“ eröffnete. So fällt ein wenig Glanz des weltweit beachteten Kasseler Kunst-Events vor dessen Eröffnung auf die Badestadt ab.

Die Idee, die sehenswerte Retrospektive in Bad Wildungen zu zeigen, hatte AWWiN-Vorsitzender Bernd Ulrich bereits Ende 2010 und rannte damit bei der Stadtmarketing-Geschäftsführerin Ute Kühlewind offene Türen ein. Auch in Kassel fand Ulrich offene Ohren, „ich habe damals nicht damit gerechnet, so viel Unterstützung vom documenta-Archiv und der documenta zu bekommen“. Bernd Ulrich sagte, da sich die documenta immer stark am Zeitgeist orientiere, mache man über die in der Wandelhalle gezeigte Retrospektive eine einzigartige Zeitreise durch 57 Jahre Kunstgeschichte, die zahlreiche Elemente aus Gesellschaft, Politik und nordhessischer Geschichte enthalte.

180 Künstler schon am Werk

Documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld berichtete zur Ausstellungseröffnung, dass in Kassel bereits 180 Künstler in Tag- und Nachtarbeit vor Ort ihre Kunstwerke installieren. Die documenta sei auch an der Besucherzahl gemessen eine Geschichte des Erfolges; vor fünf Jahren seien in 100 Tagen mehr als 750 000 Gäste aus aller Welt nach Kassel gekommen. In diesem Jahr seien 100 Kasseler Bürger – „nicht nur promovierte Kunsthistoriker“ – ausgebildet worden, um Besucher auf ihrem Weg durch die Ausstellung zu begleiten. „Wir wollen nicht von oben herab belehren, sondern mit der documenta-Kunst ein Angebot machen.“ Leifeld: „Ich kann Ihnen versprechen, das wird ein toller Sommer.“

Karin Stengel, die Leiterin des documenta-Archivs, ging auf die Geschichte der Kasseler Kunstausstellung ein und auf Arnold Bode, den „Mann, der alles möglich machte“. Bode – selbst von den Nazis verfolgt – kam aus Berlin nach Kassel zurück, um „aus Kassel etwas zu machen, um nicht unterzugehen“.

Hunger nach Bildern

Seine Idee war es, zur zweiten Bundesgartenschau 1955 im gerade wiederhergestellten Fridericianum eine Kunstausstellung zu zeigen. Stengel: „Es gab einen Hunger nach Bildern, den wir uns nicht mehr vorstellen können; auch ein Informationsbedürfnis nach der knapp zwölfjährigen Schreckensherrschaft der Nazis, die ja neue Kunstformen als entartet definiert hatte.“

Die in der Wandelhalle bis zum 16. September – dem Ende der „dOCUMENTA“ (13) – zu sehende aktualisierte Retrospektive wurde vom Kasseler documenta-Archiv, einer städtischen Einrichtung, in Zusammenarbeit mit der documenta 2005 zum 50-jährigen documenta-Jubiläum konzipiert und ist inzwischen in der ganzen Welt gezeigt worden.

Auf verschiedenen Tafeln sind alle Fakten zu jeder documenta zu sehen: die Plakate, Kunstwerke, die Konzepte und die Künstlerischen Leiter; außerdem gibt es eine begleitende Video-Dokumentation. Während der Ausstellung in der Wandelhalle gibt es dort auch Eintrittskarten für die „dOCUMENTA“ Kassel; Besucher ersparen sich so das Schlangestehen an den Kasseler Verkaufsstellen.

Während der „dOCUMENTA“ (13) wird jeweils mittwochs und sonntags – Abfahrt 10 Uhr Treffpunkt – ein Bus im Auftrag des Stadtmarketings nach Kassel zur „dOCUMENTA“ fahren. Die erste Fahrt findet am Mittwoch, 13. Juni, statt. Auskunft und Anmeldung Tourist-Info, Brunnenallee 1, Telefon 05621/9656741. (szl)

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