Braunauer Ortsbeirat ärgert sich, dass vorher nicht über Fällaktion gesprochen wurde

Drei Eichen mussten weichen

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Anfang der 1980er pflanzte die Stadt die Eichenreihe im Zuge der Flurbereinigung. Drei Bäume sind nun gefällt.Foto: Schuldt

Bad Wildungen-Braunau - Drei Eichen sind gefällt, der Ortsbeirat ist so überrascht wie verstimmt, und ein Unternehmer-Ehepaar versteht die ganze Aufregung nicht. Das ist die aktuelle Lage am Ortseingang von Braunau aus Richtung Bad Zwesten.

AT-Verbundwerkstoffe heißt das Unternehmen, das Andrea Sternisa seit drei Jahren mit ihrem Mann Danilo in Braunau betreibt: einen e-bay-Internet-Handel für Kunstharze, Lacke, Füllstoffe und viele verwandte Produkte.

Was mit einigen Paketen täglich begann, weitete sich inzwischen derartig aus, dass Andrea Sternisa der Stadt Bad Wildungen am Ortseingang neben der bestehenden Schreinerei ein Grundstück abkaufte, um darauf eine Lagerhalle mit vorgelagertem Büro zu bauen.

Der Verkauf ist vollzogen, die Sternisas rechnen täglich mit der Baugenehmigung aus dem Kreishaus und wollen möglichst schnell mit der Bodenplatte beginnen. „Der Ortsbeirat war mit dem Verkauf einverstanden, als die Stadt uns darüber informierte“, berichtet Ortsvorsteher Martin Unzicker.

Allerdings habe niemand etwas davon gesagt, dass drei Eichen aus der Reihe vor dem Grundstück - viele Braunauer nennen sie Allee - ohne großes Federlesen gefällt werden.

Die Sternisas sehen keine Alternative dazu, „denn wir brauchen den Platz für die Zufahrt der Lkw“, erläutert Ehemann Danilo.

Bislang halten mehrmals pro Woche kleinere Lastwagen vor dem Wohnhaus der beiden, einige Hundert Meter weiter Richtung Dorfkern. „Sie behindern beim Entladen den Verkehr und das führt verständlicherweise zu Unmut“, sagt Andrea Sternisa.

Künftig sollen statt der vielen, kleineren Laster einige große Sattelschlepper die Ware zum neuen Lager liefern. „Das senkt unsere Kosten und behindert den Verkehr nicht mehr“, sagt Danilo Sternisa.

Die großen Fahrzeuge fahren vorwärts aufs Grundstück und, nach dem Entladen, einige Meter weiter vorwärts wieder herunter. Dafür mussten die Eichen weichen.

„Vielleicht hätte sich im Gespräch eine Lösung gefunden, bei der die Bäume stehen geblieben wären“, meint der Ortsvorsteher. Für den Bau der benachbarten Schreinerei seien auch keine Eichen gefällt worden. Große Lkw steuerten auch dieses Grundstück an.

Sowohl das Stadtbauamt, das der Fällaktion zustimmte, als auch die Sternisas halten dagegen. Um das Grundstück auf ein Niveau mit der Straße zu bringen und so sicher vor Überschwemmungen aus dem hinter dem Areal liegenden Flutgraben zu sein, werde Erde angefüllt. Seinen Stamm einen Meter tief einzugraben, das überlebe kein Baum lange.

Die Sternisas verweisen darauf, dass sie neben den fünf bestehenden Arbeitsplätzen mit ihrem Projekt drei weitere schaffen, alle acht in Vollzeit. Das Fällen der drei Bäume werde durch das Anpflanzen von zehn bis 15 neuen an anderer Stelle ausgeglichen, ergänzt das Stadtbauamt.

Für den Ortsbeirat ist wichtig, dass wenigstens über die Standorte dieser neuen Bäume und Sträucher mit dem Gremium gesprochen wird, macht Ortsvorsteher Martin Unzicker deutlich:.„Es ist in jedem Fall besser, vorher miteinander zu reden, statt vollendete Tatsachen zu schaffen“, sagt er mit Blick auf die Stadtverwaltung und die Sternisas.

Hintergrund: Die Halle

20 mal 30 Meter breit und etwa 7,50 Meter hoch wird die neue Lagerhalle. Sie umfasst rund 1000 Quadratmeter Nutzfläche, inklusive vorgelagerter Büros, die durch Abstufung die Konstruktion optisch auflockern sollen. Zu bestimmten Zeiten will Andrea Sternisa einen Lagerverkauf anbieten, da längst auch Kunden aus der Region auf das Unternehmen aufmerksam geworden seien. Der Brandschutz spielt bei den gelagerten Waren eine wichtige Rolle. Ein Wassertank-Volumen von von 60000 Litern wird installiert und der Boden so präpariert, dass etwaiges Löschwasser aufgefangen wird. Der Hof wird mit einem nach unten dichten Pflaster ausgekleidet, ähnlich wie es bei Tankstellen vorgeschrieben ist.

Von Matthias Schuldt

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