Freispruch in Untreue-Prozess gegen eine 54-jährige Reinhardshäuserin

„Geld ist irgendwie dahin geplätschert“

Fritzlar/Bad Wildungen - Mit einem Freispruch endete ein Prozess vor dem Fritzlarer Amtsgericht gegen eine 54 Jahre alte Frau aus Reinhardshausen wegen des Verdachts der Untreue.

Die Frau war beschuldigt worden, in der Zeit vom Dezember 2009 bis Mai 2011 in 18 Fällen rund 27000 Euro von den Konten einer 82-jährigen abgehoben und in die eigene Tasche gesteckt zu haben (WLZ berichtete ausführlich).

„Es ist alles getan worden, um Klarheit zu schaffen. Diese Klarheit ist nicht entstanden“, stellte Staatsanwalt Wolfgang Urbanek nach dem dritten Verhandlungstag fest, denn im dichten Zahlen-Dschungel erwies es sich als ausgesprochen schwierig, einen roten Faden zu finden. Auch eine nochmalige Vorladung der Geschädigten konnte nicht wirklich Licht ins Dunkel bringen, denn ihr Konto sprach mehrfach eine ganz andere Sprache als die Rentnerin zunächst zugeben wollte.

Allerdings räumte sie nach intensiver Befragung auch größere Abhebungen über 500 Euro und gewisse Nachlässigkeiten im Umgang mit ihren Kontoauszügen ein, die sie offenbar nie genau in Augenschein nahm. Auch konnte sie sich an nähere Einzelheiten oftmals nicht mehr erinnern, woraus der Staatsanwalt insgesamt den Schluss zog: „Sie weiß in der Tat nicht, wohin irgendein Geld gegangen ist.“

Dazu passte auch die Aussage eines Bankangestellten, der bestätigte, dass die 82-jährige auf jeden Fall vier Überweisungen selbst unterschrieben hat. Einhelligkeit herrschte vor allem über jene Summe von rund 90000 Euro, welche die Witwe der damals noch mit ihr befreundeten Angeklagten in mehreren Abständen geschenkt hatte.

Außerdem kam das Gericht zu dem Ergebnis, dass die Geschädigte über alle Bankvorgänge im Einzelnen informiert gewesen sei und die fraglichen Abhebungen in gemeinschaftlicher Abstimmung zwischen der heute 54-jährigen und ihrer damaligen Freundin erfolgt seien.

„Das Geld ist irgendwie nicht mehr nachvollziehbar dahin geplätschert. Es besteht kein Anlass, meiner Mandantin vorzuwerfen, sie habe eine Untreue begangen“, sagte Verteidiger Wolfgang Osken in seinem Schlussplädoyer.

„Nach wie vor ist der Aussage der Geschädigten ein Verdacht zu entnehmen, dass Geld, was abgehoben wurde, nicht bei ihr ankam. Aber dieser Verdacht lässt sich nicht durch Beweise erhärten“, lautete das Fazit von Richterin Corinna Eichler in der abschließenden Urteilsbegründung.

Kommentare