Bad Wildungen

Historienrätsel im Waldboden

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- Bad Wildungen. Hügelgräber. Zeugen einer Epoche von vor 3000 bis 4500 Jahren. Eine neue Schautafel am Wanderpfad nahe dem Pärrner Weg verweist auf eine dieser vorgeschichtlichen Ruhestätten. Neun liegen im Wildunger Stadtwald.

„Rund 540 solcher Gräber sind im Kreis Waldeck-Frankenberg bisher gefunden und dokumentiert, wahrscheinlich gibt es noch mehr“, erklärt Archäologe Armin Werner Fuchs aus Weimar (Lahn). Über zwölf Jahre hat er sich mit den heimischen Hügelgräbern beschäftigt. Zigtausende existieren in Deutschland, besonders dort, wo sich größere Waldflächen finden. Auf besiedelten, überbauten Gebieten wurden sie in den zurückliegenden Jahrhunderten nach und nach dem Erdboden gleichgemacht.Sie stellen das größte Erbe dar, das die Menschen im Mitteleuropa der Bronzezeit ihrer Nachwelt hinterlassen haben. Wie haben sie getickt? Was prägte ihr Zusammenleben, ihre Gesellschaft? Das Meiste bleibt im Dunkeln, weil es an Schriftquellen aus jener Zeit fehlt. Die Wissenschaft ist angewiesen auf archäologische Funde wie die Hügelgräber.Eine begründete Spekulation lautet: Die Gräber markieren das allmähliche Auftreten eines heute in der Politik heiß diskutierten gesellschaftlichen Phänomens, der berüchtigten „Schere zwischen Arm und Reich“. In der Jungsteinzeit wurden die Verstorbenen noch in ausgedehnten Gemeinschaftsgräbern beerdigt, „Hünengräbern“, wie eines bei Fritzlar-Züschen bekannt ist. „Das änderte sich in der Bronzezeit, vielleicht, weil sich die Gesellschaft so gewandelt hatte“, erläutert Fuchs. Handel mit Metallen und Salz, stärkere Arbeitsteilung unter den Menschen, all das brachte größere Unterschiede zwischen ihnen hervor. Wer Eigentum hatte, wollte nach dem Tod vielleicht nicht mit dem mittellosen Nachbarn in eine Ruhestätte gebettet werden. (su)

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