Wildunger zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt

Griff mit gravierenden Folgen für Kind

Bad Wildungen/Kassel. - Ein Jahr und drei Monate Haft, zur Bewährung ausgesetzt für drei Jahre. Außerdem muss der 46-jährige Angeklagte 1000 Euro Geldbuße an die Zeugen- und Opferhilfe zahlen sowie die Kosten des Prozesses einschließlich der Anwaltskosten der Nebenklage tragen.

Dieses Urteil verkündete die sechste Strafkammer des Landgerichts Kassel am Donnerstag im Verfahren wegen Kindesmissbrauchs gegen einen Wildunger. „Ein kurzer Griff mit gravierenden Folgen“, sagte Vorsitzender Richter Volker Mütze in der Begründung des Kammerspruchs.

Das Gericht folgte von A bis Z, auf Punkt und Komma, der Ansicht von Staatsanwaltschaft und Nebenklagevertreterin. Das heute 15-jährige Mädchen, dem der Wildunger im Sommer 2010 bei einem Badeausflug an die Stockelache in die Bikinihose gegriffen hatte, sage die Wahrheit. „Daran hegen wir keinen Zweifel“, betonte Mütze, verwies auf die Aussagen der damaligen Freundinnen des Opfers, auf das Gutachten der erfahrenen Kinderpsychologin und auf das Verhalten des heute 46-Jährigen bei verschiedenen Chats mit der damals Zwölfjährigen und einem weiteren, minderjährigen Mädchen. Das Gericht wertet die Internet-Aktivitäten und Telefonate des Mannes mit dem Kind als „Anbahnung“ dessen, was am See folgte. Selbst nach dem Vorfall habe er noch Kontakt gesucht.

Im Vergleich zu anderen Verfahren mögen all diese Dinge als Bagatelle erscheinen, führte der Vorsitzende Richter aus, doch in den Aussagen des Mädchens spiegele sich bis heute wider, wie sehr diese Erlebnisse es durcheinander brachten und das Kind in einer denkbar ungeeigneten Phase trafen, in der die Sexualität sich allmählich entwickelt. Genau solche Beeinträchtigungen aber solle das Gesetz gegen Kindesmissbrauch verhindern. Panikattacken beim Anblick älterer Männer, Weinen in Erinnerung an das Erlebte: Folgen wie diese für das Kind hätten das Gericht dazu bewogen, eine Strafe auszusprechen, die sich zwar im unteren Bereich des Möglichen (sechs Monate bis zehn Jahre) bewege, aber für den Verurteilten spürbar sei.

Die Kammer blieb drei Monate unter der Forderung der Anklage, verlängerte dafür aber die Bewährungsfrist um zwölf Monate auf drei Jahre, „damit wir Sie länger unter Kontrolle haben“, wie Mütze zum Angeklagten sagte. Wenn sich der Wildunger in diesem Zeitraum auch nur eine einzige Straftat zuschulden kommen lasse oder gegen die Bewährungsauflagen verstoße, zu der ein regelmäßiger Kontakt zum Bewährungshelfer zählt, werde die Bewährung widerrufen und der 46-Jährige müsse seine Haftstrafe antreten, mahnte der Vorsitzende Richter.

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