Umstellung auf Gegenverkehr läuft weitgehend ruhig ab

Das große Chaos bleibt aus

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Gewohnheit ausgebremst. Hier zieht keiner automatisch auf die linke Spur.

Bad Wildungen - „Was für ein Chaos!“, meint der eine. „Muss das sein? Vor 30 Jahren haben wir auf Einbahnstraße umgestellt, jetzt alles zurück...“, fragt die andere.

Ordnungsamtsleiter Martin Segeler nahm die Kritik gestern mit Humor und antwortete: „Na, in 30 Jahren geht’s wieder andersrum.“

Es war halt wie immer in der Badestadt, wenn sich etwas ändert. Erst mal granteln; freuen kann man sich später, falls der Wandel sich doch als angenehm herausstellen sollte.

Kurze Phase der Irritation

Das erste Auto, das am Morgen „verkehrt herum“ von der Allee nach links in den Breiten Hagen einbog, trug bezeichnenderweise ein Nummernschild aus dem Main-Taunus-Kreis. Ortsfremde­ waren in der Vergangenheit schließlich immer wieder mal entgegen der Einbahnstraße gefahren und hatten verdutzt geschaut, wenn ihnen auf ihrer Spur ein Einheimischer hupend entgegenkam.

Das passierte in den ersten Minuten der Umstellung auf dem Breiten Hagen gestern Morgen auch. Doch spielte sich die neue Gegenverkehr-Regelung rasch ein. Erster Stadtrat Bart van der Meer drehte im Viehmarktslotterie-Hauptgewinn unbeschadet seine erste Runde gegen die frühere Einbahnstraße.

Auf dem Breiten Hagen herrscht genug Betrieb und so kommt niemand mehr auf Idee, vom neuen Laustraßenkreisel aus automatisch und aus Gewohnheit auf die linke Spur zu ziehen. Sie ist schlicht vom Gegenverkehr besetzt. Die Wildunger haben in den vergangenen Monaten augenscheinlich eine erhebliche Routine entwickelt, sich an veränderte Verkehrsregeln zu halten.

Eselspfad hinauf fahren

Auch am Eselspfad, den man nun nicht mehr nur hinunter, sondern fortan auch hinauf fahren kann, entwickelten sich nach der Öffnung keine dramatische Situationen. Die „Einfädeln lassen!“-Schilder sind abgebaut und der Ärger - je nach Perspektive - über hochnäsige Vordrängler oder ignorante Blockierer gehört der Vergangenheit an.

Kaiserlinde nächste Woche

Der Eselspfad zwischen Brunnenallee und Stresemann-Straße wurde unterdessen wie geplant komplett gesperrt. Der Scharnier-Umbau dort kann starten.

Freie Fahrt in die Altstadt gilt auch wieder an der Kaffeemühle; von beiden Seiten aus. Allein der Kreisel am Kaiserlindendeck wurde gestern noch nicht freigegeben, obwohl er im Prinzip fertig ist.

„Weil es dort so eng ist, lassen wir ihn noch einige Tage gesperrt, damit die Baufirma in Ruhe die Verkehrsinsel und die Bürgersteige pflastern kann“, erklärt Martin Segeler. Zum Viehmarkt soll aber auch dort freie Fahrt gelten; „nicht gleich zum ‚Heiligen Abend‘, aber zum Viehmarktswochenende hin“, fügt er hinzu.

Knackpunkt der neuen Regelung könnte die Haltestelle an der Fürstengalerie werden: Staugefahr bei Anfahrt mehrerer Busse, die nicht alle vollständig Platz in der Bucht finden. Doch umgestellte Fahrpläne und Streckenführungen sollen verhindern, dass künftig zu viele Fahrzeuge gleichzeitig die Haltestelle anfahren. In Gegenrichtung ist schließlich eine neue hinzugekommen. Außerdem will die Stadt die Bucht 2013 verlängern, wenn die Sparkasse ihre Parkplatzeinfahrt etwas weiter Richtung Brunnenallee versetzt hat.

Verkürzte Rettungswege

Mag mancher Wildunger damit hadern, dass er sich umgewöhnen muss. Zwei große Gewinner - und damit noch viele weitere, die von diesem Vorteil bisher nichts ahnen - gibt es auf jeden Fall: die DRK-Rettungssanitäter und die Feuerwehrleute.

Durch den Gegenverkehr verkürzen sich die Rettungswege, bestätigt DRK-Geschäftsführer Jürgen Werner: „Wir freuen uns sehr darüber.“ Und damit auch all jene, die wegen eines Unfalls, eines Feuers oder eines me­dizinischen Notfalls künftig dringend auf rasche Hilfe warten.

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