Zeitzeugin Uta Franke zu Gast am Gustav-Stresemann-Gymnasium

Einblick in Stasi-Vergangenheit

Uta Franke stand Rede und Anwort.
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Uta Franke stand Rede und Anwort.

Bad Wildungen - „Würden Sie wieder gegen das Regime in der DDR kämpfen, wenn Sie wüssten, welche Konsequenzen es für Sie hätte?“, fragte eine Schülerin die Zeitzeugin Uta Franke.

Die Frage war berechtigt, denn schließlich hatte die Referentin, damals Mutter einer kleinen Tochter, für ihren Widerstand jahrelange Haft ertragen müssen, bevor sie - ohne ihr Kind - in den Westen abgeschoben wurde. Für die Antwort musste sie nicht lange überlegen: „Ja, denn so kann ich heute in den Spiegel schauen und kann mir sagen: Ich habe es wenigstens versucht.“

Das Gustav-Stresemann-Gymnasium hatte Uta Franke zum sechsten Mal im Rahmen des Geschichtsunterrichts eingeladen. Anschaulich und bewegend konnte sie aus eigener Erfahrung die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 über die Machenschaften der Staatssicherheit informieren. „Das ist noch einmal ein ganz anderer Zugang zum damaligen Geschehen als nur über Texte“, meinte einer der Schüler.

Mit dem Gehörten im Hinterkopf gingen die Jugendlichen in die Klassen, um sich in Gruppen erneut mit Aktenmaterial der Stasi zu beschäftigen. Eine Woche lang hatten sie das im Vorfeld bereits getan. Auf Plakaten und Folien, basierend auf einem Aufgabenblatt, stellten die Gruppen die Ergebnisse ihrer Arbeit vor, bevor sich die Kurse zu weiteren gemeinsamen eineinhalb Stunden mit Uta Franke in der Aula trafen.

Ein Ausschnitt aus dem Film „Keine verlorene Zeit“ von Marc Bauder und Dörte Franke beleuchtete das Leben einer Oppositionsgruppe in der DDR. Die Lebensbedingungen im deutschen Arbeiter- und Bauernstaat wurden so für die Jugendlichen greifbar. Hier kam Uta Franke in ihrer Rolle als Zeitzeugin eine besondere Bedeutung zu. Die Schüler zeigten sich ihr gegenüber sehr interessiert und stellten viele Fragen bezüglich ihres Eindruckes von der damaligen Situation.

Sie wollten auch von der Referentin wissen, ob ihrer Einschätzung nach Gregor Gysi nun Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi gewesen sei oder nicht. Uta Franke antwortete fundiert, möglichst ausführlich und auch aus ihrer ganz persönlichen Sicht. So konnten sich die Schülerinnen und Schüler ein fundiertes Bild davon machen, wie es gewesen sein muss, in der deutschen Nachkriegsdiktatur zu leben. (cbr)

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