Alle gegen Volker Zimmermann wegen der Allee-Bepflanzung

Flower-Power-Zoff im Parlament

Bad Wildungen - „Wenn du nicht sofort aufhörst, hol’ ich dich vom Platz!!!“ Zornesrot stauchte der Vater von der Seitenlinie aus den F-Jugend-Fußballer zusammen. Der hatte sich mitten im Spiel niedergehockt, um Gänseblümchen zu pflücken. Merke: An der Macht der Blumen können sich Geister scheiden…

Das zeigt nicht nur dieses einige Jahre alte Beispiel, sondern das bewies auch die Stadtverordnetenversammlung am Montag im Frebershäuser DGH. „Soll die Allee nicht mehr blühen?“, fragte Renate Faber (CDU), als sie einen Antrag ihrer Fraktion begründete: Die Stadtverwaltung solle ein Konzept vorlegen zur Bepflanzung der Prachtmeile mit Wechselflor in Beeten und Trögen. Die Abgeordnete hielt dem Bürgermeister eine ganze Latte von Sünden vor, die städtische Gärtner in seinem Auftrag auf der Prachtmeile begangen hätten: Rosen herausgerissen, Beete beseitigt, alle Büsche gerodet, kurz: die Allee leer geräumt. Die leidenschaftliche Rosenfreundin und -kennerin schmerzt überdies der Verlust wertvoller, vom Lions-Club einst gespendeter Rosen, deren Rabatte im Kurpark eingeebnet worden sei. Volker Zimmermann hielt dagegen: „Gestaltung im öffentlichen Raum beschränkt sich nicht auf Blumenbeete. Sichtbeziehungen, Gebäude und Möblierung fügen sich mit der Bepflanzung zu einem Ganzen.“ Er verwies auf das Büro plancontext, dessen Landschaftsplaner im Auftrag der Stadt 2012 Vorschläge zur Bepflanzung von Allee und Kurpark unterbreitet hätten. Auf diese Vorschläge gehe beispielsweise das Entfernen der zum Teil wild gewachsenen Sträucher in der Allee zurück. Der Bürgermeister hatte mit dieser Sicht der Dinge das gesamte Parlament gegen sich. Die Wildunger Gäste erwarten blühende Landschaften in der Badestadt, lautete der Tenor unisono. So hätten sich die Stadtverordneten das nicht vorgestellt, als sie seinerzeit vor den Allee-Holzauktionen die grob vorgestellten Pläne der Stadtverwaltung zur Kenntnis genommen hätten, kritisierte Caroline Tönges (Grüne), Vorsitzende des Umweltausschusses. „Wenn man von der Mehrheit abweichende ästhetische Empfindungen hat, lebt man gefährlich“, mahnte SPD-Fraktions-Vorsitzender Walter Mombrei und verwies besonders auf den Osterschmuck, der Tausende jährlich anzieht. „Wo sollen die Ehrenamtlichen ihren Schmuck anbringen, da alle Büsche verschwunden sind?“ Die Hilfskonstruktionen des vorigen Jahres bieten aus Sicht der Stadtverordneten keine Dauerlösung. „Wie kann ein 50 Zentimeter hohes Rosenbeet im Kurpark die Sichtbeziehung zwischen Wandelhalle und Teich stören?“, fragte Marc Vaupel (CDU). Der Bürgermeister konterte die Vorwürfe, indem er überraschend ein Konzept zur Bepflanzung von Allee und Kurpark vorlegte, das die städtische Gärtnermeisterin Bettina Vonde ausgearbeitet hat. Vier große Sonderbeete in der Allee bleiben erhalten, zum Beispiel das mit dem Waldecker Stern. Die 47 Tröge würden wiederkehrend nach fünf unterschiedlichen Konzepten mit mehrjährigen Stauden bepflanzt: Blütenpflanzen, die es sowohl als Einjährige wie Mehrjährige gibt, wie Sonnenhut, Mädchenauge, Salbei oder Zierlauch. Zwiebelpflanzen sollen die Rasenflächen im Frühling bereichern.Vorteile: Blüten gibt es in der Allee bis in den November zu sehen. Die Tröge liegen niemals nackt da wie bei Wechselflor. Der Pflegeaufwand sinkt. Stauden halten Unkraut nieder und den Boden für die Bäume feucht. Das Parlament überwies das Konzept dennoch in den Ausschuss. Marc Vaupel: „Wir wollen weitere Sonderflächen für Wechselflor einrichten.“

Hintergrund: Bürgermeister Volker Zimmermann erläuterte weitere Elemente des Pflanzkonzepts neben der Gestaltung der Allee. In den kleinen Vorgarten der Tourist-Info mit der Wackerbarth’schen Kurdame werden Hecken und Rosen so angeordnete, dass sie die Ornamente an der Fassade des Gebäudes widerspiegeln. Im Wildunger Kurpark sei die Anzahl der Beete im Vergleich zur bisherigen Situation erhöht worden. Die Gärtner hätten den künstlich angelegten Bachlauf frei geschnitten, sodass das Wasser wieder bis hinunter zum Teich fließe. Die Liegestühle auf der Kurparkwiese würden sehr gut angenommen. Zwei weitere sollen installiert werden. „Wir wollen keine sterile Wiese, sondern eine lebendige, auf der ruhig Frisbees fliegen können“, meinte er. Die Ruheplattform mit Bänken neben der Richard-Kirchner-Büste hätten die Gärtner frei geschnitten und bepflanzt, sodass Gäste von dort aus wieder einen schönen Blick quer durchs Tal auf das Kurpark-Café genössen. Die Innenhöfe der Wildunger Wandelhalle sollen attraktiv bepflanzt und der steril wirkende Westeingang (Richtung Reinhardshausen) ansprechender ausgestattet werden. Neue, blühende Dauerpflanzen sind vorgesehen rund um die Reinhardshäuser Wandelhalle. Ein neuer Blütenteppich soll den Schwanenteich einfassen. Teich, Bach und Muschel wurden freigestellt, damit sie wieder besser zur Geltung kommen.(su) Von Matthias Schuldt

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