45 Jahre Schulgeschichte mitgeprägt: Rainer Lemnitz plaudert aus alten und neuen Zeiten

Kaltstart mit Sechs-Tage-Woche

+
Nach 45 Jahren verabschiedet, aber der Gesamtschule weiterhin verbunden: Rainer Lemnitz am Aquarium, das er auch im Ruhestand mit betreuen will.Foto: Conny Höhne

Edertal - Zehn Kultusminister und vier Schulleiter hat er erlebt, und Tausende von Schülern begleitet. Rainer Lemnitz ist einer der dienstältesten Lehrer an der Integrierten Gesamtschule Edertal. Nach 45 Jahren scheidet er aus dem Schuldienst aus, als Leiter von AGs bleibt er jedoch der Schulgemeinde erhalten.

An seinen Dienstantritt bei Schulleiter Winter zum Schuljahr 1970/71 im früheren Domizil (heute Grundschule) kann er sich noch genau erinnern. „Er hat mich sofort ins kalte Wasser geworfen“, sagt Lemnitz. Da war er 22 Jahre jung und hatte keine Erfahrungen in seinem Beruf.

Geboren in Steinbach, Kreis Hünfeld, absolvierte Lemnitz nach der Realschule eine Ausbildung am Pädagogischen Fachinstitut in Fulda. Nach dem Wehrdienst begann er gleich als musisch-technischer Fachlehrer an der MPS und unterrichtete Kunst, Musik, Werken, Hauswirtschaft, Nadelarbeit. Nach Aus- und Fortbildungen kamen Gesellschaftslehre, Geschichte, Erd- und Sozialkunde dazu. Zeitweise war er abgeordnet an das Hessische Institut für Lehrerforbildung. Ein Meilenstein war 1973/74 der Bau der Haupt- und Realschule, kurz darauf als Förderstufe mit gymnasialem Zweig umfirmiert und später zur ersten kooperativen Gesamtschule. 1999/2000 wurde Lemnitz pädagogischer Leiter.

Auf Winter folgten die Schulleiter Herbert Sorge, Jürgen Diederich, Reinhard Hollstein. Von vielen Kindern, die bei Lemnitz im Werkunterricht Modelle bastelten oder im Fach Kunst die Phantasie walten ließen, kennt der Lehrer schon die Väter und Mütter von der Schulbank. „Früher war alles stärker vom ländlichen Umfeld geprägt, der Anteil der Landwirte war sehr hoch.“ vergleicht er. Damals wurden die Berufe der Eltern ins Klassenbuch eingetragen.

Im Unterricht habe sich das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern deutlich entspannt, autoritäre Lehrweise ist nicht mehr in Mode. „Als ich anfing, gab es noch die volle Sechs-Tage-Woche,“ blickt Lemnitz auf den Wandel in anderen Bereichen zurück. Der Samstags-Unterricht wurde zunächst auf vier Stunden reduziert, dann war alle 14 Tage der Samstag frei. „Das hat nicht immer gut geklappt, einige Schüler kamen durcheinander.“ Inzwischen ist der Weg zur Ganztagsschule eingeschlagen mit AGs und Nachmittagsangeboten. „Die ingetrierte Gesamtschule war für mich ein beruflicher Glücksfall,“ bekennt Lemnitz.

„Ich war damals unverantwortlich jung“

Heute vor die Wahl gestellt, würde er wieder die Lehrerlaufbahn einschlagen, versichert er. „Aber ich war damals unverantwortlich jung - da sind viele Menschen heute noch in der tiefsten Findungsphase.“ Im Ruhestand will sich der Böhner seinen Hobbies Modelleisenbahn, Reisen und den Enkelkindern widmen und nach Lust und Laune Schul-AGs betreuen. Aquarien und Kanusport sind seine Favoriten.

Er freut sich auf das 50-jährige Schuljubiläum im Sommer und auf die Ruheständler-Stammtische. Da werden Anekdoten lebendig. So wie die vom Besuch der Expo in Hannover, wo drei Schüler Golfcars mit vollgeladenenen Akkus entdeckten. Munter bretterten sie durch die Ausstellung und rasierten prompt das Jurtenzelt der Mongolei. Die Security hat die Bengel einkassiert, und Lehrer Lemnitz nahm die reumütigen Sünder von der Polizei in Empfang. „Die Geschichte blieb ohne weitere Folgen und wird immer wieder gern erzählt.“

Von Conny Höhne

Kommentare