In Ederstraße abgelehnt: Ampeln regeln Verkehr in Blumenbeeten

Galgenhumor in Wegaer Garten

Bad Wildungen-Wega - Seit 20 Jahren fordern die Wegaer eine Fußgängerampel, aber ohne Erfolg. Seit einigen Tagen reiben sich Passanten verwundert die Augen: Plötzlich stehen gleich zwei Lichtzeichenanlagen in der Ederstraße – Galgenhumor im Vorgarten des Ortsvorstehers.

Hessens Minister Tarek Al-Wazir sprach nach dem zwei Jahrzehnte währenden Drängen der Wegaer nach mehr Sicherheit für Passanten in der Ortsdurchfahrt das (vorläufig?) letzte Machtwort. Auf Nachhaken der CDU-Landtagskandidatin Claudia Ravensburg lehnte der grüne Minister eine Schlafampel ab. „...nach Mitteilung der Polizei (sind) im dortigen Bereich der L3218 keine Unfälle zu verzeichnen...“, heißt es in der ausführlichen Begründung.

Verwiesen wird vielmehr auf „große Lücken im Fahrzeugverkehr“. Darüber kann Ortsvorsteher Franz Berghoff nur den Kopf schütteln. „6500 bis 7000 Autos fahren täglich über die Ederstraße, davon 400 Lastzüge.“ Kinder auf dem Schulweg und Senioren auf dem Weg zum Friedhof seien besonders gefährdet in der eng bebauten Ortsdurchfahrt, wo der Bürgersteig zum Teil nur ein Meter breit ist. All das spiele offenbar keine Rolle. Frust machte sich nach dem Brief des Ministers in Wega breit. „Es muss wohl erst ein schwerer Unfall passieren, bis endlich gehandelt wird.“

Als Bad Wildungens ausgediente Verkehrsampeln kürzlich unter den Hammer kamen, hatte Ortsvorsteher Berghoff eine Idee: Eine Ampel muss her für eine Protestsatire im Garten.

Gleich zwei alte Lichtzeichenanlagen vom Wildunger Stadtring ließ er sich von Bürgermeister Volker Zimmermann nach Wega bringen. Dort stehen sie nun im Garten des Ortsvorstehers und flankieren selbst gereimte Verse: „Ich sollte an der Straße stehen, wo die Menschen rüber gehen. Das geht nicht, sagen unsere Bürokraten, ihr müsst auf einen Unfall warten. So stehe ich als Blumenampel hier betroffen, kann nur auf meinen Einsatz hoffen!“ Und die Moral von der Geschicht`: Politiker versprechen viel und halten‘s nicht.“

Der Ortsvorsteher hofft, dass die Satire im Blumenbeet hohe Wellen schlägt und doch noch zu einem Umdenken führt. „Wenn der fließende Verkehr schon wichtiger ist als die Unversehrtheit der Menschen, weiß ich nicht, ob das die richtige Einstellung ist“, kommentiert Berghoff das Verfahren. Zur Lebensqualität gehört auch, dass man sicher über die Straße geht.“ (höh)

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