„Land, Leute, Eder“ · Nächsten Mittwoch startet die WLZ-FZ ihre Serie zum großen Jubiläum der Ederta

Ein Jahrhundertbauwerk verändert die Heimat

100 Jahre alt wird die Talsperre, im Bild das Modell bei Alt-Berich. Foto: Quellenmuseum Wildungen

Edertal - Der Edersee wird im Sommer 100. Im Sommer vor 45 Jahren landete Apollo 11 auf dem Mond. Frappierende Parallelen durchziehen die beiden Jahrestage. Für das Waldecker Land strahlte die Fertigstellung der Sperrmauer 1914 eine Symbolkraft aus, die der weltweiten Begeisterung über die Ankunft der Astronauten auf dem Erdtrabanten 1969 in nichts nachsteht.

Im Überschwang auf frühen Postkarten als „größte Sperrmauer der Welt“ gefeiert, galt die Talsperre damals als gigantische, technische Meis- terleistung. Sie stand für den Aufbruch der Ingenieurskunst und der Gesellschaft in eine neue Zeit. Gleiches galt für den Erfolg der NASA 1969.

Zugleich spiegeln beide Ereignisse die dunkle Seite der Verheißung wider. War die Mondlandung ein Ausfluss des Kal- ten Krieges zwischen Ost- und Westblock und trugen Raketen nicht nur Astronauten, sondern auch Atomsprengköpfe, so verhinderte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Juli 1914 die geplante feierliche Einweihung der Sperrmauer durch den Kaiser. Großprojekte wie dieser Staudamm befeuerten das Imperialismusdenken und -streben des Deutschen Reiches, stärkten es in seinem Selbstbewusstsein, das in fataler Selbstüberschätzung und ein maßloses Leiden in den Schützengräben 1914 bis 1918 mündete. Die vernichtende Niederlage und der Vertrag von Versailles stellten den Sand dar, auf den die Weimarer Republik als erste deutsche Demokratie bauen musste.

Dass ein noch größeres Grauen folgen sollte - auf deutschem Boden und von ihm ausgehend - ahnten wenige. Die Historie der Sperrmauer verknüpft sich durch ihre Bombardierung 1943 und ihren Wiederaufbau unter maßgeblicher Beteiligung von Zwangsarbeitern untrennbar auch mit der Geschichte des „Dritten Reiches“.

Nach 1945 löste sich die Edertalsperre aus den Zusammenhängen der großen Geschichtsschreibung. Ihre Bedeutung für das Waldeck-Frankenberger Land, für die Menschen an den Ufern des Sees und in der Region nahm aber keinesfalls ab. Im Gegenteil: Gemeinsam mit der Kurstadt Bad Wildungen bildet der Edersee inklusive des angrenzenden Nationalparks den einen der zwei Tourismuspole im Landkreis. Er ergänzt sich mit dem Willinger Upland und stellt ein unverzichtbares Wirtschaftsstandbein der Heimat dar.

Die „Waldecker Mondlandung“ bietet eine Menge Stoff für Geschichten. Am nächsten Mittwoch startet die WLZ-FZ ihre Serie zum Jahrhundert-bauwerk Sperrmauer.

Hintergrund

100 Jahre Edersee, 100 Jahre Sperrmauer: Gemeinsam mit ausgewiesenen Kennern der Heimat wählt die Redaktion ?einen neuen Ansatz und weitet den Blick auf dieses Thema in der neuen Serie „Land, Leute, Eder“, die jeden Mittwoch mit einer ganzen Seite erscheint. Immer unter dem Stichwort „Alte EderZeiten“ erzählen wir vor allem vom Leben in den Ederdörfern vor dem Beginn der Projektplanung. In der Rubrik „Das Jahrhundertbauwerk“ schildern wir, wie sich das große Vorhaben entwickelte, wie die Mauer ?errichtet wurde, wie sie mit der Zeitgeschichte verknüpft ist oder wie sich die Menschen im Waldecker Land auf die ?Talsperre einrichteten. Unter dem Titel „Leben mit dem See“ beschreiben wir, ?wie das große Gewässer den Alltag veränderte und bis heute mitprägt. Außerdem gibt es historische Bilder und Familiengeschichten aus der Region. Wir eröffnen bei all dem neue Perspektiven auf Altbekanntes. Wir suchen nach Antworten auf bislang ungestellt gebliebene Fragen. Und wir haben faustdicke Überraschungen parat, die ?ein völlig neues Licht werfen auf die Geschichte der Hei-mat.(su)

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