Frischquak

Fast pünktlich

Bad Wildungen - Mein Verhältnis und das meines Hausengels zur Pünktlichkeit ist – sagen wir – ein vages. Dumm, dass Theaterschauspieler und -regisseure darauf keine Rücksicht nehmen.

Knapp war’s, als wir jüngst binnen 20 Minuten von Wellen aus zum Kasseler Staatstheater zu eilen gedachten, Beginn 19.30 Uhr, zweites Parkett, Reihe 15, Sitze 23 und 24. 19.27 Uhr, raus aus dem Parkhaus, im Laufschritt rein ins Theater. „Schnell, schnell“, mahnt die Garderobiere, aber auf die Aufregung „Näschen pudern“ muss sein.

Lässt mir ein paar Sekunden, das Programmheft zu ergattern. Dann stehen wir vor verschlossener­Saaltür. Zum Glück nicht als Einzige. Keine beabsichtigte Aussperrung, stellt sich heraus; die Tür klemmt, die Platzanweiserin naht schnellen Schritts, kurzer Blick auf die Tickets und hinein.

„Siehst du, Engelchen?“, flüstere ich, „zwei Plätze am Ende der Reihe. So stören wir keinen und angefangen hat’s auch noch nicht.“ Allerdings gibt es kaum jemanden zu stören. Als sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnen, machen wir vielleicht 50 Zuschauer aus, weit verstreut.

Sonderbar: Rat Pack, eine Revue mit den größten Hits von Frank Sinatra,­ Dean Martin und Sammy Davis jr. – das interessiert nur eine Handvoll? Und wo ist eigentlich das große Orchester versteckt? Auf der Bühne ragen sieben Beinpaare unter einem weißen Laken hervor …

In dem Moment fällt der Blick meines Hausengels auf das Programmheft in meiner Hand: „Was steht da? Der Kaufmann von Venedig???“ Raus hier! Zurück zur Platzanweiserin vor der Tür. „Oh, Sie sind ja im falschen Haus. Sie müssen rüber ins Opernhaus.“ 19.40 Uhr, die ersten Bläsersätze springen uns an, als wir nach einem weiteren Zwischenspurt das richtige Haus und den richtigen Eingang erwischt haben.

Platz 23 und 24 befinden sich – natürlich – mitten in Reihe 15: „Entschuldigen Sie, dürften wir mal? Entschuldigen Sie, dürften wir mal? …“ Loriots Konzertbesuch fällt mir ein. Gut, dass uns keiner hier kennt. Wir wenden beim Hinsetzen kurz die Köpfe – und schräg hinter uns winkt’s. „Aaach, schau mal an, Engelchen, Nachbarn aus Wellen?…“ War uns das peiheihei­heinlich!

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