Bad Wildungen

Gedanken kreisen nur um den „Stoff“

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- Bad Wildungen (höh). Ein Alkoholiker schildert seine Wege in die Sucht und die Hilfe bei einer Wildunger Selbsthilfegruppe

Alles fing harmlos an mit Bier und Whisky auf einer Klassenfahrt. Im Alter von 16 Jahren startete die Alkoholkarriere des Helmut F. (Name von der Redaktion geändert). Nach und nach verfällt er der Sucht, strickt Lügengebilde, verliert Arbeit und Freunde, ruiniert seine Gesundheit.

An Schnaps und Schoppen heranzukommen, war einfach. „Kein Wirt hat mir den Alkohol verwehrt“, erinnert sich der Mann an seine Jugendjahre. Aus dem Feierabendschoppen wurden schnell drei oder vier. Später bei der Bundeswehr gehörte das Trinken dazu. „Ich habe nicht erkannt, dass sich da ein Problem entwickelt, das ich allein gar nicht bewältigen kann“, sagt er heute. Der Alkohol hat sein Leben ruiniert. „Gesundheitlich bin ich ein Wrack: Augen, Bauchspeicheldrüse, Leber, Durchblutung, Diabetes, zwei Zehen wurden amputiert, Bluthochdruck.“

Am Anfang stand die Erleichterung in lustiger Gesellschaft, „Blödsinn“ zu reden. Dieses Erleichterungstrinken ging in die tägliche Zuflucht zum Alkohol. Erinnerungslücken entstanden, der Alkohol wird zur dringend benötigten Droge. Ich habe mich in dieser Phase geschämt. Meine Gedanken drehten sich nur noch um Alkohol. Reicht mein Vorrat noch, wie plane ich den Tagesablauf, damit ich zwischendurch unbemerkt etwas trinken kann?

Nach einem plötzlichen Alkoholentzug bekam ich mein einziges Delirium tremens. In dieser Phase war ich am ehesten bereit, eine Therapie anzutreten.
 Der berühmte „Klick“ kam aber erst nach der dritten Therapie. Zu drei Therapien war ich zwischen 1991 und 2009. Vor der ersten hat mich mein Arbeitgeber entlassen, weil ich besoffen an der Arbeit war. Die Abstinenz danach betrug fünf Monate. Die zweite Therapie war 2002. Meine Frau hat mich dazu gedrängt. Die Abstinenz danach betrug drei Monate. Zur dritten Therapie wollte ich selbst. Im Juli 2008 habe ich die letzte größere Menge Alkohol getrunken: 20 Flaschen Weinbrand in 14 Tagen und täglich acht große Flaschen Bier. Seit 10. November 2008 bin ich „trocken“.

Meine Sorgen habe ich meinen Freunden von der Selbsthilfegruppe „Blaues Kreuz“ in Bad Wildungen erzählt. Ich danke Gott, dass ich diese Gruppe mit diesen Freunden gefunden habe. Kontakt: Selbsthilfegruppe Blaues Kreuz Bad Wildungen. Treffpunkt: Donnerstag, 19.30 Uhr, Hufelandstraße 12.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 5. Februar.

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