Björn Hauptmannl will Deutschlands zweitgrößten Stausee als Erster der Länge nach durchschwimmen

Vor der Hochzeit einmal durch Edersee

Edersee - Die Liebe verschlug Björn Hauptmannl vor vier Jahren an den Edersee. Und in vier Wochen schließt er im Trauzimmer auf der Sperrmauer den Bund fürs Leben. Aber vorher packt ihn der sportliche Ehrgeiz: Der 33-Jährige will am Sonntag den See in voller Länge durchschwimmen.

„Es war eine Schnapsidee“, gesteht der selbständige Wirtschaftsingenieur lächelnd. Nach dem Scherz vor drei Jahren wurde es im Herbst Ernst: Hauptmannl nahm sein intensives Training für die Stausee-Durchquerung auf. Skilanglauf, Joggen und Schwimmen – „voll auf Ausdauer“, sagt der gebürtige Frankfurter, der in der Wetterau aufgewachsen ist.

Der 33-Jährige ist ehemaliger Leistungsschwimmer. Er mischte in der deutschen Freiwasser-Elite mit und trainierte Nachwuchstalente für die Nationalmannschaft. Aber auch sonst ist er dem feuchten Element treu: „Ich habe meine Diplomarbeit über Schwimmbäder geschrieben.“

Seine aus Kassel stammende Freundin Alexandra Oehm brachte ihn an den Edersee. Segeln ist die Leidenschaft ihrer Familie. Bereits als 16-Jährige arbeitete Alexandra als Segellehrerin in der Segelschule Rudolph in Waldeck-West. Heute lebt die Juristin mit Björn Hauptmannl in Bad Nauheim. Der Edersee ist die zweite Heimat des Paars.

Pfingsten absolvierte der 33-Jährige letzte Trainingseinheiten für seine Pioniertour. "Meines Wissens wurde der Edersee bisher noch nie der Länge nach schwimmend durchquert." Vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Hannoversch Münden holte er sich die Genehmigung ein für die Durchquerung des 27 Kilometer langen Edersees. Am Sonntag geht‘s los. Von der Brücke in Herzhausen bis kurz vor die Talsperre den Edersee kraulend zu durchqueren – das hat sich der leidenschaftliche Schwimmer vorgenommen. „Wenn ich der kürzesten Linie folge, rechne ich mit 21 oder 22 Kilometern.“ Die will er in sechs bis sieben Stunden hinter sich bringen. An seiner Seite ein Begleitboot mit Verpflegung und ein Boot zur fotografischen Dokumentation. Via Schwimmer-Logbuch und GPS wird seine Edersee-Durchqurerung festgehalten. Und die DLRG will den Extremsportler ab Fürstental eskortieren und seine Route zwischen Seglern, Booten und der „weißen Flotte“ sichern. Hauptmannl weiß: „Wenn man ein paar Stunden in den Knien hat, ist man fast wie in Trance.“

Respekt vor dem kalten Seewasser

Vor 15 Jahren hat er bereits 25 Kilometer in freien Gewässern bei der Deutschen Meisterschaft bewältigt. Aber der Edersee nötigt ihm Respekt ab. „Die größte Herausforderung ist das kalte Wasser.“ Kühle 14 bis 15 Grad sind es aktuell. „Ein Grad mehr würde schon ganz viel ausmachen“, weiß der Extremschwimmer. Er darf im Wasser ein Päuschen einlegen, Mineraldrinks oder Malzbier zu sich nehmen, aber alles ohne Bodenkontakt und ohne sich am Boot festzuhalten, auf dem seine Braut Alexandra ihn begleitet.

6000 bis 7000 Kalorien verbraucht der Schwimmer auf dem Wasserweg von Herzhausen nach Hemfurth, „und die Kälte zehrt nochmal das Doppelte weg“. Bei soviel sportlichem Einsatz wächst die Vorfreude auf die Hochzeit im Juni, wo nach der entbehrungsreichen Tour so richtig geschlemmt werden darf.

Für seine Edersee-Durchquerung hat der Bad Nauheimer ein Crowdfunding Projekt ins Leben gerufen (https://www.fairplaid.org/ederseecross) und wirbt um Unterstützung. Ein Teil des Geldes ist für die Jugendförderung in seinen Vereinen SG Wetterau, Eintracht Frankfurt (Triathlon) und Schwimmclub Oberursel bestimmt. (höh)

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