Franz-Josef Göllner beendet seine Berufslaufbahn

Fließender Übergang als seltener Glücksfall

Symbolträchtige Übergabe: Franz-Josef Göllner und sein Nachfolger Sebastian Reimann (mit „Grisu“) im Wellener Revier vor dem „Wald der Generationen“, der anlässlich des Dorfjubiläums vor einigen Jahren auf einer Windwurffläche angelegt wurde.Foto: Schuldt

Edertal-Wellen - „Das ist ein großes Glück und heute überhaupt nicht mehr selbstverständlich“, sagt Franz Josef Göllner und schaut seinen Nachfolger Sebastian Reimann an. Dieser nickt.

Zwei Förstergenerationen, ein Revier: das Wellener. Seit Monaten arbeitet Göllner den jungen Mann ein, der inzwischen offiziell bestellt ist. Nach 34 Jahren im Wellener Forst endet Göllners Berufslaufbahn an diesem Wochenende.

„Meistens kommen neue Förster heute in ein Revier, das seit Monaten nicht mehr besetzt ist. Der Vorgänger ist längst weg“, sagt Göllner. Bei einem fließenden Übergang, wie in diesem Fall, kann der neue Förster viel besser seinen Zuständigkeitsbereich kennen lernen, profitiert von der Erfahrung und den Ortskenntnissen seines scheidenden Vorgängers.

Viel hat sich verändert, seit Franz-Josef Göllner seinen ersten Tag im Wellener Wald verbrachte. Gut 1000 Hektar hatte er damals zu betreuen. Eine erhebliche Fläche im Wildunger Raum kam im Laufe mehrerer Forstreformen hinzu. „Die Arbeit am Computer nimmt wegen der zunehmenden Reviergröße in Zukunft noch breiteren Raum ein“, erwartet Göllner.

Das sieht auch Reimann so, allerdings hat er keine Angst, dass Förster irgendwann nur noch virtuell im Wald unterwegs sind. „Ich habe mich für den Beruf entschieden, weil er so ein breites Spektrum abdeckt und ich in der Natur arbeite“, erklärt er. Sein Interesse wurde früh geweckt, schließlich trat er mit dieser Berufswahl in die Fußstapfen seines Vaters. Sebastian Reimann reizt am Förster-Dasein unter anderem der Gestaltungsspielraum und dass täglich einzelne Entscheidungen zu treffen sind, die sich über Jahre und Jahrzehnte auswirken.

Das war, ist und bleibt so. „34 Jahre sind im Leben eines Baumes und aus der Perspektive eines Försters eine kurze Zeit“, sagt Franz-Josef Göllner. Jede „Forsteinrichtung“, so nennt sich der Zehn-Jahres-Plan einer Forstverwaltung, bedeutet für die Natur wenig mehr als einen Wimpernschlag.

Förster denken in Kategorien von mindestens 60 bis 90 Jahren. Kommen sie darüber ins Grübeln in einer Zeit, in der schnelle Ergebnisse zählen? „Im Prinzip denkt man daran nicht, obwohl man sich dessen mit zunehmendem Dienstalter bewusster wird“, sagt Göllner.

Der lange Blick in die Zukunft schlug sich während seiner Dienstzeit in einer Änderung der Waldbewirtschaftung nieder. Nachhaltig soll sie sein und Monokulturen vermeiden, die sich als anfällig gegen Stürme und andere Naturkatastrophen erwiesen.

Das Ziel lautet angesichts des Klimawandels: einen arten- und generationenreichen Wald aufzubauen. „Das wird mindestens ein Jahrhundert dauern“, fügt Göllner hinzu.

Kahlschläge soll es nicht mehr geben, was sich unmittelbar auf die Arbeit im Wald auswirkt. „Waldarbeiter müssen viel aufmerksamer sein, wenn sie heute zwischen mannshohen jungen Bäumen einzelne ältere herausnehmen“, erklärt Göllner. Die Forstarbeiter stünden oft nur in Funkkontakt zueinander, ohne sich zu sehen, wie früher, als ein Stück Wald einfach von vorne nach hinten abgeholzt wurde.

Die Technisierung hat den Forst erfasst. Wo früher drei Leute an einem Baum im Einsatz waren, bewältigt heute einer allein die Aufgabe. Die großen Erntemaschinen geben den Takt vor, fällen sogar in der Dunkelheit. „Wenn die Wellener nachts grelles Licht im Wald sehen, ist es kein Ufo, sondern ein Harvester“, sagt Göllner trocken.

Welche Verbindung baut ein Förster unter diesen Bedingungen zu seinen Bäumen auf? „Zu einem Wirtschaftsbaum im Wald keine“, meint der scheidende Wellener Revierförster. Die Bäume im Wald werden möglichst astfrei herangezogen, der Nachfrage am Markt entsprechend. Ihre genetisch vorgegebene Form dürfen sie nie erreichen.

Nein, angetan haben es Franz-Josef Göllner frei stehende, die Landschaft prägende Einzelbäume von natürlichem Wuchs, die er im Zuge seiner Arbeit schützte. In der durch den Ruhestand gewonnenen Freizeit wird er sie sicher regelmäßig besuchen.

Revierförster Sebastian Reimann ist zu erreichen unter 05635/8888-28 oder 0151/10860801.

Von Matthias Schuldt

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