Edertal

"Ein Gleitschirm ist kein Spielzeug"

- Edertal-Bergheim. Der Gleitschirmunfall vom Samstag bewegt die Gemüter in Edertal. Viele diskutieren über den Vorfall, bei dem ein 17-jähriger Bergheimer und sein 38 Jahre alter Stiefvater „mehr Glück als Verstand hatten“, wie es der Volksmund bezeichnen würde.

Vor allem Jugendliche scheinen die Aufregung nicht zu verstehen. So meint eine Stimme im Netz, es handele sich bei einem Gleitschirm bloß „um einen Fetzen Stoff“, nicht um einen Euro-Fighter. Man brauche keinen Flugschein.

Unabhängig von der Tatsache, dass beide Beteiligte sich schwerste Verletzungen hätten zuziehen können, und unabhängig davon, wie sich das Ganze im letzten Detail abgespielt hat – davon existieren zahlreiche unterschiedliche Versionen – steht eines fest: Sobald jemand mit Hilfe eines Gerätes vom Boden abhebt, fliegt er nach deutschem Recht. Selbst mit einem „Fetzen Stoff“ darf er das nur von einem zugelassenen Fluggelände aus. „Er braucht eine Fluglizenz, eine Haftpflichtversicherung, und der Schirm muss alle zwei Jahre gecheckt werden“, erklärt Karl-Heinz Paul, nicht nur Betreiber einer Flugschule in Mandern, sondern auch Beauftragter in der Region für die Luftaufsicht im Bereich Gleitschirme. „Wer ausschließlich Übungen am Boden macht, für den reicht das Einverständnis des Grundstückseigentümers aus“, schränkt er ein. Doch wie gesagt: Sobald man abhebt – ob mit oder ohne Absicht – seien die Voraussetzungen anders.

Karl-Heinz Paul vergleicht die Situation mit dem Straßenverkehr. Wer jenseits eines Fluggeländes ohne Lizenz und Haftpflichtversicherung in die Luft geht, handelt so, als führe er ohne Zulassung und Führerschein Auto: „Ein Gleitschirm ist kein Spielzeug.“

Die Polizei hat den Vorgang inzwischen an das Regierungspräsidium Kassel weitergeleitet. (su)

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