Schmied Johannes Kahl fertigt den Hahn für den geplanten Kirchturm im Nieder-Werber Vorstaubecken

Gockel kräht schon in der Werkstatt

+
Schmied Johannes Kahl fertigte den Wetterhahn für den Kirchturm im Vorstaubecken.

Waldeck-Niederwerbe - In einer Nieder-Werber Werkstatt entsteht die Hauptfigur für den neuen Kirchturm im Vorstaubecken. Schmied Johannes Kahl modellierte einen Wetterhahn für das ungewöhnliche Projekt zum 100-jährigen Bestehen der Edertalsperre.

„Der muss nur noch gestrichen werden, und dann ist er fertig“, erklärt der 81-jährige Schmied Johannes Kahl und zeigt auf den Kirchturmhahn aus Zink in seiner kleinen Werkstatt in Nieder-Werbe. Beim Edersee-Jubiläum 2014 soll die verschieferte Spitze der alten Dorfkirche aus dem Vorstaubecken an ihrem historischen Standort wieder aus dem Wasser ragen (WLZ berichtete).

Drei Tage hat der Rentner den Gockel bearbeitet. „Erst mal habe ich eine Schablone gemacht, anhand der ich den Hahn ausgeschnitten habe“, skizziert er die Vorgehensweise. Danach wurde das Standrohr angefertigt, in dessen Eisen sich noch ein Kupferrohr befindet. Das Lager wird eingefettet, damit sich der Hahn bewegen kann.

Der Schmied erklärt: „Der Hahn muss später gerade auf dem Turm stehen, damit er sich drehen kann.“ Aber auch die Statik ist wichtig. Wenn der Wind bläst, ist es wichtig, dass der Hahn am Schwanz länger ist, damit er sich drehen kann.

Immer wieder fragen Gäste am Edersee nach der versunkenen Kirchturmspitze. Hintergrund könnte sein, dass bis Mitte der 1920er Jahre die Nordwand der Bericher Klosterkirche noch aus dem Wasser des Edersees ragte.

Zudem ist aus dem 1950 angelegten Reschensee in Süd- tirol der Kirchturm des Dorfes Graun noch heute im Wasser zu sehen. Bei der Sprengung der Gebäude im Sommer 1950 wurde der im romanischen Stil erbaute Turm aus dem 14. Jahrhundert aus Gründen des Denkmalschutzes stehen gelassen.

Auch am Edersee soll im Jubiläumsjahr wieder vieles an vergangene Zeiten erinnern. Karl-Harald Hesselbein, Vorsitzender des Verkehrsvereins Nieder-Werbe: „Neben dem massiv für die nächsten 100 Jahre zu errichtenden Kirchturm werden Bildtafeln mit historischen Aufnahmen der versunkenen Objekte das Leben und die Dorfsituation vor 100 Jahren dokumentieren.“ Aufgestellt wird auch eine Tafel mit den Namen der Unterstützer dieses Projekts.

„Futter für den Hahn besorgen“

Nach den vorliegenden Kostenvoranschlägen werden die Baukosten auf rund 30 000 Euro geschätzt. Ein Antrag auf Förderung des Projektes beim Verein Kellerwald-Edersee ist bewilligt worden. Auch die Stadt Waldeck unterstützt das Bauvorhaben.

„Da muss künftig aber noch jemand für den Hahn das Futter besorgen“, schmunzelt der Schmied Johannes Kahl. Er wurde 1932 in Hamburg geboren und erlernte ab 1949 in Twiste bei den Gebrüdern Reuter das Schmiedehandwerk. Später arbeitete er in Nieder-Werbe in der Schlosserei und Schmiede von Helmut Pfeil. Bei den Mauser-Werken in Waldeck war er dann zunächst als Kontrolleur, später bis 1989 als Meister tätig. Dann ging er in Rente. „Ich habe 46 Jahre gearbeitet“, sagt der stets hilfsbereite und zuvorkommende 81-Jährige rückblickend. Daneben bewirtschaftete Kahl mit seiner inzwischen verstorbenen Ehefrau Anneliese viele Jahre den Kiosk am Werber Eck, der sich direkt am Edersee befindet. „Da waren früher ganze Angelvereine“, schwelgt er in vergangenen Zeiten.

Kahl war in den 1970er Jahren Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Nieder-Werbe. Gut kann er sich noch an die 1934 gebaute Motorspritze erinnern, in die B- und C-Schläuche passten: „Dies war die beste Pumpe, die wir jemals hatten.“ Helmut Pfeil besaß eine 600er Zündapp, die noch von der Wehrmacht stammte. Sie wurde manchmal zum Ziehen vor die Spritze gespannt. Kahl: „Wir saßen mit fünf Mann auf dem Motorrad.“ Das Spritzenhaus war damals in einem separaten Raum in der Badeanstalt untergebracht, die direkt gegenüber dem heutigen Hotel Werbetal am Vorstaubecken lag.

Kommentare