Historische Löschübung erinnert an großen Brand in Altwildungen

"Feurio!" am Schulplatz

Bad Wildungen-Altwildungen - Die Veranstaltungsreihe zum großen Brand in Altwildungen vor 250 Jahren setzte der Bürgerverein fort mit einer Demonstration des Feuerlöschwesens über drei Epochen und einem historischen Rundgang.

Frank Parlow von der Wildunger Feuerwehr berichtete am Samstag von vergangenen Zeiten, in denen es noch keine regelrechten Feuerwehren gab. Auch im Städtchen Altwildungen war Feuermelder der „Türmer“ von seinem hohen Beobachtungspunkt auf dem Kirchturm. Bei einem „roten Hahn“ alarmierte er die Einwohnerschaft mit heftigem Glockengeläut und dem Ruf „Feurio!“

Zunächst mussten die Handwerker ausrücken mit Hämmern, Äxten, Piken und anderen Utensilien. Wichtigstes Löschmittel waren aus Leder genähte Eimer. Man bildete eine sogenannte Eimerkette. Wie das funktionierte, konnten am Schulplatz zahlreiche Schaulustige, Alt und Jung, ausprobieren beim Löschen eines angezündeten Strohballens.

Erste Feuerlöschtechnik hielt Einzug im 18. und 19. Jahrhundert mit Handdruckspritzen. Der Altwildunger Bürgerverein besitzt einen solchen Veteranen mit Baujahr 1895, der dank sorgsamer Wartung tatsächlich noch funktioniert. Zur Brandstelle gelangte die Spritze mittels Muskelkraft oder von einem Pferd gezogen. Dann war kräftiges Pumpen angesagt.

Erneute züngelten am Schulplatz Feuer und Qualm aus einer Fuhre Stroh. Es dauerte eine Weile, bis der Spritzen-Oldie richtig in Schwung kam und endlich ein dünner Wasserstrahl den Erfolg der Bemühungen krönte. Die Schau endete mit einer kurzen Übung der modernen Wildunger Feuerwehr. Eine freiwillige Feuerwehr bestand in Altwildungen bis Ende der Siebziger-Jahre. Sie ging damals auf in der Bad Wildunger Feuerwehr.

Bevor der Tag gemütlich im Backhaus ausklang, fand eine weitere Premiere statt. Gerd Karges, langjähriger „Schellenmann“ des Bürgervereins, entführte bei einem Rundgang in das „alte“ Altwildungen. Schwerpunkt war das prachtvolle Fachwerk der Schlossstraße und die Zeit Ende der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Handwerk und Landwirtschaft dominierten, das Stadtbild hatte sich in der langen Zeit nach dem Großbrand nur wenig verändert.

Rund 70 Interessierte begleiteten Karges, der sich als profunder Altwildungen-Kenner erwies. Ein Jahr nach der Feuersbrunst entstanden 1764 26 neue Häuser, im Jahr darauf noch einmal elf. Altwildungen zählte 1938 knapp 850 Einwohner, 2012 waren es 2426.

Um das Jahr 1958 herum gab es 32 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe, die meisten im alten Stadtkern. Fünf Schreiner, zwei Schuster, zwei Schneider und zahlreiche weitere Handwerkssparten waren in Altwildungen vertreten, weiterhin drei Lebensmittelgeschäfte, eine Metzgerei und drei Gastwirtschaften. (jm)

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