NABU Edertal blickt zurück auf 60-jähriges Bestehen: Ehrungen

„Kaderschmiede junger Ornithologen“

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Für über 50 Jahre NABU-Mitgliedschaft geehrt (v. l.): Wolfgang Lübcke, Kreisvorsitzender Heinz-Günther Schneider, Landesgeschäftsführer Hartmut Mai, Walter Meier, Toni Wenz, Karl-Heinz Gottschalk, Paul Schüssler, Erwin Gottschalk, Horst Höhne.

Edertal-Giflitz. - Vom praktischen Vogelschutz der Anraffer „Reelinge“ bis zum modernen Biotopmanagement - seit sechs Jahrzehnten wird in Edertal der Naturschutz groß geschrieben. Am Freitagabend feierte die Edertaler NABU-Gruppe ihr 60-jähriges Bestehen.

Der langjährige Vorsitzende Wolfgang Lübcke blickte vor rund 200 Besuchern im Dorfgemeinschaftshaus Giflitz auf die Anfänge des ehrenamtlichen Naturschutzes zurück.

Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke weckte eigene Kindheitserinnerungen. „Alle Aktiven haben viel Herzblut in die Naturschutzarbeit gesteckt“, betonte der jüngere Bruder von Wolfgang Lübcke. Er sprach sich dafür aus, sorgsam mit der Natur umzugehen und in Nordhessen „nicht so viel kaputtzumachen“. Lübcke überreichte einen Bewilligungsbescheid über 7000 Euro für ein Laubfrosch-Schutzprojekt an die Edertaler NABU-Gruppe.

Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf betonte, dass der Naturschutz in der aktuellen Diskussion um Klimawandel, Artensterben und Energiewende einen hohen Stellenwert genieße. Die wissenschaftlichen Kartierungen und Beobachtungen der Edertaler NABU-Mitglieder wertet er als „wahren Datenschatz“. Er hob das öffentliche Bewusstsein hervor: „Es geht um unsere Lebensgrundlagen, ohne den NABU wäre die Sensibilisierung für die Natur längst nicht so weit.“

Bürgermeister Wolfgang Gottschalk zählte eine Reihe von Projekten der Gemeinde auf, in die sich der NABU frühzeitig und konstruktiv mit eingebracht habe. „Ohne die Anstrengung wären unser Wohnumfeld, unsere Landschaft und unsere Bäche und Flüsse in einem schlechteren Zustand“, behauptete der Rathauschef.

NABU-Landesgeschäftsführer Hartmut Mai bezeichnete den größten deutschen Naturschutzverband als kompetent, verlässlich, glaubwürdig, praktisch und lösungsorientiert. Er lobte das hohe gesellschaftliche Ansehen und die Akzeptanz in der Bevölkerung. Kreisvorsitzender Heinz-Günther Schneider aus Battenberg bezeichnete die Gruppe Edertal als „Kaderschmiede junger Ornithologen“. Über die Vogelkunde fänden viele zum Naturschutz.

Goldenes Jubiläum

Mai und Schneider ehrten sieben Männer, die seit mehr als 50 Jahren im NABU Edertal aktiv sind: Wolfgang Lübcke, Walter Meier, Karl-Heinz Gottschalk, Erwin Gottschalk, Toni Wenz, Horst Höhne, Paul Schüssler. Höhepunkt des Festabends war die Beamerschau „Naturerlebnis Nordhessen - ein Streifzug durch die Jahreszeiten“ von Manfred Delpho.

Der Naturfotograf aus Gudensberg zeigte eindrucksvolle Bilder von Landschaften, Tieren und Pflanzen der Region. In die musikuntermalte Schau waren kurze Filmsequenzen vom Nestbau der Beutelmeise oder der Balz der Haubentaucher eingebaut. Faszination riefen Bilder von einer springenden Waldmaus oder Entwicklung des Schwalbenschwanzes hervor. Passendes Schlusswort von Wolfgang Lübcke: „So schön und entspannend kann Naturerleben sein.“(sr)

HintergrundAm 6. November 1952 trafen sich im Anraffer Dreschmaschinenschuppen einige elf- bis zwölfjährige Schüler zur Gründung einer Jugendgruppe für Vogelschutz.

Großen Anteil am vogelkundlichen Interesse der Jugendlichen hatte der Bad Wildunger Biologielehrer Eduard Schoof. Die Jugendlichen schlossen sich zuerst dem Bad Wildunger Tierschutzverein, vier Jahre später dem Deutschen Bund für Vogelschutz an. Lübcke las aus dem Jahresbericht 1957/58: „Es wurden 18 Erwachsene als fördernde Mitglieder aufgenommen und ein Aushangkasten angeschafft.“

Im Mittelpunkt standen damals die Betreuung von rund 140 Vogelnistkästen, die Pflege von Vogelschutzgehölzen oder die Ausbringung von Winterfutter. Die ersten Mehlschwalben-Kunstnester wurden erprobt, um den Rückgang der Schwalben aufzuhalten. Heute zählt die Edertaler NABU-Gruppe rund 450 Mitglieder und ist mit rund sieben Prozent der Bevölkerung eine der stärksten in Hessen. (sr)

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