1995 auf den Weg gebracht: Gestern Prädikat für Wildungen und Reinhardshausen bestätigt

„Heilbad - ein Qualitätsversprechen“

Europas größter Kurpark und zwei Wandelhallen – für Bad Wildungen und Reinhardshausen wurde das Prädikat „Heilbad“ nach einem aufwendigen Verfahren bestätigt.

Bad Wildungen. - Das Anerkennungsverfahren wurde bereits im Jahr 1995 auf den Weg gebracht. Gestern überreichte Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke die schriftliche Bestätigung des Prädikats „Heilbad“ an Bürgermeister Volker Zimmermann.

„Eine solche Prädikats-Bestätigung fällt nicht einfach so vom Himmel“, deutete Zimmermann im Quellendom der Wandelhalle auf einen umfangreichen Kriterienkatalog - jedes Detail darin muss erfüllt sein. „Das Prädikat Heilbad ist ein Qualitätsversprechen.“

Für die begehrte Bescheinigung werden die Kur- und Therapieeinrichtungen ebenso zugrunde gelegt wie Beherbergung und Gastronomie oder das Kultur- und Unterhaltungsprogramm. Natürliche Heilmittel vor Ort, Trinkkur und Wanderwegenetz, aber auch die Niederlassung eines Kurarztes sind weitere entscheidende Kriterien für die Vergabe. Weil auch eine einjährige Messreihe für Luftqualitätsgutachten und eine Klimaanalyse als Grundlage dienen, geriet das Anerkennungsverfahren einige Zeit ins Stocken. Grund dafür waren die aufwendigen Bauprojekte der vergangenen Jahre, darunter der Umbau der Bad Wildunger Wandelhalle und der Bau der Asklepios-Stadtklinik, die Luftmessungen und Gutachten erheblich beeinträchtigt hätten.

Nach Abschluss der Projekte wurde das Anerkennungsverfahren wieder angestoßen. Regierungspräsident Dr. Lübcke bescheinigte gestern, dass alle Kriterien für das Prädikat Heilbad für die Kernstadt und den Stadtteil Reinhardshausen erfüllt sind. Beim RP in Kassel hatte der Hessische Fachausschuss für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen die Federführung. Die vom Deutschen Heilbäderverband und vom Deutschen Tourismusverband herausgegebenen „Begriffsbestimmungen für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen“ sind maßgebend für die Beurteilung. Das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung entschied abschließend.

Lübcke verwies auf „den größten Kurpark Europas“ und stolze 1,4 Millionen Übernachtungen, darunter 1,1 Millionen in den Kliniken. Damit zähle die Badestadt mit Bad Füssing und Bad Kissingen zu den drei größten Bädern in Deutschland. „Wildungen ist eine Kur- und Wohlfühlstadt“, sagte der Regierungspräsident, der in Bad Wildungen geboren und im heutigen Edertaler Ortsteil Anraff aufgewachsen ist.

18 Quellen hüten wie einen Schatz

Roland Gundlach, Vorsitzender des Hessischen Heilbäderverbands, gratulierte dem größten hessischen Bad zu seiner vorzüglichen Ausstattung. „Ob Luft, Lärm oder Heilquellen - alle Kriterien wurden erfüllt, das Heilbad kann sich sehen lassen.“ Die 18 Quellen hob Bürgermeister Zimmermann besonders hervor: „Das ist ein Schatz, den wir hüten müssen.“ Im Kuralltag spielen sie heute nur noch eine Nebenrolle. Seit Antibiotika bei Harnwegserkrankungen eingesetzt werden und Steine mit moderner medizinischer Apparatur zertrümmert werden, wird die Trinkkur mit Helenen-, Viktor- oder den anderen Wildunger Quellen nicht mehr wie früher angewendet.

Anerkennung zollte dennoch der Heilbäderchef: „Es gibt kaum ein Bad, das so eine Vielzahl an Quellen hat.“ Er bedauerte, „dass wir in Hessen keinen balneologischen Lehrstuhl mehr haben, wo die Lehre der Heilwässer verbreitet wird“.

Ob mit oder ohne Trinkkur - für die Wirtschaft sei das Bäderwesen von Bedeutung. „30 Heilbäder und Kurorte in Hessen erwirtschaften ein Bruttosozialprodukt von 1,9 Milliarden Euro, und Bad Wildungen hat großen Anteil daran.“ Etwa 660 000 Millionen Euro würden durch Tagesgäste insgesamt umgesetzt. Damit seien die Bäder bedeutende Standorte für Gesundheitsdienstleistungen und Tourismus.(höh)

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