Betreutes Wohnen auf der Kippe: Parlament drängt Kreis auf schnelle Entscheidung

Konservator gegen Abriss

+
Alt und markant, aber ein Groschengrab: Das Herrenhaus im Dorfzentrum von Höringhausen.

Waldeck-Höringhausen - Heftige Kritik übten Waldecker Stadtverordnete an Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab. Er lehnte einen Abriss des Herrenhauses am ehemaligen Hofgut samt Nebengebäude ab.

Im Zuge der Dorferneuerung wurden bereits marode Stallungen und Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Hofguts abgebrochen. Der Platz wird Zug um Zug im Rahmen der Dorferneuerung zu einem zentralen Ortsmittelpunkt gestaltet.

Nur das denkmalgeschützte Herrenhaus mit Nebengebäude steht noch. Investoren wollten die seit Jahren unbewohnte Immobilie umbauen für betreutes Wohnen. Aber der Altbau ist energetisch problematisch, Heizung, Strom, Wasser müssen komplett erneuert werden, erhöhten finanziellen Aufwand zieht der Brandschutz nach sich. Grob geschätzt müssen 1,5 Millionen Euro in den Komplex investiert werden.

„Bei diesem Volumina erscheint eine Umsetzung problematisch und könnte kippen“, deutete Bürgermeister Jörg Feldmann in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend im Dorfgemeinschaftshaus Netze an.

Arbeitskreis Dorferneuerung und Ortsbeirat unterstützten die Idee, das Herrenhaus abzureißen und durch einen ähnlich erhabenen Neubau zu ersetzen, um diesen Teilbereich des Hofguts städtebaulich zu nutzen. Vor wenigen Tagen erfuhr der Magistrat, dass Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab einem Abbruch nicht zustimme.

Stadtverordnetenvorsteher Karl-Heinz Schmidt hatte das Thema noch kurzfristig auf die Tagesordnung genommen. Die Entscheidung des Denkmalpflegers entfachte einen Sturm der Entrüstung im Parlament.

„Bremsklotz für die Entwicklung des Ortes“

Jürgen Schanner (Bündnis 90/Die Grünen) räumte ein, dass es von Anfang an klar war, dass es sich bei dem Herrenhaus um ein schützenswertes Gebäude handele. Aber die Arbeit von eineinhalb Jahren sind nach Ansicht von Eberhard Diebel (FWG) mit dieser Entscheidung des Konservators zunichte. „Er ist ein Bremsklotz für die Weiterentwicklung unseres Ortes“, wetterte der Abgeordnete.

Werner Pilger (CDU) kritisierte, dass immer wieder Auflagen einer Denkmalbehörde Projekte verzögern oder unnötig erheblich verteuerten und oft auch gänzlich vereiteln. Wenn dann eine Bauruine verfallen sei, „dann kommt irgendwann der Landkreis und sagt: Jetzt müsst ihr es abreißen.“ Nach Ansicht von Dieter Kiepe (SPD) gehe es darum, „das Optimale für das Dorf rauszuholen“. Die Erhaltung der Altbauten stelle einen erheblichen Kostenfaktor für die Stadt Waldeck dar. Die Zukunftschancen für Höringhausen hatte auch Martin Merhof (FDP) im Blick. „Es geht darum, die Handlungsmöglichkeiten für Investoren zu erweitern.“ Das Parlament beauftragte den Magistrat, alle notwendigen Schritte für einen Abbruchantrag einzuleiten. Damit soll der Weg frei werden für einen Ersatzbau, der die Dorferneuerung weiter stärken soll. Ziel ist laut Bürgermeister Feldmann: „gegen die Entscheidung des Bezirkskonservators vorzugehen - und zwar mit lauteren Mitteln“. Die Stadt drängt auf schnelle Entscheidung, um gegebenenfalls Rechtsmittel einzulegen.

Kommentare