In Urlaub mit Frauchen und Herrchen

Hunde in Wandelhalle, Läden, Restaurants

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Sollen Stadt, Handel und Gastronomie Hunde- und andere Tierbesitzer mehr hofieren?

Bad Wildungen - Die Badestadt verpasst den Trend zum Urlaub mit Hund, kritisiert ein Wildunger Hundefreund.

Bei seinen Ferien in Norddeutschland fühlte er sich gut aufgenommen, baten ihn Geschäfts- und Restaurantbetreiber doch mit Tier zu sich hinein, berichtet er der WLZ. Außerdem seien in den Orten reichlich Spender für Kottüten verteilt. Angesichts von knapp 9,6 Millionen Deutschen, die in einem Haushalt mit Hund leben (8,9 Prozent der Haushalte/Quelle: kirasoftware.com), lohne es sich, diese Zielgruppe anzupeilen. In Wildungen fänden sich dazu keine Ansätze, bemängelt er und nennt als Beleg etwa das Hundeverbot in der Wandelhalle oder in Geschäften. Der Hund sei aber vielfach „Familienmitglied“.

Für

"Mein Hund ist mir im Sturme treu, ein Mensch nicht mal im Winde“ – diese Lebensweisheit des Heiligen Franz von Assisi sollten knurrige Zeitgenossen beherzigen, die bei jedem Bello ein Haar in der Suppe finden. Die überschwängliche Freude des schwanzwedelnden Hausgenossen bei der Heimkehr nach der Arbeit entschädigt für schlecht gelaunte Gesprächspartner und lässt ruppige Begegnungen in Sekundenschnelle vergessen. Kurzum: Ein Leben mit Hund ist Balsam für die Seele – ein Stück Lebensqualität auf vier Pfoten.

Keine Frage, dass Fiffi auch beim täglichen Einkauf mit muss und gleich sein heiß begehrtes Leckerchen verschlingt. Mein Mann hat sich noch nie über einen Mohrenkopf so gefreut, wie mein Hündchen über eine Kaustange mit Rinderbröckchen. Und wen stört es, wenn Waldi beim Restaurant-Besuch schweigend unterm Tisch liegt, während ihm köstlicher Duft eines Schweinebratens um die feuchte Hundenase weht?

Da haben Raucher, die jahrzehntelang unbehelligt in Speiselokalen pafften, einen weitaus größeren Störfaktor. Nicht zu vergessen: Herrchen und Frauen sind mental gewappnet für den demographischen Wandel: Ohne Waldi und Co. wäre die alternde Gesellschaft reif für Heerscharen von Psychologen. Therapeuten mit sanftem Blick, die jeden noch so penetranten Stubenhocker zum Gassi-Gehen hinreißen, die müssen unbedingt zu Lokalen und öffentlichen Gebäuden Zutritt haben. Oder würden Sie etwa Ihrem Arzt Wandelhallen-Verbot erteilen?

Wider

Kurkonzert im großen Saal hinter der Wasserwand: Der Klarinettist führt sein Instrument in schwindelerregende Tonlagen – bis Rottweiler Rex mit bellendem Bass einfällt, begleitet von Pinscher Pollys sopranistischem Jaulen. Hunde rein in die Wandelhalle, in Restaurants und Geschäfte, um mehr Herrchen und Frauchen als Privatgäste in die Stadt zu locken.

Susi und Strolch auf dem Hochstühlchen am Tisch, „Caesar-Häppchen“ auf dem Porzellantellerchen und die Besitzerchen kosten vor, ob das auch wirklich Lieblings Lieblingsspeise ist. Hallo? Geht´s noch? 9,7 Millionen Deutsche leben mit Hund, ja, knapp 9 Prozent der Haushalte haben einen Wauwau, ja. Heißt aber, dass 70,3 Millionen Deutsche und 91 Prozent der Haushalte OHNE Hund zurecht kommen.

Nichts gegen Kottüten-Automaten an der Allee und Wassernäpfe vor Geschäften und Restaurants, doch eine Kurstadt zu einem Paradies für Hunde-Urlauber zu machen, ist eine abwegige Idee. Genauso, wie Bad Wildungen nie eine Traumadresse für Familien mit nicht-erwachsenen Kindern werden kann. Bevor die Stadt Hundeknochen in der Wandelhalle auslegt, wäre trotzdem eine Spielecke aus meiner Sicht angebrachter.

Was Restaurants und Geschäfte angeht, muss jeder Betreiber selbst entscheiden. Ich jedenfalls hätte keine Lust, zum Steak den unnachahmlichen Geruch eines nassen Bobtail-Fells serviert zu bekommen oder als Tierhaarallergiker 15 Hunde die Kleiderständer im Laden inspizieren zu sehen.

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