Unternehmer und Interessengruppen kämpfen für Frachtschifffahrt auf Oberweser

Keine Rückstufung zur Wasserstraße

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Eine Herabstufung der Oberweser zur touristischen Wasserstraße hätte auch Auswirkungen auf den Edersee.

Edertal - Auf Einladung der IHK Kassel-Marburg trafen sich Unternehmer und Vertreter von Interessengruppen mit Politikern der hessischen Landesregierung, um die drohende Herabstufung der Weser zu einer touristischen Wasserstraße zu verhindern.

„Eine Folge könnte sein, dass eine Sicherstellung der Schiffbarkeit wegen knapper Finanzen des Bundes unterbleibt“, sagt IHK-Verkehrsexperte Dieter Lehmann. Damit stünde dieser für einige Unternehmen wichtige Verkehrsweg für Schwertransporte nicht mehr zur Verfügung.

„Die Oberweser muss für die Frachtschifffahrt auch bei niedrigen Wasserständen ganzjährig befahrbar sein“, erklärt der Vorsitzende Dr. Rolf-Jürgen Foellmer von der Interessengemeinschaft (IG) Oberweser. Zugleich sollte nach Alternativen gesucht werden, um den Schifffahrtsweg zu verbessern.

Spezialanfertigungen bis 300 Tonnen

Die IG strebt an, die Wasserabgaben aus der Edertalsperre mit der Personen- und Frachtschifffahrt und den wirtschaftlichen Interessen des Edertalgebietes besser zu koordinieren. Der Verein fördert die gewerbliche Wirtschaft und Ansiedlung von Gewerbebetrieben entlang des Flusses.

Bei der Rückstufung der Wasserstraße habe der Bund die Entwicklung in den vergangenen Jahren außer Acht gelassen, moniert Ulrich Spengler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg. Die aktuelle Zahl der Nutzer und der beförderten Tonnage seien nicht mit in die Bewertung eingeflossen. Unternehmen wie die Richter Maschinenfabrik aus Hessisch Lichtenau, Alstom Power Energy Recovery aus Kassel und die niedersächsische AHE Weser Transportbeton nutzen den Fluss für Schwertransporte, die nicht über die Straße transportiert werden könnten. Spezialanfertigungen der Firma Richter bringen bis 300 Tonnen auf die Waage. Über die Straße sind nur 150 Tonnen möglich. Wird die Wasserstraße gestrichen, könnte dies nicht mehr befördert werden.

„Die Oberweser sollte mindestens auf dem Level vor der Rückstufung verbleiben, um sie ab Hann. Münden schiffbar zu halten“, fordert der IHK-Standortpolitiker. Das Bundesverkehrsministerium habe zugesichert, dass die Schiffbarkeit auf jeden Fall erhalten werde. Dennoch befürchtet die Wirtschaft, dass durch die Rückstufung die notwendige Planungssicherheit für Gütertransporte nicht mehr gewährleistet ist.

Probelauf für neues Schubschiff

Die betroffenen Betriebe feilten indes über Ländergrenzen hinweg an einer Lösung. Im August soll das Schubschiff fertig sein, das bei geringerem Tiefgang die Breite des Flusses nutzt. So werden niedrige Pegelstände umschifft, ohne übermäßig auf das Wasserreservoir der Eder- und Diemeltalsperre zurückgreifen zu müssen. Die Firmen Richter, Alstom und AHE wollen das Schiff in diesem Jahr auf dem Fluss testen.

Die Stadtwerke Hann. Münden haben zudem signalisiert, dass ein Portalkran gebaut werden kann - sofern die Wirtschaft die Weserumschlagstelle regelmäßig nutzt. Bisher mussten sich die Unternehmen selbst um einen Kran für die Umladestelle kümmern. „Nicht der Staat, sondern die Betriebe nehmen eigenes Geld in die Hand und investieren es, um Verkehrswege zu erhalten“, merkt Lehmann an.

Bemühungen, die Oberweser schiffbar zu halten, müssten mit den Interessen der Tourismusbranche in Waldeck-Frankenberg in Einklang gebracht werden, die auf genügend Wasser im Edersee angewiesen ist.

Ändere der Bund die Rückstufung der Oberweser nicht, habe das gravierende Folgen, gibt Spengler zu bedenken. „Lukrative Aufträge, deren Gewinn nicht in Investitionen in den Standort Nordhessen fließen kann, gehen somit zwangsläufig verloren, da alternative Transportwege aufgrund des Gewichts der Güter nicht genutzt werden können.“ Das sei vielen Politikern offenbar nicht bekannt. (r)

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