Neue Belastungs-Obergrenze von 1,5 Tonnen

Ederbrücke nutzt nur noch Wanderern

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Bad Wildungen-Mandern - Der Manderner Ortsbeirat berät am Freitag öffentlich ein aktuelles Ärgernis am Dorfrand: die Ederbrücke.

Das in die Jahre gekommene Bauwerk ist nach Ansicht seines Eigentümers so geschwächt, dass es eine Belastung über 1,5 Tonnen nicht mehr verträgt. Die Brücke gehört – wie das Anraffer Gegenstück – dem Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA), und dieses denkt offenbar nicht daran, Geld zu investieren, um die Brücke instand zu setzen. Statt dessen stellt die Bundesbehörde, die unter massivem Sparzwang steht, lieber ein neues Schild auf. „Das können wir nicht akzeptieren“, betont Ortsvorsteher Jens Achterberg. Die „Ablastung“ hat unangenehme Folgen für mehr als ein Dutzend Landwirte, deren Äcker jenseits des Flusses liegen. Sie müssen den langen Umweg über die Ederbrücke Wega/Wellen nehmen, um zu säen und zu ernten. Fataler könnten die Folgen ausfallen, wenn auf der anderen Seite der Eder ein Brand ausbricht oder jemand auf freiem Feld die rasche Hilfe eines Notarztes braucht. Auch Feuerwehrfahrzeuge und Rettungswagen können künftig die Brücke nicht mehr benutzen. „Wir hatten schon mal ein Feuer in den Schrebergärten“, erinnert sich Mathias Biederbeck, stellvertretender Ortsvorsteher und Achterberg fügt hinzu: „Was ist denn, wenn Kanuten verunglücken und von der Manderner Seite aus nur eingeschränkt Hilfe geleistet werden kann?“ Ursprünglich sei die Brücke einmal für 6 Tonnen ausgelegt worden. „Dann kam der Sturm Kyrill, und Bäume fielen auf die Brücke“, erinnert der Ortsvorsteher. Das WSA flickte den Schaden notdürftig und senkte die Belastungsgrenze damals auf 3 Tonnen. Bürgermeister Volker Zimmermann wandte sich dem Thema kurz nach Amtsantritt zu und klärte mit Bauamtsleiter Klaus Weidner damals, weshalb das WSA überhaupt zuständig für die Brücke ist. Die Unterhaltspflicht geht auf den Bau der Sperrmauer zurück. Die Landwirte in Mandern verloren damals durch die geänderten Wassermengen im Fluss ihre Eder-Furt. Zum Ausgleich verpflichteten sich preußische und kaiserliche Regierung damals gegenüber der Gemeinde, eine Brücke zu bauen und zu unterhalten. „An dieser Verpflichtung hat sich nichts geändert“, verdeutlicht Weidner die Rechtsauffassung der Stadt. 2010 kündigte das Amt auch eine Sanierung des Bauwerks an. „2011/12 sollten die Arbeiten abgeschlossen sein“, erinnert sich Ortsvorsteher Achterberg. Nichts geschah, und als er Ende vorigen Jahres nachhakte, habe sich das Amt herausgewunden, auf die Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und neue Zuständigkeiten verwiesen. Zwischendurch hatte die Behörde sogar versucht, der Stadt das Ganze zum Kauf anzubieten, um die Unterhaltspflicht los zu werden. Hintergrund war, dass die Stadt darum ersucht hatte, die Brücke künftig für mehr als 6 Tonnen auszulegen. „Doch finanziell wäre das für die Stadt nicht zu leisten gewesen“, erklärt Bauamtsleiter Weidner und so lehnte die Stadt einen Kauf ab und beharrte auf der Brückensanierung und der Wiederherstellung der 6-Tonnen-Belastungsgrenze. Weil in so einer Vorschrift immer Sicherheiten eingebaut seien, wäre ein einmaliges Befahren bei Einsätzen für das 7,5 Tonnen schwere Manderner Feuerwehrfahrzeug im Rahmen von Einsätzen vertretbar. „Bei 1,5 Tonnen Belastungsgrenze kann man dieses Risiko nicht mehr eingehen“, setzt Weidner hinzu. In der Landwirtschaftstechnik ist die Entwicklung ebenso wenig stehen geblieben. Die Schlepper wurden größer, die angehängen Geräte schwerer. Für Ortsvorsteher Jens Achterberg und den Ortsbeirat ist aus all den genannten Gründen klar: „Wir bestehen darauf, dass die Brücke wieder ihre ursprüngliche Tragkraft von 6 Tonnen erhält.“ Bürgermeister Zimmermann hat das WSA in dieser Woche angeschrieben.Im Wasser- und Schifffahrtsam Hann. Münden war auf WLZ-Anfrage am Mittwoch niemand zu erreichen, der für Auskünfte an die Presse befugt ist. (su)

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