Ortsvorsteher Jens Schulze berichtet von Votum in Sachen Edersee-Touristic-Domizil

Dorf gegen Neubau im grünen Hang

Der grüne Hang am Sperrmauervorplatz soll nach fast einhelliger Meinung der Teilnehmer an der Hemfurther Bürgerversammlung unbebaut bleiben. Sie wünschen sich allerdings, den kleinen Park durch weitere Gestaltung aufzuwerten.Foto: Schuldt

Edertal-Hemfurth-Edersee - „Auf dem Sperrmauervorplatz ist es grau genug. Noch mehr Grau brauchen wir nicht.“ So brachte eine Hemfurtherin gegenüber Ortsvorsteher Jens Schulze die Haltung des Dorfes zum künftigen Domizil der Edersee-Touristic zum Ausdruck.

Der Ortsbeirat hatte seine jüngste Sitzung zur Bürgerversammlung erweitert und viele Bewohner nutzten die Gelegenheit, ihre nahezu einhellige Ansicht kundzutun.

Jens Schulze hatte mit so einer Reaktion gerechnet, „weil ich von rund 70 Leuten in den vergangenen Wochen mit eindeutiger Tendenz auf dieses Thema angesprochen wurde.“ Niemand habe sich dafür ausgesprochen, den Hang am Sperrmauervorplatz zu bebauen. Alle seien dafür gewesen, das Haus Fiss umzubauen.

Eine Frage der Ästhetik für die weitaus meisten, die sich mit dieser Frage beschäftigen, fügt der Ortsvorsteher hinzu. Der Neubau würde den schönen Blick verstellen und stören, sind sich die Gegner des Projekts einig. Der Platz benötige die bestehende Parkanlage, die aber attraktiv umgestaltet werden müsse.

Über diesen zentralen Punkt hinaus sammelte die Runde weitere Argumente.

Das ET-Gebäude müsse die Urlauber empfangen und zur Sperrmauer leiten, nicht umgekehrt.

Zweifel hegen viele Hem­further an der Aussagekraft der Bodengrund-Untersuchung. Sie würden drei Bohrungen bis zur Sohle verlangen, um vor bösen, die Kosten nach oben treibenden Überraschungen bei einem Neubau besser gefeit zu sein.

Ein stufenweiser Ausbau des bestehenden Gebäudes biete dagegen die Chance, wirkungsvoller die Kosten im Auge zu behalten.

Der Ortsbeirat sprach sich bei einer Enthaltung einstimmig für die Altbau-Lösung und gegen ein neues ET-Gebäude im Hang aus.

Familie Fiss senkt nochmals die Preisvorstellungen

Aktuelle Nachricht von den Eigentümern des Gebäudes Fiss: Sie übermittelten an den Bürgermeister gestern per E-Mail ein neues Kaufangebot. „Wir sind nochmals deutlich unter den Verkehrswert gegangen von ursprünglich 250000 Euro auf nun 189000 Euro“, teilte Gerhard Fiss aus Düsseldorf im Namen der Besitzer der WLZ-FZ am Telefon gestern mit und fügte hinzu: „Wir wollen die Sache abschließen.“

Für neuen Tourismus oberhalb vom Rehbach

Zweites Thema der Bürgerversammlung war das Luxus-Camping-Projekt unterhalb des neuen Baumkronenpfad-Parkplatzes, oberhalb von Rehbach.

Jens Schulze fasst den Grundtenor der Versammlung so zusammen: „Alle halten es für wichtig, diese Fläche touristisch zu entwickeln. Man muss schauen, ob das diskutierte Projekt das richtige ist.“ Während die einen skeptisch sind, ist den anderen der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach in Gestalt eines lang ersehnten Hotels, für das aktuell aber keinerlei Aussicht besteht.

Besonders habe er sich gefreut, „dass alle anwesenden Touristiker ein Vorhaben an dieser Stelle begrüßen würden“, sagt Schulze. Die heimischen Betriebe sähen keine Konkurrenz darin, sondern die Region brauche dringend mehr Übernachtungsmöglichkeiten, gerade auch für Familien. Sie lassen pro Kopf mehr Geld in den heimischen Geschäften und Betrieben als die Tagesgäste.

Der Ortsvorsteher hat vor der Versammlung Kontakt mit den aktuellen Pächtern der Wiesenflächen aufgenommen, „um auszuschließen, dass jemand existenziell betroffen wäre, wenn dort gebaut würde.“

Mit beiden Themen – ET-Bau und neue Fläche für Tourismus oberhalb vom Rehbach – befasst sich die Gemeindevertreterversammlung heute Abend in ihrer Sitzung im Giflitzer Gemeinschaftshaus.

Der Bürgermeister wünscht sich endlich eine Entscheidung in Sachen Edersee-Touristic, nicht zuletzt, damit Fördergelder des Landes nicht verloren gehen.

Und der Gemeindevorstand schlägt vor, den Flächennutzungsplan für das Gelände unterhalb des Baumkronenpfad-Parkplatzes zu ändern, damit grundsätzlich der Weg frei wird für ein Tourismusprojekt.

Von Matthias Schuldt

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