Entwickler und Investoren haben nach Polit-Hick-Hack kein Interesse mehr

Aus für Hotelprojekt auf dem Kurhaus-Gelände

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Bad Wildungen - „Das wundert mich nicht“, kommentiert Bürgermeister Volker Zimmermann den Rückzug der Investorengruppe um Projektentwickler Reinhard Ottmann vom Kurhaus-Gelände. Die Entscheidung wurde Freitagmorgen bekannt.

Projektentwickler Reinhard Ottmann informierte den Bürgermeister per Mail, dass er und die Investoren sich von dem Vorhaben zurückziehen. „Nach ausführlichen Diskussionen mit den Investoren teile ich Ihnen mit, dass wir an der Entwicklung des obigen Areals definitiv nicht mehr interessiert sind.“ Da das Parlament laut Presseberichten geschlossen enttäuscht von den bisherigen konzeptionellen Überlegungen sei, sehe man für eine weitere Zusammenarbeit keine Basis mehr, fügt Ottmann in dem Schreiben hinzu, das der Wildunger WLZ-FZ-Redaktion vorliegt. „Ich bedanke mich sehr herzlich für die sehr gute Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe und auch mit Ihnen“, schließt Ottmann seine Nachricht an den Bürgermeister mit dem Zusatz: „Wir waren mit der Entwicklung des Projektes auf gutem Wege.“

Zimmermann betrachtet den Beschluss der Gruppe als Resultat einer „investorenfeindlichen Entwicklung“ in den Monaten seit Februar. Ein Atmosphäre, wie sie die öffentlichen Aktionen gegen einen Kurhaus-Abriss und das Vorhaben geprägt hätten, irritiere Geldgeber. Auch eine von Union und FWG eingeforderte größere Transparenz im Verfahren zu einem viel früheren Zeitpunkt hätte am Ausgang nichts geändert, ist Zimmermann überzeugt: „Man sieht ja, wie die Informationen nach dem Bekanntwerden für politische Zwecke benutzt wurden.“ Das wäre dann eben noch früher passiert.Im Groll verlässt Ottmann die Kurstadt trotzdem nicht. Er bleibe der Region erhalten, versichert er auf Nachfrage.

Mit dieser Entscheidung ist der Weg unwiderruflich frei für alle anderen Vorschläge, die in den vergangenen Monaten zur Zukunft des Kurhauses unterbreitet wurden, allen voran das viel zitierte Lückhoff-Papier. Heimische Investoren haben Blicke geworfen auf Teile des Kurhausareals. Ein Abriss des westlichen Querriegels mit dem Lesesaal und der Teilverkauf dieses und anderer Grundstücksbereiche wären aus Sicht des CDU-Fraktionsvorsitzenden Oliver Syring beispielsweise eine Variante. Dagegen hätte auch Renate Faber (CDU) nichts, Mitinitiatorin der Unterschriftenaktion gegen die Ottmann-Pläne und für den Erhalt des Kurhauses, bestätigte sie bereits vorige Woche gegenüber der WLZ-FZ.Im Spiel sind wieder die Ideen des Odershäuser Veranstalters Michael Spangenberg. Er empfiehlt, seitens des Stadtmarketings die Räumlichkeiten des Kurhauses für Veranstaltungen, speziell Tagungen auf Landesebene, zu vermarkten. Weil Veranstalter heutzutage sämtliche Ausstattung inklusive Verpflegung selbst organisieren und stellen, blieben die Investitionen für die Stadt in so einem Fall in überschaubarem Rahmen. Das Kurhaus wäre dann nicht täglich für den Publikumsverkehr zugänglich, sondern würde zu Veranstaltungen seine Tore öffnen. In diesem Fall könnte das Gebäude mit einer schwarzen Null betrieben werden, ist sich Spangenberg sicher. Dem Lückhoff-Papier schwebt dagegen vor, das Kurhaus mehr oder weniger in seiner von früher her gewohnten Funktion wiederzubeleben, auch unter möglicher Einbeziehung eines Hotels. Die Spielbank Kassel etwa könnte ins Rondell einziehen, ein kleines Bistro Gäste versorgen. Architekt Bernd Gehring, der an dem Papier entscheidend mitgewirkt hat, hält die nötigen Investitionen für tragbar.

Die Stadtverwaltung ist vom Parlament beauftragt, den Aufwand für eine Reaktivierung des Kurhauses zu ermitteln und eine Prognose zu den jährlichen Unterhaltungskosten abzugeben. Die Stadt werde rasch den Auftrag für dieses beschlossene Kurhaus-Gutachten über 15 000 Euro erteilen, kündigt Zimmermann an. „Wir haben den Gutachter bereits ausgesucht, und er ist auch aus Sicht der Kurhaus-Aktivisten politisch sicherlich völlig unverdächtig“, meint der Rathauschef.

„Jetzt muss Plan B her“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Oliver Syring in einer ersten Reaktion. Abschnitt für Abschnitt müsse das Kurhaus unter die Lupe genommen werden. „Mit dem Parkhaus etwa kann man sicherlich Geld verdienen“, ist der überzeugt. Fest steht für ihn eines, unabhängig von den Details einer Lösung: Die Stadt darf die Immobilie nicht zu einer Bauruine verkommen lassen. Teilverkäufe sind eine Möglichkeit, „es muss ja nicht an Wollmert-Wicker sein“, setzt Syring hinzu. So habe eine Klinikkette in der Vergangenheit Interesse gezeigt, in den ehemaligen Räumen der Technischen Hochschule Mittelhessen ein Fortbildungsangebot einzurichten. Man müsse sich das Lückhoff-Impulspapier anschauen, beispielsweise mit der Spielbank Verhandlungen über einen Umzug aufnehmen. Impulspapier-Gruppe steht für konstruktive Diskussion zur Verfügung Dr. Albrecht Lückhoff, Mitinitiator des nach ihm benannten Impulspapiers, zeigt sich wenig überrascht von der Entscheidung der Gruppe Ottmann. Verblüfft sei er eher gewesen von dem wenigen, das der Projektentwickler nach drei Jahren Arbeit präsentiert habe. „Nachdem die Wildunger Kommunalpolitik bisher mehrheitlich ganz auf Herrn Ottmann als Hoffnungsträger für ein Hotelkonzept auf dem Kurhausareal gesetzt hat, bestand keine erkennbare Neigung, sich mit unserem Impulspapier ernsthaft auseinanderzusetzen“, meint der Amtsvorvorgänger von Volker Zimmermann. Die Gruppe des Impulspapiers stehe aber selbstverständlich zur Verfügung, „wenn jetzt die Bereitschaft besteht, sich unseren Vorschlägen in einer kons­truktiven Diskussion aufgeschlossen zu zeigen“. Es gehe schließlich um eine „folgenreiche Weichenstellung für die Wildunger Stadtentwicklung“. Dazu wollten die Initiatoren des Impulspapiers einen hilfreichen Beitrag leisten. Das gelte 2014 in gleicher Weise wie im vorigen Jahr.Die Frauen-Union bleibe dran am Thema, versichert Renate Faber (CDU). Ziel: Erhalt des Kurhauses gemäß dem Impulspapier im weitesten Sinne. (su)

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