Edertaler SPD und CDU liegen auf einer Linie

Edersee-Touristic: Neubau empfohlen

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Edertal - Die Würfel scheinen gefallen. Die Edersee Touristic (ET) erhält einen Neubau am Hang auf der Sperrmauer-Westseite und zieht nicht ins leer stehende Haus Fiss.

Zumindest empfiehlt der Planungsausschuss mit den drei Stimmen von SPD und CDU, die Sanierung des Leerstands zu den Akten zu legen und nur die Neubau-Variante weiterzuverfolgen. Die beiden Vertreter von FWG und WIR Edertaler stimmten gegen diesen Schritt. Die endgültige Entscheidung fällt in der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung, in der Sozial- und Christdemokraten zusammen eine Mehrheit haben.

Die Architekten Karl-Hermann Emde (Neubau) und Torsten Zimmer (Altbau-Sanierung) hatten ihre Pläne dem Ausschuss vorgestellt, in dem sich nicht nur dessen Mitglieder, sondern weitere Abgeordnete rege zu Wort meldeten.

Die Eckdaten des Neubaus: Bei Verzicht auf ein Besprechungszimmer 315 Quadratmeter groß, inklusive öffentlicher Toiletten, alles barrierefrei auf einer Ebene, in den Hang hineingebaut. Ohne Mehrwertsteuer soll das Vorhaben 442 000 Euro kosten. Kritik und Nachfragen mehrerer Politiker richteten sich gegen die aus ihrer Sicht mangelnde Absprache mit Denkmalschutz- und Naturschutzbehörden. Von ihnen lagen keine klaren Aussagen vor, „was auch nicht geht, wenn noch nicht im Detail feststeht, was die Gemeinde möchte“, betonte Emde.

Bürgermeister Klaus Gier sah das anders: „Ich hätte mir deutlichere Absprachen gewünscht und das wäre möglich gewesen.“ Ausschussmitglied Markus Jungermann (SPD), selbst Architekt, sprang seinem Berufskollegen bei: „Mehr kann man im augenblicklichen Stadium von den Behörden als Auskunft nicht erwarten.“

Die Eckdaten der Altbau-Sanierung: Rund 100 Quadratmeter mehr als im Neubau, inklusive Besprechungs- und Gruppenraum sowie öffentlicher Toiletten, alles verteilt auf vier Geschosse. Das Haus Fiss erhielte einen kleinen gläsernen Vorbau, damit sich Gäste auch außerhalb der ET-Öffnungszeiten wettergeschützt informieren können. Das Erdgeschoss von vorn und das erste Untergeschoss von hinten seien für Rolli-Fahrer und Rollator-Nutzer zugänglich, erklärte Zimmer. Die Bausubstanz sei in Ordnung, ebenso das Dach. Die Alu-Fenster entsprächen nicht dem aktuellen Energie-Standard.

Ohne Mehrwertsteuer kostet der Umbau 366.000 Euro. Allerdings kommt der Kaufpreis hinzu, der am Dienstag im Ausschuss provisorisch mit 275.000 Euro kalkuliert wurde. Will die Gemeinde volle Barrierefreiheit im Altbau herstellen, muss sie zusätzlich einen Rolli-Lift für 30.000 Euro oder einen Aufzug für 75 000 Euro einbauen. Angesichts einer alternden Bevölkerung kann die Gemeinde bei einer öffentlichen Einrichtung nach Ansicht von SPD und CDU nicht auf volle Barrierefreiheit verzichten.

In der Gesamt-Kalkulation käme der Altbau also die Gemeinde zwischen 200.000 und 275.000 Euro teurer zu stehen als ein neues Gebäude.

Ralf Bender (SPD) stellte deshalb im Ausschuss den Antrag, die Variante Fiss fallen zu lassen, zumal sein Fraktionsvorsitzender Karl-Heinrich Neuschäfer auf die höheren Bewirtschaftungskosten für Fiss verwies: „Wir haben für 100 Quadratmeter mehr an Fläche auch mehr Kosten zu tragen, zum Beispiel für die Heizung.“

Unklar blieb, weshalb sich WIR Edertaler und die FWG dieser Argumentation verschließen. Beide Fraktionen betonten bei anderen Themen im Ausschuss, „dass wir nichts zu verschenken haben angesichts unserer Schulden“ (Holger Blume/WIR). In puncto Haus Fiss gingen sie aber nicht auf die um mindestens 200 000 Euro höheren Anschaffungskosten und den im Vergleich zum Neubau teureren Unterhalt ein.

Reichlich Stoff für die anstehende Debatte im Gemeindeparlament. (su)

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