SPD- und CDU-Abgeordnete bringen Zwei-Stimmen-Mehrheit für einen ET-Neubau zusammen

Fiss knapp vom Parlament ausgebootet

Edertal - Eine so gefühlsbeladene Diskussion und ein vergleichbar knappes Abstimmungsergebnis erlebte die Gemeindevertretung zuletzt vor vielen Jahren in der Nationalpark-Frage. Mit 16 zu 14 Stimmen legte sich das Parlament fest, einen Neubau für die Edersee Touristic zu errichten.

In welcher Größe genau und wohin genau auf dem Sperrmauervorplatz – das lässt der Beschluss offen. Allerdings nicht für sehr lange. Der Bauausschuss soll rasch zusammentreten. Ins Auge gefasst, aber noch nicht bestätigt ist der 14. August. Auf jeden Fall soll die Gemeindevertretung bei ihrer nächsten Sitzung nach der Sommerpause (Oktober) eine detaillierte Planung für das Projekt verabschieden. Denn bis Ende des Jahres müssen die Fördermittel vom Land (Investitionsbank Hessen) abgerufen sein. „Ins Jahr 2015 übertragen können wir sie nicht“, hatte Bürgermeister Klaus Gier vor der Debatte gemahnt. Die Politiker folgten am Donnerstag im Giflitzer DGH seinem Drängen, endlich eine Entscheidung zu fällen. Einerseits. Andererseits hatte Gier keinen Hehl gemacht aus seiner Vorliebe für die Altbau-Lösung. Doch selbst der vorgestern von der Familie Fiss verkündete 30-prozentige Nachlass auf den bislang geforderten Kaufpreis reichte nicht aus, um eine Mehrheit gegen den Neubau zu formieren. Auf Antrag von Holger Blume (WIR Edertaler) wurde namentlich abgestimmt. Nach dem Ergebnis wetterte Hartwig Lands‑kron (FWG) vor der Tür in Richtung Neubau-Befürworter: „Damit sägt ihr euch selbst ab. Die Quittung gibt’s bei der nächsten Wahl.“ Landskron erwartet eine Kostensteigerung bei dem Projekt, weil er dem vorgelegten Entwurf nicht traut, und erhöhte damit den Druck auf den Neubau-Architekten Karl-Hermann Emde. Auf der anderen Seite reagierten Tourismus-Unternehmer aus Hemfurth-Edersee harsch auf die öffentlichen Äußerungen von Ortsvorsteher Jens Schulze, der eine nahezu einheitliche Front in der Dorfbevölkerung für die Fiss-Variante und gegen den Neubau ausmacht. Trotz des gleichlautenden, eindeutigen Votums des Ortsbeirats in dieser Frage gebe es durchaus eine Menge Leute in Hemfurth-Edersee mit gegenteiliger Ansicht, betonte beispielsweise Thomas Hennig vom Rehbach, der mit der Parlamentsmehrheit d’accord geht. Diese setzte sich zusammen aus dem größten Teil der SPD- und CDU-Abgeordneten sowie den Fraktionslosen. Doch sowohl bei den Sozialdemokraten als auch bei der Union stimmten einige Parlamentarier mit den übrigen Bürgerlichen WIR, FWG und FDP, die geschlossen pro Fiss und kontra Neubau auftraten. In den folgenden Wochen und im Oktober muss sich zeigen, ob eintritt, was CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Wieck vor der Entscheidung beschwor: „Egal, wie die Abstimmung ausfällt. Danach müssen alle ins Boot, um die Planung in ihren Details auszuarbeiten.“ Mutterseelenallein am Steuerruder bleibt Karl-Heinz Schäffer (CDU), unabhängig vom Ergebnis. Er ist weder für Fiss noch für den Neubau im Hang, sondern möchte der ET eine kleine Info von 80 bis 90 Quadratmetern „irgendwo im hinteren Bereich des Sperrmauervorplatzes errichten“.

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