Naturpark Kellerwald-Edersee will Affolderner See ökologisch aufwerten

Großes Petri-Unheil in der Fischwüste

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Der Affolderner See hat bei Anglern an Attraktivität verloren. Der Naturpark Kellerwald-Edersee will das Gewässer ökologisch voranbringen und wieder zu einem Paradies für Fliegenfischer werden lassen.

Edertal - Affoldern - Wenig Fische und katastrophale Fangergebnisse - Angler murren über die Bedingungen am Affolderner See. Der Naturpark als neuer Pächter will das Gewässer ökologisch voranbringen und es wieder zu einem Paradies für Fliegenfischer werden lassen.

Der Affolderner See verliert bei Anglern bereits seit Jahren zunehmend an Attraktivität. Über die Gründe der Artenarmut und der geringen Fischdichte grübelt der neue Pächter. Der Zweckverband Naturpark Kellerwald-Edersee, der die Fischereirechte in 2012 übernommen hat, will das Gewässer ökologisch aufwerten und gleichzeitig die Bewirtschaftung gesetzeskonform ausrichten.

Ernüchterung brachte ein Fisch-Monitoring (Bestandsaufnahme) der Eon-Wasserkraft in Zusammenarbeit mit dem Naturpark. „Wir hatten angenommen, dass es in der Naturschutzzone im See große Hechte gibt, die unsere Forellen fressen - das ist aber nicht so“, erläuterte Naturpark-Geschäftsführer Rainer Paulus auf WLZ-Anfrage.

Strategie braucht Zeit

Vielmehr sei der Affolderner See arm an Arten und an Fischen überhaupt. Gründe für die Fischarmut sieht Paulus vor allem in der Bewirtschaftung. „Die Domanialverwaltung hatte früher siebenmal im Jahr Fischbesatz eingebracht - diese Termine waren immer bekannt, und die Forellen wurden gleich wieder rausgefangen.“ Die Schwärme frisch ausgesetzter Fische bescherten schnelles Anglerglück.

Abgeschafft wurde zudem die dreiwöchige Schonfrist nach dem Besatz. Im neuen Fischereirecht sei nur von einer „angemessenen Schonfrist“ die Rede. Die Realität sehe aber ganz anders aus. „Fristen wurden nicht eingehalten, sondern es wurde sofort weiter geangelt,“ beobachtete Paulus.

Ziel des Naturparks sei es, das Fischereirecht auf sichere Füße zu stellen, in Zusammenarbeit mit der oberen Fischereibehörde beim Regierungspräsidium. Regenbogen- und Bachforellen sollen nur noch einmal im Jahr eingesetzt werden, aber an verschiedenen Stellen.

Um dem Fischfresser Kormoran keine mundgerechten Häppchen zu liefern, ist an 40 bis 45 Zentimeter große Forellen gedacht. Weißfische aus dem Edersee sollen ihnen als Nahrung dienen. „Wir wollen, dass später auch 60 Zentimeter große Forellen vorkommen, und auch Fliegenfischer Erfolg haben“, sagt Paulus. Fischmeister Andreas Rohn, beim Naturpark zuständig für Fisch-Monitoring und Bestandspflege, sieht eine weitere Schwierigkeit. „Der Affolderner See ist ein Betriebsgewässer, und die Priorität liegt ganz klar auf Stromgewinnung.“ Der Wasserstand schwanke täglich. „Das macht den Fischen das Leben schwer.“

Seit etwa zehn Jahren seien die Fangergebnisse rückläufig. Das Gewässer werde nur durch Besatz als Fisch-Gewässer am Leben erhalten. Aktuell gehe es darum, die richtige Besatz- und Bewirtschaftungsstrategie herauszufinden. „Aber das braucht ein paar Jahre Zeit.“ In den 90er-Jahren hatte der See einen Ruf als fischreiches Gewässer. „Aber damals war die Nutzung durch Stromgewinnung nicht so intensiv.“ Heute werde viel mehr Wasser in das Oberbecken auf den Peterskopf gepumpt.

Zufrieden am Edersee

Außerdem machten sich Fischjäger seinerzeit noch rar. „Heute können 400 bis 600 Kormorane einem kleinen See erheblich zusetzen.“ Die Situation am Edersee stellt sich dagegen aus Sicht des Fischmeisters gut dar. Der Fischbestand habe sich verbessert, der Raubfischbesatz liege bei guten 30 Prozent.

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