Das in seiner Art bundesweit wohl einmalige Museum der Wattertalmühle öffnet

Erbe voller Leidenschaft für Wasserkraft

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Mühlenspezialist Ronny Beckmann (links) und Werner Liebchen, Besitzer der Wattertalmühle, legen letzte Hand an das Wassermühlrad im neuen Museum.

Waldeck-Freienhagen - Die große Leidenschaft eines Tüftlers, die ihn überlebt und sich in seinem Erbe widerspiegelt, in seinen Konstruktionen. Das neue Mühlenmuseum der Wattertalmühle Freienhagen eröffnet Pfingstmontag und ist in dieser Form in Deutschland sicher kein zweites Mal zu finden.

Mühlenbesitzer Werner Liebchen bekam für das Projekt einen Schatz geschenkt. Gefunden hatte er ihn im Internet. „Ich bin immer auf der Suche nach Ausrüstung für meine Mühle“, und dabei stieß er auf den Aufruf einer Witwe aus Bad Schwartau. Sie wolle die Wassermühle ihres verstorbenen Mannes Hasso Marquardt in gute Hände abgeben.

Freizeitparks ausgestochen

„Es gab noch andere Bewerber, Freizeitparks zum Beispiel, aber Frau Marquardt meinte, dass ihr Mann seine Mühle am liebsten in so einem Umfeld wie bei uns in Freienhagen gesehen hätte“, erzählt Liebchen. So habe er den Zuschlag erhalten.

Den Zuschlag für ein selbst gebautes, im Durchmesser etwa zwei Meter großes Wasserrad, für mehr als zwei Dutzend Maschinen und Werkzeuge, die von diesem Rad angetrieben werden: einen großen historischen Blasebalg zum Beispiel, eine antike Waschmaschine, eine Reeperbahn zur Seilfertigung, verschiedene Mahlwerke, Butterfässer und, und, und. Sogar ein selbst gebautes Karussell für zwei Kleinkinder ist darunter, das wegen seiner fragilen Bauweise allerdings nicht reaktiviert werden kann.

Der verstorbene Lehrer war fasziniert von der Mechanik und hatte offenbar einen Riesenspaß daran, alles, was frühere Generationen von Hand ankurbelten, an die Wasserkraft anzuschließen. Jene mechanische Kraft, die nach der Muskelkraft des Menschen und der seiner Haustiere den ältesten Antrieb der Menschheitsgeschichte darstellt. Seit weit mehr als 2000 Jahren machen sich findige Geister fließendes Wasser als Helfer dienstbar.

„So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen“, sagt Ronny Beckmann, Zimmermannsmeister aus dem schleswig-holsteinischen Eggstedt, über Marquardts Erbe. Liebchen bezeichnet Beckmann als „Mühlenpapst“ und engagierte ihn im vorigen Jahr, um Marquardts Konstruktionen in Bad Schwartau ab- und in Freienhagen aufzubauen.

Beckmann arbeitet seit 22 Jahren in einem auf historische Mühlen spezialisierten Unternehmen, das er vor fünf Jahren übernahm. Er kennt sich bestens aus, und als er von Liebchen den Auftrag erhielt, fragte er sich, „wo in Bad Schwartau eine Wassermühle existieren soll?“ Nie davon gehört.

„Irre!“

Was Beckmann dann vorfand, verblüffte ihn: „Irre!“ Die historischen Gerätschaften waren bei den Marquardts in einer etwa 15 Quadratmeter großen Hütte untergebracht. Das selbst gebaute Mühlrad stand im Garten an einem Wasserlauf, und von dort führten eine Vielzahl von Gestängen und Transmissionsriemen quer übers Gelände in die Hütte zu den Maschinen, um sie anzutreiben.

Wie Fischertechnik

„Wenn die Altvorderen gewusst hätten, wie viel Muskelarbeit sie sich so hätten ersparen können...“, kommentiert Beckmann anerkennend. Wie Fischertechnik für erwachsene Männer wirkte das alles auf ihn. Ein ganz spezieller Auftrag für den Spezialisten, der größere Dimensionen gewohnt ist. Zuletzt restaurierte er mit seinem Team etwa den Kopf und das Auflager einer Windmühle auf Amrum.

Sorgfalt war in Bad Schwartau in gleicher Weise gefragt. Alle Teile wurden nummeriert, der Aufbau der Konstruktionen dokumentiert, um sie in Freienhagen wiedererstehen zu lassen. Volle fünf Tage investierte Beckmann im vorigen Jahr. Ein weiterer kam am vergangenen Montag hinzu. Nun laufen das Wasserrad und die Geräte in der alten Scheune der Freienhagener Wattertalmühle. Werner Liebchen ist glücklich, das Projekt verwirklicht zu haben, und gespannt auf die Reaktionen des Publikums am Montag.

Das neue Mühlenmuseum ist am Montag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Fürs leibliche Wohl ist gesorgt. Führungen mit Überraschungseffekt gleich zu Beginn sollen alle halbe Stunde laufen (maximal 12 Personen). Eintritt: 1,50 Euro. Infos: www.muehle-freienhagen.de

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