Gutachten zur Reaktivierung des Kurhauses vorgestellt

Fünf-Millionen-Paket

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Erheblichen Sanierungsbedarf ermittelte der Gutachter für den 27 Jahre alten Kurhauskomplex in der Langemarckstraße. Allein die Wiederinbetriebnahme von Kurhaus und Tiefgarage ohne weitere Nebengebäude erfordert über 3,5 Millionen Euro.Archivfotos: Höhne

Bad Wildungen - Das 27 Jahre alte Kurhaus wieder mit Leben zu erfüllen - das gibt’s nicht zum Schnäppchenpreis. In der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend in der Wandelhalle wurde dies mehr als deutlich. Bauamtsleiter Klaus Weidner nannte erste Details und beeindruckende Zahlen aus dem mit Spannung erwarteten Gutachten.

„An dem Gebäudekomplex ist ein Pflege-, Wartungs-, Renovierungs- und Modernisierungsstau festzustellen“, heißt es in dem Gutachten des Ingenieurbüros Frese, und das überrascht nicht. Undichte Flachdächer und Fenster, feuchte Wände, bröckelnder Akustikputz - das sind nur einige Punkte, die der Schätzer aus Odershausen in Zusammenarbeit mit zwei Fachingenieurbüros aus Marburg aufführt.

Abriss von Badehaus und Therapeutikum

Zu Kurhaus und Tiefgarage ist die Mängelliste besonders lang: In der Tiefgarage - seit 2012 aus Brandschutzgründen geschlossen - fehlt die Entrauchungsanlage. Die Lüftungsanlage ist nicht funktionstüchtig, ebenso Brandmeldeanlage und Rauchabzüge. Die Batterieanlage für Notstromversorgung ist nicht mehr zu gebrauchen, die Sprinkleranlage ist außer Betrieb, die Fußbodenheizung durch Frostaufbruch teilweise defekt. Geräte im Kontrollraum für Bühnentechnik im Obergeschoss wurden Opfer von Vandalismus, ebenso Einrichtung, Türen, Deckenverkleidung der Künstlergarderobe im Untergeschoss. Eine Aktivierung allein von Kurhaus und Tiefgarage ohne Nebengebäude wird auf 3,54 Millionen Euro geschätzt.

Weitere 223000 Euro Investitionsbedarf entfallen auf das ehemalige Lesesaalgebäude im Erdgeschoss. Dort wurden in den vergangenen zehn Jahren bereits 275000 Euro investiert. 108000 Euro sind für Abriss- und Entsorgungskosten für das ehemalige Badehaus 1 nötig. Knapp 204000 Euro würden für den Abriss des Therapeutikums fällig. Es wurde 1986 vollständig saniert und später wegen fehlender Nachfrage außer Betrieb genommen. Eindringender Regen durch das undichte Flachdach hat in der Kurdirektorwohnung und auf mehreren Etagen des Therapeutikums erhebliche Schäden verursacht.

Samt Heizzentrale für 115000 Euro und elektronisch programmierbarer Schließanlage (27000 Euro) kommt der Gutachter auf Investitionskosten in Höhe von 4,22 Millionen Euro zur Aktivierung des Kurhauses. Mit Baunebenkosten geht er von einem Gesamtbedarf von 5,275 Millionen Euro aus. Darin ist die Einrichtung noch nicht erfasst.

„Die Analyse der Kosten zeigt, dass der Großteil der notwendigen Kosten auch bei regelmäßigem Betrieb über die letzten Jahre angefallen wäre und nicht durch Bauschäden generiert wurde“, betonte Bauamtsleiter Weidner. Gerade im Bereich Elektro-, Sanitär-, Lüftungs-, Steuerungstechnik wären 27 Jahre alte Anlagen heute nicht mehr genehmigungsfähig. „Sieht man vergleichbare Gebäude hinsichtlich der technischen Komplexität wie Heloponte oder Wandelhalle, so wird klar, dass hierfür jährlich erhebliche Mittel hätten bereitgestellt werden müssen, um den laufenden technischen und betrieblichen Erfordernissen Rechnung zu tragen.“

Bürgerversammlung im Februar

Die Ergebnisse des Gutachtens mit Kosten und Perspektiven (siehe Artikel links) werden in den Fraktionen beraten. Auf Antrag der SPD-Fraktion gibt der Magistrat ab sofort dem Stadtparlament im nicht öffentlichen Teil der Sitzungen einen monatlichen Sachstandsbericht über die weitere Entwicklung des Kurhauses. Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nawrotzki kündigt noch für Februar eine Bürgerversammlung an, in der das Gutachten ausführlich vorgestellt werden soll.

Bis Hotel, Reaktivierung, Reparaturen oder sonstige Pläne tatsächlich angepeilt werden, bleibt das Kurhaus weiterhin ein durchlaufender Investitionsposten. Laut Kämmerer Günther Gutheil betrugen die jährlichen Aufwendungen in den vergangenen drei Jahren jeweils rund 220000 Euro.

Von Conny Höhne

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