Frischquak

Geblitzt

Bad Wildungen - Segnungen der modernen Kommunikation. „Achtung, Blitzer in der 30er-Zone Anraff“, warnte mich mein Sohn Donnerstagmittag per SMS – aus Maastricht von seiner Uni aus. Weiß der Geier, woher er das hatte und was ihn das „a thousand miles from home“ angeht. Büffeln soll er, schließlich bezahl’ ich dafür.

Vielleicht ging’s ihm aber genau darum: eine dunkle Ahnung, die Finanzierung seiner Ausbildung könnte plötzlich gefährdet sein – denn ich musste ihm zurücksimsen: „Zu spät! Heute Morgen ich bergab reingerauscht, Mama zwei Stunden später bergauf...“ Angesichts des Doppelschlages war ich geneigt, mich der Fraktion der Verschwörungstheoretiker anzuschließen: Arolser Straßenverkehrsamt und Wildunger Bauamt verstellen die Wege mit Baustellen und – zack – die Edertaler bauen Fallen an der Umleitung auf. Im dunklen Hinterzimmer werden später die Gewinne aufgeteilt, zwecks Stopfens diverser Haushalts- und Schlaglöcher. Aus meinem Herzen keine Mördergrube machend, äußerte ich diesen Verdacht gegenüber dem Wildunger Ordnungsamtsleiter, woraufhin dieser seine Edertaler Kollegen in Schutz nahm: „Die haben die Radarfalle gar nicht aufgestellt. Das waren wir. Bei der Radarmessung haben Wildungen und Edertal einen gemeinsamen Ordnungsamtsbezirk. Und uns geht es nicht ums Geld.“ Sondern???? Na ja, zwar habe es wegen zu hoher Geschwindigkeiten auch Hinweise aus Anraff gegeben, aber vor allem Altwildunger hätten sich über Bleifüße in ihrer 40er-Zone beschwert. „Dort installieren wir aber kein Radargerät, weil wir den gesetzlichen Mindestabstand bis zum Anfang der Zone nicht einhalten können. Unsere Überlegung war, dass die Leute abgeschreckt sind, wenn sie in Anraff geblitzt werden und dann nach Altwildungen hineinfahren“, erläuterte mir der Wildunger Amtsleiter. Funktioniert, sind mein Hausengel und ich uns einig. Schließlich war der Blitz in Anraff so grell, dass wir beide nach dem unverhofften Fototermin einen Moment lang kaum was gesehen haben und danach vorsichtiger wurden.Nun warten wir gespannt, wie hoch unsere Spende an die öffentliche Hand ausfällt, während mir das Leiden eines Kollegen etwas Trost spendet, der mir jüngst von seinem automobilen Ausflug in die Schweiz berichtete. Mit 81 Stundenkilometern geblitzt, wo Tempo 80 gilt. Rechnung: satte 120 Euro. Bei solchen Tarifen hätten mein Hausengel und ich einen Käufer fürs Eigenheim suchen müssen, um Sohnemann weiter zur Uni zu schicken und ich erinnere mich, was ich dem Kollegen auf seine Geschichte erwiderte: „Es wird ja niemand gezwungen, schneller zu fahren als erlaubt.“

Aufrichtige Besserung gelobt

Euer Ederlurch

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