Im „Lebendigen Museum“ wird frischer Apfelsaft gepresst

Große Wäsche für Kelteräpfel

Bad Wildungen-Odershausen - Ein goldener Oktobertag war der perfekte Beginn für den großen Keltertag im Lebendigen Museum Odershausen, der seinen festen Platz im Kalenderjahr hat.

Schon früh herrscht geschäftiges Treiben auf dem Hof. Nach traditioneller Art wird Apfelsaft gekeltert. Dafür sind einige Gerätschaften nötig, die von den Männern des Vereins herangetragen werden. Währenddessen treffen die Frauen die letzten Vorbereitungen in der Küche. Bereits am Tag zuvor wurden Blechkuchen gebacken und jede Menge Kartoffeln geschält.

Kaum öffnet das Museum für die Besucher seine Pforten, liegt auch schon der köstliche Duft von Schepperlingen und Apfelpfannkuchen in der Luft. Die Mitglieder des Vereins zur Erhaltung historischer Landmaschinen und Traktoren sind gut gerüstet für den Besucheransturm. 30 Zentner Äpfel wurden gesammeltt und warten auf Verarbeitung zu Saft und Wein.

„Keltern“ beschreibt die gesamte Saftgewinnung, vom Waschen der Äpfel bis zur Reinigung der Keltergeräte. Im Museumshof wird mit Hilfe originaler Maschinen gezeigt, wie dies früher von Hand ausgeführt wurde. Nach der Wäsche in der alten Zinkwanne landen die Äpfel im Muser. Dort werden sie zerkleinert, um das Auspressen zu erleichtern. Gut ist dessen Funktionsweise zu beobachten, und vor allem die jüngeren Besucher sind fasziniert vom Anblick der großen, gußeisernen Zahnräder. Während in den oberen Behälter immer neue Äpfel nachgegeben werden, fallen sie schließlich als Maische - so wird die Masse an Apfelstücken bezeichnet - in den Bottich unter der Maschine.

Weiter geht es in die Korbpresse, wo die Maische in einen Behälter gefüllt und mit Druck ausgepresst wird. Der frische, aromatische und süße Saft fließt direkt in ein Gefäß und wird den Gästen als willkommener Erfrischungstrunk gereicht. Ein großer Teil des Saftes wird zu Apfelwein vergoren, den die Besucher im nächsten Frühjahr im Museum kaufen können.

Was übrig bleibt, sind die ausgepressten Reste der Äpfel, die als Trester bezeichnet und als Tierfutter genutzt werden. Der komplette Keltervorgang stellt eine aufwendige Prozedur dar, erfordert Kompetenz und Geschick, wie auch all die anderen vorgeführten Handwerke früherer Zeit. Davon können sich die Gäste auch bei der Herstellung von Sauerkraut ein Bild machen oder Korbmacher, Schmied sowie die Woll- und Flachsverarbeitung in der Spinnstube beobachten. Eine Ausstellung gestickter Kostbarkeiten lässt das Herz einer jeden handarbeitsbegeisterten Besucherin beim Anblick von Schwälmer Spitze, Hardanger- und Buntstickerei höher schlagen, während bei Männern der Anblick filigraner Laubsägearbeiten die Lust auf handwerkliche Arbeiten weckt.

Nach vielen Vorführungen in diesem Jahr lädt das Lebendige Museum am 9. November abschließend zum großen Schlachtetag wie 1950 mit einem Original „Waldecker Schlachteessen“ ein. Damit schließt das Museum für diese Saison seine Pforten und startet in die Winterpause.

Von Carola Ulrich

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