Nach Restauration präsentiert sich Türkenzelt in voller Schönheit

100 Kilogramm Prunkstoff sind zurück

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Peter Schultheis, Vorsitzender der Gemeinschaft der Freunde Schloss Friedrichstein, freut sich über die Rückkehr des „aufgefrischten“ Türkenzeltes; mit ihm auf dem Foto vor dem Zelt Ines Brand, Julia Dummer und Dr. Antje Scherner von der Museumslandschaft

Bad Wildungen - Das Bad Wildunger Türkenzelt ist zurück im Museum Schloss Friedrichstein. Die ersten, die das restaurierte, 100 Kilo schwere osmanische Prunkzelt am Mittwochabend in einer Vorabbesichtigung sehen konnten, waren Sponsoren, die wesentlich dazu beigetragen hatten, dass die „Gemeinschaft der Freunde Schloss Friedrichstein“ die Restaurierung mit 55 000 Euro finanzieren konnte.

Peter Schultheis, der Motor der Bewegung, dankte für die Spenden und Förderbeiträge und zeigte sich zugleich enttäuscht darüber, „dass nur wenige Wildunger Unternehmen die Aktion Türkenzelt finanziell unterstützt haben, zumal sie doch von dem neuen touristischen Highlight in mehr oder weniger großem Umfang profitieren.“

Neues Museumskonzept

Schultheis sagte, es sei klar gewesen, dass nach drei Jahren wieder ein restauriertes Zelt auf Schloss Friedrichstein stehen würde; „womit ich allerdings nicht gerechnet habe ist, dass die Museumslandschaft Hessen Kassel auch die Ausstellungsräume im Schloss umfassend renovieren würde, so dass nun das Zelt und die Sammlung osmanischer Waffen nach dem neuesten Museumskonzept präsentiert werden.“

Damit habe die MHK zum Ausdruck gebracht, wie sehr ihr am Standort Bad Wildungen gelegen ist. Der Leiter der Museumslandschaft Hessen Kassel Professor Dr. Bernd Küster bestätigte dies: „Wir werden diesen wunderbaren, liebenswerten Standort weiter pflegen und ausbauen, er ist uns ans Herz gewachsen.“

Mit dem Projekt Türkenbeute in Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft der Freunde Schloss Friedrichstein sei ein neuer Meilenstein im Museum Schloss Friedrichstein gesetzt worden. Altbürgermeister Dr. Albrecht Lückhoff dankte Peter Schultheis für dessen Initiative.

Wegen seines unermüdlichen Einsatzes sei es auch gelungen, das nicht immer ungetrübte Verhältnis des Schloss-Museums zur Museumslandschaft Hessen Kassel auf eine fruchtbare Vertrauensbasis zu stellen. Die Kuratorin der Ausstellung Dr. Antje Scherner und die Diplom-Restauratorin Julia Dummer führten die ersten Besucher durch die Ausstellung. Auf das Türkenzelt werden die Besucher schon beim Betreten des Museums durch eine große Glaswand aufmerksam und neugierig gemacht.

Eins von sechs Zelten in Deutschland

Das restaurierte osmanische Prunkzelt ist eines von sechs erhaltenen Zelten in Deutschland. Aufgrund der Beteiligung hessischer Truppen an den Feldzügen gegen die Osmanen ist es wahrscheinlich, dass das Zelt tatsächlich erbeutet und nicht angekauft oder geschenkt wurde.

Nach der von den Osmanen verlorenen Schlacht von Belgrad fielen den Siegern 1717 Tausende zum Teil sehr kostbare Zelte in die Hände. Da hessische Truppen einen wichtigen Anteil am Sieg hatten, könnte Landgraf Karl von Hessen-Kassel das Zelt als Beuteanteil erhalten haben.

Osmanischer Krieger in Lebensgröße

In einem zweiten Raum des Museums wird der sogenannte „Turcia“-Bestand in Vitrinen ausgestellt; ein bewaffneter osmanischer Krieger im Kettenhemd nimmt in Lebensgröße die Mitte des Raumes ein. An den Wänden in Vitrinen: reich verzierte Bögen, Pfeile und Köcher, darunter als bedeutendste Waffe des osmanischen Heeres Reflexbögen, deren Einsatz die Eroberungsfeldzüge erst möglich machte. Ausgestellt sind Hieb- und Stichwaffen, darunter der Säbel als wichtigste Nahkampfwaffe osmanischer Krieger, die mit einem Hieb den Gegner enthaupten konnten. Zu sehen sind Feuerwaffen, die seit Mitte des 15. Jahrhunderts von den Osmanen eingesetzt wurden.

Hier besticht vor allem die kunsthandwerkliche Qualität der Gewehre, die mit Silber, Perlmutt, Elfenbein, Türkisen, Korallen, gefärbtem Horn, Knochen und Farbpasten verziert sind.

Antje Scherner: „Diese Sammlung ist hoch bedeutend, wie unsere Forschungen gezeigt haben; ich hoffe, es gelingt uns, dies auch dem Besucher zu vermitteln.“ (szl)

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