Gerd Gutmann erhielt bei Auktion in Berlin den Zuschlag

Eisenbahn-Fan ersteigert Wegaer Bahnhof

Der Wegaer Bahnhof wechselte am Wochenende bei der Auktion in Berlin für 41 000 Euro den Besitzer. Drei Bieter beteiligten sich telefonisch an dem Wettbewerb, alle aus der heimischen Region, heißt es aus dem Auktionshaus.Fotos: Schuldt

Bad Wildungen-Wega - An der Westseite hängt noch das Verkaufsschild der bisherigen Eigentümergesellschaft, doch seit Sonntag hat es sich überlebt. Ein bekennender Eisenbahn- und Modellbahnfan aus Bad Wildungen hat den Wegaer Bahnhof ersteigert: Gerd Gutmann, Mitbegründer des neuen Playmobil-Clubs Bad Wildungen.

Telefonisch beteiligte er sich an der Versteigerung der Immobilie im Berliner Auktionshaus Karhausen. Zwei weitere Interessenten aus der Region boten auf dieselbe Weise mit, sagt Sören Springer vom Auktionshaus. Bei 41000 Euro fiel der Hammer, das Mindestgebot lag bei 16000.

Im Obergeschoss wohnt seit 50 Jahren derselbe Mieter, und über ihn freut sich Gert Gutmann, denn dieser Mieter sei selbst Teil der Eisenbahngeschichte. Mit dem Besitzerwechsel ändere sich für den in Bahndingen kenntnisreichen Bewohner nichts.

Mit anderen Interessenten hatte sich Gerd Gutmann am 20. November das Innere des Bahnhofs angeschaut. Sein Interesse wuchs, erinnert er sich gerne zurück an Kindheits- und Jugendtage in den 1970ern: „Mein Onkel wohnte in Waldeck und wir fuhren immer mit dem Zug über Buhlen, wenn wir ihn besuchten.“ Anschließend hieß es zu Fuß den Berg zu erklimmen. Auch nach Willingen, wo Verwandte der Mutter lebten, gelangte Familie Gutmann immer wieder mit der Bahn.

Was im Detail Gerd Gutmann mit dem Schalterraum, den Lagerflächen, Rampen und übrigen Bestandteilen des Komplexes anfängt, weiß er noch nicht. Aber als Modellbahn- und Eisenbahnfreund möchte er möglichst viel von der Bahnhofsatmosphäre erhalten und das Thema Modellbahn in eine mögliche Nutzung einbinden. Informationen über die Geschichte des Bahnhofs und der Linie möchte er sammeln und ist froh, „dass ich diesen Schritt getan habe“. Gerd Gutmann, der in der Wildunger Stadtbibliothek arbeitet, informierte gestern Bürgermeister Volker Zimmermann über den Eigentümerwechsel, „denn es handelt sich ja nicht um irgendein Gebäude, sondern um ein öffentliches“, fügt der Wildunger hinzu.

Er ist nicht der Einzige aus der Region, der in der Region einen Bahnhof gekauft hat. So wurde der Netzer Bahnhof zum Pfannkuchenhaus, der Sachsenhäuser und der Mengeringhäuser zu Wohnzwecken umgebaut.

Noch bis zum Abschluss aller Formalien gehört die Wegaer Station der Tochtergesellschaft eines Finanzinvestors. Patron Capital heißt das britische Unternehmen, das in den 1990er-Jahren von der Deutschen Bahn im großen Stil Bahnhöfe aufkaufte. Die deutsche Tochter Main Asset Management hat dem Berliner Auktionshaus in den vergangenen Jahren eine große Zahl davon zur Vermarktung übergeben, darunter Wega. Rund 500 solcher Immobilien haben die Berliner nach Angaben von Sören Springer erfolgreich unter den Hammer gebracht. Mal interessieren sich Privatleute für diese Objekte, mal die Städte oder Gemeinden, in deren Gemarkung die Bahnhöfe liegen. So ersteigerte die Stadt Felsberg bei Karhausen vor Kurzem den leeren Bahnhof von Gensungen, um ihn wieder nutzbar für Eisenbahn-Passagiere zu machen, erklärt Springer.

Von Matthias Schuldt

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