Frauen-Info-Tag in der Wandelhalle im Zeichen der Mehrfachbelastung durch Beruf und Familie

Doppelrolle erschöpft viele Frauen

Bad Wildungen - Die Musikschul-Young-Dixieland-Band unter der Leitung von Leo Eberhard eröffnete am Samstagvormittag den fünften Frauen-Informationstag unter dem Motto „Gesundheit-Frauen-Beruf“ in der Wandelhalle mit flotten Jazzrhythmen.

Beate Friedrich, Frauenbeauftragte des Landkreises Waldeck-Frankenberg, sagte in ihrer Begrüßungsansprache, Frauen und Männer unterschieden sich nicht nur in ihrer Lebenserwartung, sondern auch in ihrem Gesundheitsverhalten. Unterschiede in der Lebenssituation, biologische und soziale Faktoren spielten eine bedeutende Rolle. Frauen - so Beate Friedrich - lebten gesundheitsbewusster als Männer, reagierten eher auf Körpersignale und kümmerten sich zudem nicht nur um das gesundheitliche Wohlbefinden ihrer Partner, sondern auch um das der anderen Familienmitglieder. Die Frauenbeauftragte zitierte aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung, nach der Frauen sich im Beruf belasteter fühlen als Männer, dies gelte vor allem für Frauen mit Kindern, die ganz oft an Müdigkeit und Erschöpfung litten.

Aktuelle Daten zeigten, dass die Familienarbeit in Deutschland zum größten Teil nach wie vor von Frauen geleistet wird. Friedrich: „Der Gesundheitstag gibt allen Gästen Gelegenheit, sich intensiv mit ihrer Gesundheit und den vielfältigen Anforderungen des Alltags auseinanderzusetzen.“

In seinem Grußwort ging Bürgermeister Volker Zimmermann auf die zu Beginn gehörten Dixieland-Klänge ein: „Musik steht in körperlichem und geistigem Bezug zur Gesundheit.“ Deshalb genieße Musik im Heilbad Wildungen auch eine lange Tradition „und es wäre zu überlegen, ob Kurmusik nicht auf Krankenschein verordnet werden sollte.“ Bad Wildungen - so der Bürgermeister - hänge wirtschaftlich von der Gesundheitsstruktur ab; es sei wichtig, immer zu bedenken, dass die Mehrzahl der im Gesundheitsbereich Beschäftigten Frauen sind, von deren Kompetenz das Wohl und Wehe des Heilbades wesentlich abhänge. Die Anerkennung der Arbeit dieser Frauen sollte sich deshalb nicht nur in schönen Worten niederschlagen, sondern auch finanziell belohnt werden.

Landrat Dr. Reinhard Kubat lobte die Ausrichtung des Frauen-Informationstages, auf dem vor allem auch die Frage gestellt werde -und Wege aufgezeichnet würden -, wie man es ermöglichen kann, dass alleinerziehende Frauen wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Mit einem Augenzwinkern sagte der Landrat, man müsse überlegen, ob es nicht an der Zeit sei, einen Gleichstellungsbeauftragten für Männer zu ernennen, „Wechseljahrbeschwerden und anspannende Momente gibt es nicht nur bei Frauen“.

Die Besucher des Frauen-Informationstages hatten Gelegenheit, sich an 30 Ständen von Ins­titutionen, Firmen und Vereinigungen zu informieren, an Themen-Workshops teilzunehmen und Vorträge zu hören. Vor allem war der Tag als Informationsbörse für den Arbeitsmarkt gedacht und sollte Gelegenheit bieten, sich über berufliche Chancen und Perspektiven zu informieren.

Buchhändler Bernhard Schäfer hatte am Nachmittag zu einem unterhaltsamen Kaffeeklatsch eingeladen und dazu „literarische Hausapotheken“ in den Buchland-Regalen nach lustigen und unterhaltsamen Begebenheiten und Geschichten durchforstet. Das „Klassik-Trio Radev“ spielte Kaffeehausmusik und die Gruppe Sempre Samba kam zu einem kurzen Trommel-Gastspiel in die Wandelhalle.

Ein besonderer Anziehungspunkt war auch die zweite Bad Wildunger Handtaschenbörse, bei der mehr als 1300 Second-Hand-Taschen zu Schnäppchenpreisen angeboten wurden und der Erlös aus dem Verkauf dem in diesen Tagen wiedereröffneten Frauenhaus zugute kommt.Von Werner Senzel

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