Bad Wildungen: Kurhaus-Projektentwickler bei CDU und Frauenunion

Großer Saal im Hotel rechnet sich nicht

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Mit einem Saal für 500 Personen, wie im Kurhaus, ließe sich ein Hotel mit 200 Betten auf dem Kurhaus-Areal nicht rentabel betreiben. Es sei denn, die Stadt würde mitzahlen.

Bad Wildungen - Die Kurhaus-Debatte läuft auf ihren nächsten Höhepunkt zu. Am Mittwochabend präsentierten Projektentwickler Reinhard Ottmann und Architekt Markus Jungermann das städtebauliche Grobkonzept für das Areal. Am Dienstag wagte sich das Gespann, verstärkt durch Bürgermeister, Kämmerer und Stadtmarketing-Geschäftsführerin in die Höhle der Löwen und Löwinnen.

Sie informierten die CDU-Fraktion und die Frauen-Union, die 2500 Unterschriften zum Erhalt des 30 Jahre alten Gebäudekomplexes gesammelt hat. Nächsten Montag steht die Frage auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung.

Die Alternativen stehen klar im Raum:

Eine große traditionalistische Wildunger Gruppe um Impulspapier-Vater Dr. Albrecht Lückhoff will den Kern des Kurhauses mit Sälen und Rondell in städtischer Hand erhalten.

Volker Zimmermann, die Ampelkoalition und Ute Kühlewind setzen auf ein Hotel anstelle des Kurhauses.

Abriss des Kurhauses bis zum Parkdeck

Das Konzept von Reinhard Ottmann sieht den Abriss des Kurhauses vor mit Ausnahme des Parkdecks. „Für private Investoren und Betreiber lässt sich die Integration bestehender Gebäudeteile in ein Hotelprojekt nicht rentabel darstellen“, sagt Ottmann im Gespräch mit WLZ-FZ.

Auf dem Areal soll ein Hotel mit 200 Betten entstehen, ergänzt um zwei Stadtvillen mit zusammen 32 Wohnungen/Appartements, die auf Senioren als Zielgruppe zugeschnitten werden. Ottmann hat zwei Betreiber an der Hand, die Bad Wildungen als Standort untersucht hätten. Das Hotel soll einen Gesundheits- und Wellnessbereich beinhalten und in seiner Qualität der Frankenberger „Sonne“ vergleichbar sein, fügt der Projektentwickler hinzu.

Der benachbarte, denkmalgeschützte Bunker mit der angrenzenden, ebenfalls unter Schutz stehenden Ladenpassage soll im Zuge des Projekts wiederbelebt werden. Ein großer Saal für 500 Gäste - auch wenn er neu gebaut würde - rechne sich als Bestandteil eines 200-Betten-Hauses nicht, erläutert Ottmann auf Nachfrage.

Soll ein solches Angebot Bestandteil des Vorhabens sein oder besteht die Stadt darauf, die alten Kurhaussäle zu integrieren, müsste sie also selbst Geld für diesen Zweck bereitstellen.

Konkrete Bauplanungen, wie das Ganze später aussieht, gibt es noch gar nicht, erklärt Architekt Markus Jungermann: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt handelt es sich um reine Flächennachweise für ein solches Hotel- und Wohnprojekt.“

Deshalb seien Befürchtungen unbegründet, ein „rechteckiger Kasten“ solle den Platz des Kurhauses einnehmen. In die Bauplanung steige man erst ein, wenn klar sei, welche konkre-ten Anforderungen der künftige Betreiber des Hotels stelle.

Mit ihm seien Sanierung und Weiterbetrieb des Kurhauses in städtischer Regie nicht zu machen, verdeutlicht Bürgermeister Volker Zimmermann auf Nachfrage erneut: „Wir müssten sonst Abstriche auf anderen Feldern machen. Das Heloponte wird schwierig genug, hat aber aus meiner Sicht Priorität vor dem Kurhaus.“ Es gelte, auch Verantwortung zu übernehmen für die Wildunger, die noch gar nicht geboren sind und in der Zukunft Spielräume zur Gestaltung der Stadt brauchen.

CDU will mehr Transparenz und einen „Plan B“

CDU-Fraktionschef Oliver Syring erwartet in Zukunft mehr Transparenz und Informationen für die Öffentlichkeit zu dem umstrittenen Thema. Die Argumente des Bürgermeisters hätten durchaus ihre Berechtigung, aber sie müssten viel deutlicher kommuniziert werden.

Die CDU verlange dreierlei:

1. einen Plan B für den Fall, dass ein Hotel ein Wunschtraum bleibt.

2. das Erledigen der nötigsten Arbeiten, um den weiteren Verfall des Kurhauses zu stoppen.

3. eine detaillierte Kostenberechnung, was die Instandsetzung und der Betrieb einzelner Teile des Komplexes kosten würde: Rondell, Säle, Parkhaus.

„Außerdem gibt es möglicherweise Interessenten, die Teile des Areals kaufen möchten“, fügt der CDU-Fraktionsvorsitzende hinzu. Auch solche Vorstöße gelte es zu prüfen.

Ein großer Saal für 500 Gäste und bestimmte Veranstal-tungen - das bleibt für alle Beteiligten ein wichtiger Aspekt. Der Bürgermeister will trotz der bekannten Schwierigkeiten ausloten, wie sich ein solches Angebot in ein Hotelprojekt einfügen ließe.

Falls sich hier kein Weg eröffnet, hält er es für sinnvoll, mit dem Maritim-Badehotel Kontakt aufzunehmen. Vielleicht lassen sich dessen große Säle aufrüsten für umfangreichere kulturelle Ereignisse, wie sie im Kurhaus stattfanden. (su)

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