Neujahrsempfang der Kreisliberalen in Edertal mit ehemaligem Spitzenpolitiker Wolfgang Gerhardt

"FDP wird noch gebraucht"

Edertal-Giflitz - Der ehemalige FDP-Spitzenpolitiker Wolfgang Gerhardt forderte beim Neujahrsempfang seine Parteifreunde in Waldeck-Frankenberg (rund 365 Mitglieder) dazu auf, sich weiterhin dafür einzusetzen, dass die FDP Speerspitze bleibt für eine Politik, die persönliche Verantwortung in den Vordergrund stellt: „Ohne Mühen und Plackerei kein Erfolg.“

„Die FDP wird noch gebraucht.“ Davon ist Gerhard fest überzeugt. Er war Gast beim Neujahrsempfang der Kreisliberalen am Samstagnachmittag, Gastgeber war der Edertaler Ortsverband im Dorfgemeinschaftshaus Giflitz.Gerhardt ist eines der bekanntesten Gesichter der alten FDP-Garde mit einer Vielzahl von Ämtern in der Partei sowie in Bundes- und hessischer Landespolitik. Von 1995 bis 2001 war er Bundesvorsitzender. Dr 71-Jährige ist derzeit Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit: „Dafür bin ich in 60 Ländern unterwegs.“

In den Mittelpunkt seiner Ansprache stellte der Altliberale die Verantwortung einer Gesellschaft für sich selbst und beschwor dabei altbewährte Werte, „die nicht verloren gehen dürfen.“ So wie privates Engagement. Zum Beispiel bei den vielen Tausend mittelständischen Betrieben in Deutschland, ein wahrer Schatz, den es zu behüten gelte. Die nicht hoch genug einzuschätzenden Anstrengungen müssten belohnt werden: „Und nicht wie nicht selten durch unsere Politik bestraft.“ In Deutschland müsse es weiterhin eine Partei geben, „die etwas versteht von Marktwirtschaft“.

Kritisch setzte sich der Ex-FDP-Chef auseinander mit einer satten Gesellschaft, „die alles sofort haben will und dabei nicht an die nächsten Generationen denkt“. Nach Einschätzung Gerhardts breitet sich derzeit die Meinung allzusehr aus, „sowohl bei der Kanzlerin wie bei Ministerin Nahles“, der Staat könne sich wieder etwas leisten: „Wir können nicht alles sofort verbrauchen.“ Gerhardt zur viel beschworenen Energiewende: „Wird vielleicht ein gigantisches Subventionsprogramm.“

Trotz aller Sorgen und Probleme sollten die Menschen nie vergessen: „Es ist ein unglaubliches Glück, in Europa zu leben.“ Wolfgang Gerhardt beschloss seine Rede mit einem brandaktuellen Thema: Gehört der Islam wirklich ohne Einschränkungen zu unserem Land? Im militanten Islamismus, sagte der FDP-Politiker, „steckt die Aggressivität der zu kurz Gekommenen.“ Wenn sich der Islam in Deutschland „beheimaten“ wolle, dann nur in moderner Form, insbesondere mit der Fähigkeit zur Toleranz. Die zahlreichen Freien Demokraten aus Gemeinde Edertal und Kreis begrüßte der Edertaler Ortsvereinsvorsitzende Elmar Schultze-Ueberhorst: „Diese Veranstaltung ist eine gute Gelegenheit, mit gutem Schwung und frischen Ideen ins neue Jahr zu gehen.“ In einem Grußwort ging Edertals Bürgermeister Klaus Gier kurz ein auf Sorgen und Nöte der Gemeinden, auf weiterhin unzureichende finanzielle Ausstattung trotz einer stetig steigenden Zahl von Aufgaben. Den in den letzten Jahren arg gebeutelten Liberalen drückt Gier die Daumen für einen Neustart: „Seien Sie in Lauerstellung und sprungbereit.“ Das Schlusswort sprach für den verhinderten Kreisvorsitzenden Dieter Schütz dessen junger Stellvertreter Stefan Sommer aus Burgwald. Der Student ermunterte seine Parteifreunde zu vollem Einsatz, damit die nicht für möglich gehaltene Zeit der „außerparlamentarischen Opposition“ (im Bund) bald vorbei sei. Vor Ort sei die Aufstellung für die Kommunalwahl 2016 besonders wichtig.Für die Heimfahrt gab es für Gerhardt Lektüre über das Edersee-Jubiläum (samt Jubiläumstrunk). Im DGH klang der Empfang mit Kaffee und Kuchen aus. (jm)

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