Edersee-Schwimmer Hauptmannl über sein Husarenstück

Im Fürstental kamen die Zweifel

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Auf den letzten, beißenden Metern: „Okay, da isses!“

Edersee - „Ich bin stolz wie Bolle auf ihn“, schreibt die zehnjährige Nichte Lisa-Marie in einer E-Mail an die Redaktion über ihren Patenonkel Björn Hauptmannl. Sie hat ihn, wie die ganze Familie, vom Ufer aus immer wieder angefeuert, als er den Edersee am Sonntag der Länge nach durchschwamm. WLZ-Redakteur Matthias Schuldt sprach mit ihm am Tag danach.

Herzlichen Glückwunsch zu dieser großartigen Leistung, Herr Hauptmannl. Wo tut´s weh heute Morgen?

Ziemlich überall. Der ganze Körper schmerzt.

War der Edersee der erwartet schwere Gegner?

Ja, nach dem, was ich an Pfingsten und am Samstag erlebt habe. Einfach wegen der Wassertemperatur, wegen der Lufttemperatur und wegen des Windes. Das hat mir an vielen Stellen das Leben sehr, sehr schwer gemacht.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als auf Höhe der Hammerbergspitze endlich die Sperrmauer in Sicht war und der Wind ausgerechnet dann noch zulegte?

Ich kenne den See seit vier Jahren vom Segeln und wusste: Im Staumauerbecken kann´s nochmal richtig hart werden. Aber dass es so heftig werden würde... Ich bin um die Ecke geschwommen und weiß gar nicht, was ich denen im Boot alles an den Kopf geworfen habe. Ich dachte, ich spinne. Es sind von dort nur noch 1500 Meter, aber es war so heftig, dieses letzte Stück. Das einzige, was einem dann hilft, ist: Okay, da vorne isses!

Hatten Sie unterwegs mal den Gedanken: Nee, ich hör´ auf?!

Ja, im Fürstental. Die ersten drei Stunden liefen sehr, sehr gut. Mit der Temperatur hatte ich mich arrangiert. In Fürstental kam der Wind und die gefühlte Temperatur ist eine ganz andere. Das Tal zieht sich sehr lang hin. Das nimmt einem im Kopf eine Menge und man weiß: Du hast ungefähr das Gleiche nochmal vor dir. Da musste ich mit mir kämpfen.

Was haben Sie am Ziel, an der Sperrmauer, überhaupt wahrgenommen?

Der schönste Moment war der, als ich an der Boje anschlug mit dem Gefühl der Erleichterung: Jawohl, du hast es. Die letzten 25 Meter bis zur Mauer darf man aus Sicherheitsgründen ja nicht schwimmen. Damit ich das Reglement von anderen Durchquerungen wie des Bodensees einhalte, musste ich auf eigenen Füßen, aus eigener Kraft das Wasser verlassen. Deswegen haben wir die Treppe ausgewählt, zu der ich zurückschwamm. Dann kommt man raus und realisiert, dass einen die Beine nicht mehr so wirklich tragen. Man sitzt da, zittert am ganzen Körper und muss irgendwie sehen, dass man wieder zu Kräften kommt. Das hat zwei Stunden gedauert, dann ging es einigermaßen.

Viele fragen sich angesichts solcher Strapazen: Warum das Ganze auch noch ohne Neopren-Anzug?

Neopren-Anzüge sind bei Querungen - beim Ärmelkanal, beim Fehmarn-Belt - ein bisschen verpönt bei Freiwasserschwimmern. Wenn man in den Kreis derer aufgenommen werden will, dann gibt es Regeln, an die sich alle halten. Die Badehose darf nicht über die Knie gehen, ich darf nur mit Melkfett und Vaseline als Wärmeschutz arbeiten, es darf kein Neopren sein, auch nicht die Badekappe. Dazu eine Schwimmbrille, das war´s. Man darf sich nicht am Boot festhalten oder eine Pause dort einlegen, wo man stehen kann. Wenn man all das einhält, wird´s auch anerkannt.

Welchen Tipp haben Sie für die Schwimmerin, die in zwei Wochen Ihrem Beispiel im Edersee folgen will?

Ich hoffe, sie bekommt höhere Wassertemperaturen. Das wird ihr das Leben deutlich leichter machen. Wie ich gehört habe, will sie das als Vorbereitung für die Durchquerung des Ärmelkanals nehmen. Von daher wird sie im Ärmelkanal ähnliche Bedingungen vorfinden, wie bei mir am Sonntag. Sie soll es einfach auch genießen. Es ist eine sportliche Leistung, für die man lange trainiert, egal, wie schnell man die Strecke schafft. Ich wünsch´ ihr das Glück, einen guten Tag zu erwischen und gut durchzukommen als erste Frau, die den Edersee der Länge nach durchquert.

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