Eon baut vorerst keine neue Kaverne · Auch bestehende Turbinen werfen weniger ab

Geschäftsmodell ist ausgelaufen

Bleibt vielleicht eine millionenteure Episode: der Erkundungsschacht für die neue Kaverne.

Edersee - 250 Millionen Euro sind eine Stange Geld für eine Maschine, wenn ich nicht sicher weiß, ob diese später Gewinn abwirft.

Eon hat deshalb die Reißleine gezogen und den Ausbau der zweiten Kaverne vorerst auf Eis gelegt. Das bestätigte Pressesprecherin Fabienne Twelemann von der Düsseldorfer Konzernzentrale. „Unsicherheiten in der Zukunft der Energiewirtschaft“ lautet die offizielle Begründung.

Ein Blick hinter die Kulissen lohnt, denn eigentlich hieß es stets: Das Pumpspeicherkraftwerk ist eine Bank für die Zukunft, denn wenn Deutschland auf regenerative Energien setzt, braucht es „Batterien“, die überschüssig erzeugten Strom von Windrädern und Solarzellen zwischenspeichern.

Das stimmt auch - im Prinzip. Bloß hat ausgerechnet der Ausbau der Photovoltaik das alte Geschäftsmodell der Pumpspeicherkraftwerke ruiniert. Sie wurden einst als „Veredelungsmaschinen“ mit billigem Nachtstrom betrieben, um das Wasser auf den Berg zu schaffen. Tagsüber, wenn die Stromnachfrage und damit der -preis stieg, jagte man das Wasser vom Berg wieder hinunter durch die Turbinen und kassierte einen lukrativen Preis fürs Einspeisen der Energie ins Netz.

Der Tarifunterschied zwischen Nacht und Tag, der Nachfrageunterschied zwischen Nacht und Tag - er machte die Speicherkraftwerke am Edersee zu Gelddruckpressen.

Und heute? Dann, wenn die meisten Menschen und Unternehmen viel Strom brauchen, liefern auch die Solarzellen ihre größte Leistung ab: in den Mittagsstunden.

Heute müssen die Betreiber der Pumpspeicherkraftwerkedeshalb geschickt und flexibel an- und abschalten, hinaufpumpen und ablassen, um auf ihre Kosten zu kommen.

Sollen sich die Turbinenkraftwerke auf Dauer rechnen, bedarf es eines neuen „Preismodells“, eines neuen „Marktdesigns“, das die Bundesregierung nach Ansicht der Konzerne entwerfen muss.

Ähnliches gilt für die Gaskraftwerke, die als Puffertechnik gebaut werden könnten. Allein am Markt lässt sich mit ihnen kein Geld verdienen, weil der in ihnen produzierte Strom teurer ist als der aus anderen Kraftwerksarten, etwa Atommeilern.

Denn es gibt - europaweit gesehen - keine Energieknappheit, sondern genug Erzeugungskapazitäten, weil Frankreich, Tschechien und andere Länder ihre billigen Kernkraftwerke weiter laufen lassen. Ob neue Sicherheitsvorschriften, wie aktuell diskutiert, mit den nötigen Milliardeninvestitionen an diesen Kräfteverhältnissen etwas ändern, weiß zur Stunde niemand.

Lässt sich in Deutschland die Energiewende vollziehen, ohne dass sich das Land bis zu einem gewissen Grad gegen den europäischen Markt abschottet? Könnte sich Deutschland einen solchen Schritt überhaupt leisten, wo es als Exportnation in so vielen anderen Wirtschaftszweigen abhängig ist von einem freien Handel in Europa und der Welt?

Das Bundeswirtschaftsministerium gab auf Anfrage der WLZ-FZ gestern bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zur Entscheidung der Eon ab.

Am Edersee rätselt unterdessen mancher: Wenn das Geschäftsmodell der Pumpspeicherkraftwerke nicht mehr funktioniert und das neue deshalb nicht gebaut wird, wie lange laufen die bestehenden dann noch? „Eine gute Frage“, antwortet die Eon-Pressesprecherin, aber: „Wir ziehen uns nicht aus Edertal zurück.“

Die Baugenehmigung für das neue Kavernen-Kraftwerk hat noch Gültigkeit bis zum Jahr 2016.

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