Wildunger Parlament redet über Angebot für Jugendliche und dessen Darstellung

Jugend hat’s gut - sie weiß es bloß nicht

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„Rock gegen rechts“ 2008, unter den Wildunger Festivals findet sich aber keines, das aufs jugendliche Publikum zugeschnitten ist.Foto: Archiv

Bad Wildungen - „Langweilig“, „nichts los in Wildungen“. Viele junge Menschen haben eine negative Einstellung zu ihrer Heimatstadt. Das liege aber nicht an einem fehlenden Angebot, sondern daran, dass Jugendliche nicht wüssten, was die Stadt alles für sie bereithalte - meint zumindest Klaus Micino, Abgeordneter der FWG im Stadtparlament.

Seine Fraktion stellte deshalb am Montagabend in Odershausen den Antrag, Kultur- und Freizeitangebote besonders für Kinder, Jugendliche, junge Männer und Frauen in Bad Wildungen und seinen Nachbarkommunen besser darzustellen, speziell im Internet.

„Wer weiß von ihnen zum Beispiel schon, wo der Bike-Park liegt? Darauf wusste auch ich zunächst keine Antwort“, gab Micino zu. Frage man die Jugend, was genau ihr denn fehle, erhalte man eher ausweichende Antworten, keine konkreten Anregungen.

Eine übersichtliche Präsentation des Angebotes auf der Homepage der Stadt sei dringend nötig. Micino warnte überdies vor überzogenen Erwartungen: „Wir können nicht Kassel zum Maßstab nehmen, brauchen den Vergleich mit ähnlich großen Städten in der Nachbarschaft aber nicht zu scheuen.“

Bernd Ulrich von der CDU beurteilte die Lage noch rosiger als der FWG-Abgeordnete. Nicht allein das Angebot, auch die Präsentation im Internet stimme eigentlich. Ulrich verwies auf zahlreiche Terminkalender, den regionalen Veranstaltungsführer „Wildwechsel“ oder auf die Stadtmarketing-Mitarbeiterin Cornelia Bender, die ehrenamtlich alle Veranstaltungen über Twitter und Facebook bekannt gebe.

Wer Veranstaltungen für Jugendliche vermisse, könne sie ja ehrenamtlich organisieren, „wie es bei allen Großereignissen in Bad Wildungen der Fall ist“.

Allerdings stimmte Ulrich der Idee zu, auf der Homepage der Stadt einen gesonderten Button zu installieren, der zu einer Übersicht über die Angebote für die Wildunger Jugend führt.

Diese Anregung war vom FDP-Abgeordneten Jörg Schäfer gekommen, der ansonsten den Vorstoß aber ablehnte und vorschlug, das Wildunger Jugendforum zu dem Themenkomplex zu hören.

Mit 18 Stimmen von Freien Wählern und CDU gegen 14 Stimmen der übrigen Fraktionen nahm das Parlament den FWG-Antrag an.

Kommentar

Alles bestens?

Von Matthias Schuldt

Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden die Ohren klingeln. Kaum steht kein Wahlkampf mehr vor der Tür, erhalten sie aus dem Parlament den Bescheid: Was beschwert ihr euch über eure Stadt? Hier ist alles gut; wir müssen euch nur über die Angebote informieren. Haben die Parlamentarier auf dem WLZ-Bürgermeisterwahlforum weggehört und wenige Tage später die Augen fest davor verschlossen, wie Jugendliche in dieser Zeitung beschrieben haben, woran es aus ihrer Sicht in Bad Wildungen hapert?

Von wegen „unkonkret“ und „ausweichend“. Drei Beispiele zur Erinnerung: Ihnen fehlt ein informeller Treffpunkt, ein Grillplatz etwa. Von den Wildunger Musikfestivals ist kein einziges aufs jugendliche Publikum zugeschnitten. Die Angebote in der Nachbarschaft der Badestadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, ist sehr schwierig.

Es stimmt: Heloponte, Vereine, Jugendhaus, Tanzschule und weitere Akteure bieten eine Menge für junge Leute. Deshalb die Defizite wegzureden und sich zurückzulehnen nach dem Motto „Wir können nicht mit Kassel mithalten“ – damit stellen sich die Stadtverordneten ein schwaches Zeugnis aus. Wille zum Dialog hört sich anders an. Um ihn zu zeigen, ließen sich die Parlamentarier am besten zu Diskussionen mit der Zielgruppe in den Schulen blicken.

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