Konzern setzt auf regenerative Energien, meint damit aber nur Sonne und Wind

Eon gliedert auch die Wasserkraft aus

+
Bringen weniger ein: die Anlagen im Energieberg.Foto: Archiv

Edertal - Der Energiekonzern Eon speckt gewaltig ab. Künftig will er nur noch die Geschäftsfelder Regenerative Energien, Energienetze und Kundenlösungen beackern. Den Rest - die konventionelle Energieerzeugung in Kraftwerken von Atom über Kohle bis Wasserkraft - gliedert Eon in eine neue Gesellschaft aus.

Ja, auch Wasserkraft, obwohl diese im allgemeinen Verständnis zu den regenerativen Energien gehört. „Im Zusammenhang mit dem Strategiewechsel sind mit regenerativ aber allein Sonne und Wind gemeint“, erläutert Markus Nitschke, Pressesprecher von „Eon-Erzeugung“.

Mit anderen Worten: Auch die Pumpspeicheranlagen am Edersee zählen zu dem Bestand, den der Großkonzern loswerden will. Das über Jahrzehnte erfolgreiche Geschäftsmodell der Pumpspeicherkraftwerke rechnet sich kaum noch. Früher brachte man mit billigem Nachtstrom das Wasser auf den Berg und ließ es am Tag - weil die Strompreise hoch lagen - abwärts durch die Turbinen rauschen, die den so erzeugten Strom ins Netz einspeisten. Die Differenz zwischen günstigem Einkauf nachts und teurem Verkauf tagsüber floss gewinnträchtig in die Taschen des Konzerns.

Sonnen- und Windenergie mit ihren Produktionsspitzen am Tag durchkreuzen diese Rechnung. Übrig bleibt die Funktion der Pumpspeicherwerke als Batterie, als Möglichkeit, überschüssigen Strom aus Wind- und Sonnenkraft zu speichern und bei Bedarf zur Verfügung zu stellen. Diese Leistung wird aber bislang kaum honoriert. Deshalb hat Eon am Edersee 2012 die Pläne für eine zweite, 250 Millionen Euro teure Kaverne im Peterskopf vorerst auf Eis gelegt.

Folgen für Edertal aktuell nicht seriös zu beurteilen

Welche Folgen der Umbau für die Gemeinde Edertal und speziell ihr Bemühen um die Tourismus-Einrichtungen Standseilbahn und Eon-Infozentrum hat, lässt sich aktuell nicht seriös beurteilen.

Mit einem Umsatz von mehr als 122 Milliarden Euro und weltweiten Stromerzeugungskapazitäten von 61 Gigawatt im Jahr 2013 ist Eon Deutschlands größter Energiekonzern. Doch leidet das Unternehmen wie die gesamte Branche massiv unter den Folgen der Energiewende. Das Hauptproblem: Das klassische Stromgeschäft wirft wegen des wachsenden Anteils von Sonnen- und Windenergie immer weniger Geld ab. Daneben gibt es weitere Belastungen: So hat das Unternehmen durch ehrgeizige Expansionspläne in den vergangenen Jahren einen Schuldenberg von 31 Milliarden Euro aufgehäuft.

Die Wasserkraftsparte von Eon umfasst in Deutschland ­dabei 110 Kraftwerke, davon 98 durch Laufwasser angetrieben. Hinzu kommen fünf Speicherkraftwerke. Von den sieben Pumpspeicheranlagen stehen drei am Edersee.

Die neue Gesellschaft, in die auch die Wasserkraft überführt wird, starte schuldenfrei und mit den kompletten Atomrückstellungen des Konzerns in Höhe von rund 14,5 Milliarden Euro, teilte Eon am Wochenende mit. Großkraftwerke würden noch für eine lange Zeit als Rückgrat der Energieversorgung gebraucht, heißt es aus dem Konzern. Deshalb werde das ausgegliederte Geschäft eine starke Zukunft haben.

Allerdings unterscheide sich das klassische Geschäftsmodell immer stärker von den Anforderungen der neuen Energiewelt. Es sei schwerer, beides unter einem Dach zu vereinen.

Eon will im nächsten Jahr die Grundlagen schaffen, um die neue Gesellschaft 2016 an die Börse zu bringen und abzuspalten. Dafür werden die Investitionen um 500 Millionen Euro auf 4,8 Milliarden Euro erhöht.

Auswirkungen auf die Arbeitsplätze soll das alles nicht haben. Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sind weder Jobs noch die Milliarden-Atom-Rückstellungen bei Deutschlands größtem Energieversorger gefährdet. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeitsplätze in beiden Unternehmen gesichert bleiben“, sagte er. Der Staat sei an einem Einstieg nicht interessiert. Sorgen, dass Eon sich beim Atomausstieg aus der Verantwortung ziehen könnte, seien unbegründet, fuhr er fort.

Eon rutscht 2014 tief hinein in die roten Zahlen

Die Grünen warnten vor erheblichen Risiken für die Steuerzahler. „Ich befürchte, dass Eon eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss“, sagte die Energie-Expertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn.Sie ist der Ansicht, dass diese Gesellschaft nicht genug Gewinn erwirtschafte, um den Rückbau und die Entsorgung der stillgelegten Atommeiler vollständig zu finanzieren.

Im laufenden Jahr reißt das bisherige Geschäft den Konzern tief in die roten Zahlen. Wertberichtigungen vor allem bei südeuropäischen Geschäften und Kraftwerken von 4,5 Milliarden Euro werden zu einem „erheblichen Konzernfehlbetrag im Geschäftsjahr 2014 führen“, hieß es in der Pressemitteilung.

(su/dpa)

Kommentare