Kommenden Samstag startet an der Greifenwarte im Wildtierpark Edersee die Schausaison

Frühjahrsdiät macht fit für den Flug

Geier und Falken sind nur zwei der Greifvogelarten, die ab kommenden Samstag mit ihren Flugkünsten über dem Edersee wieder zu beobachten sind.Fotos: Archiv

Hemfurth-Edersee. - Die Falken, Eulen, Geier oder Milane der Greifenwarte Edersee haben ihre Frühjahrsdiät hinter sich gebracht: „Das Fluggewicht ist erreicht. Samstag kann die Schau-Saison beginnen“, kündigt Falkner Theo Koch an.

Kein Scherz. Die Stars der Flugschau erhalten seit rund 14 Tagen kleinere Futterrationen als über den Winter hinweg. Allerdings nicht, weil gewichtige Fettpolster sie sonst am Abheben hindern würden. Die Vögel fressen nur so lange, bis sie satt sind, erklärt Koch. Essen aus Langeweile oder als Selbstzweck (wie viele Menschen) kennen sie nicht.

Ist er satt, bleibt der Greif auf dem Ast

Gleiches gilt aus Sicht der Greife fürs Fliegen. „Sie steigen nicht auf, weil sie sich sagen: Was für ein schöner Tag“, erklärt der erfahrene Falkner. Adler, Eule & Co verlassen ihre Ansitze nur, wenn sie Hunger haben, um zu jagen oder auf andere Weise Fressbares zu ergattern - oder im Höchstfall noch für die Brautschau. Sind sie satt oder in festen Händen, bleiben sie auf ihrem Ast, denn Energiesparen gehört in der belebten Natur seit Anbeginn der Zeit zum guten Ton.

Sieben wilde Milane schätzen die Gastronomie

An dieses eherne Gesetz halten sich auch die sieben „freien Mitarbeiter“ der Greifenwarte im Wildtierpark: wilde Rot- und Schwarzmilane, die seit Langem die Flugschauen als bequemes, Kraftreserven schonendes Gastronomie-Angebot zu schätzen wissen. „Wir warten jedes Jahr darauf, dass sie wiederkommen und wir erkennen jeden einzelnen an seinem Flugverhalten und anderen Eigenheiten“, berichtet Theo Koch. Einige holen sich das Futter gar direkt aus der Hand der Falkner. Gewöhnlich Ende März, Anfang April treffen die Milane als Zugvögel aus ihren Winterquartieren in ihren Brutrevieren am Edersee ein.

Was sie und die fest angestellten Gefiederten der Greifenwarte serviert bekommen, hat übrigens eine ebenfalls beachtliche Reise hinter sich. Bei den Mäusen, Ratten, Eintagsküken, Kaninchen und anderen Leckereien handelt es sich um Tiefkühlware. „Wir beziehen sie von einem großen, spezialisierten Züchter aus Holland“, verrät der Falkner. Die Globalisierung macht vor den scharfen Schnäbeln nicht halt, was zur Internationalität der Edersee-Fliegertruppe passt. Denn Gänsegeier, Luggerfalken, Weißkopf-Seeadler und etliche weitere Akteure leben in freier Wildbahn Hunderte bis Tausende Kilometer von der Eder-Talsperre entfernt.

Aber: „Wir wollen dieses Jahr mehr heimische Vögel in die Flugschau integrieren“, sagt Theo Koch. Wobei sich nicht jeder Greif eignet. Ein Mäusebussard und Schleiereulen werden auf Einsätze vorbereitet, während ein Habicht als domestizierter Flugakrobat nicht in Frage kommt. Er würde wie ein Blitz auf kleinere Greifvögel niedergehen und sie schlagen, wie er es in der Natur tut.

Streichel-Uhu Josef hat sich gut entwickelt

Aktuelle Meldung zu den Streichel-Uhus Josef und Hermine, die sich im vorigen Jahr im Publikumskontakt abwechselten: „Josef hat sich bestens entwickelt und Hermine konnten wir deshalb umziehen lassen auf unsere Greifenwarte in der Eifel“, erklärt der Falkner.

20 weitere Vögel kehren an ihren Einsatzort in den Wildpark Neuhaus zurück. Sie verbrachten den Winter am Edersee gemeinsam mit den hier beheimateten rund 40 Kollegen.

Geier brüten schon

Einige von ihnen bekommen bald Nachwuchs. „Die Gänsegeier sitzen auf ihren Eiern und Eier der Luggerfalken liegen im Brutkasten“, verrät Theo Koch.

Es ist also alles bereitet für den Saisonstart am 1. März, der obendrein auf einen Samstag fällt - und bislang kündigt die Wettervorhersage für Edertal sogar 10 Sonnenstunden an. Die Thermik lässt grüßen.

Bis zum 15. November sind die Greife täglich (außer montags) um 11 Uhr und um 15 Uhr in Aktion zu erleben.

Kommentare