Selbach

Giftchemikalie sickert in Reiherbach

- Waldeck-Selbach (höh). Beim „Tag der Natur“ vor zwei Jahren wurde der Reiherbach als sauberster Bach Hessens gefeiert. Das war einmal. Denn im vermeintlich unbelasteten Wasser schwimmen gefährliche Schadstoffe, die in Verdacht stehen, Krebs auszulösen.

Das Wiesbadener Landesamt für Umwelt und Geologie stellte bei einer Messung erhöhte PFC-Werte fest. Dabei handelt es sich um sogenannte Perfluorierte Chemikalien, die industriell hergestellt und in einer Vielzahl von Produkten verwendet werden. Auslöser für die Messungen war der Düngemittel-Skandal in den Jahren 2004 und 2005 in Hessen und Nordrhein-Westfalen, so Dr. Marion Hemfler vom Landesamt für Umwelt und Geologie in Wiesbaden auf WLZ-FZ-Anfrage. Auf knapp 600 Hektar landwirtschaftlicher Fläche wurde damals in Nordhessen belasteter Dünger eines Herstellers aus dem Kreis Paderborn ausgebracht, darunter auch in Waldeck-Frankenberg und im Landkreis Kassel. Durch illegale Entsorgung belgischer Industrieabfälle sind die Flüsse Ruhr und Möhne in Westfalen verseucht worden. Zwei Düngermieten aus dem Kreis Kassel wurden in der Sondermüllanlage in Frankfurt entsorgt. Offenbar gelangten langlebige Schadstoffe mit Klärschlamm oder mit aus Klärschlamm hergestelltem Dünger von landwirtschaftlichen Feldern auch in den Reiherbach. Das mutmaßt Dr. Marion Hemfler, die seit 2006 Projektleiterin für PFC-Untersuchungen in Nordhessen ist. Der Skandal um die Giftchemikalie wird seit diesem Umweltskandal aufgearbeitet, die Wege des Düngers auf Feld, Wald und Wiese werden verfolgt, Gewässergüten in der Region überprüft. „Darunter war auch der Reiherbach in Nieder-Werbe, und der war auffällig“, so die Hydrogeologin. Fachleute suchen derzeit fieberhaft nach dem Ursprung der Giftchemikalie auf Feldern entlang des Bachlaufs. In den nächsten Wochen sollen weitere Bodenproben entnommen werden, mit Ergebnissen rechnet die Wiesbadenerin spätestens im Frühjahr.Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ-Ausgabe vom Dienstag, 16. November 2010.

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