Kinder-Campus 2015 des Gustav-Stresemann-Gymnasiums beschäftigt sich mit der „Faszination Erde“

Kopf und Hände einzusetzen bringt Lernspaß

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Die Bilder das Laufen zu lehren für einen Trickfilm, bedeutete eine Herausforderung für die Teams in Foto/Film. Lego per Computer in Bewegung zu bringen, lautete das Ziel im Robotik-Workshop. Fotos: su

Bad Wildungen - Wenn jede einzelne Unterrichtsstunde so gestaltet wäre - Eltern müssten ihren Nachwuchs aus der Schule zerren.

Rund 100 Mädchen und Jungen besuchen den „GSG-Kinder-Campus“ 2015, bei dem das Begreifen im Wortsinn großen Lernspaß produziert. Dritt- bis Sechstklässler des vorigen Schuljahres tummeln sich in den Fachräumen des Gymnasiums, setzen Kopf und Hände zugleich ein, um sich dem Thema „Faszination Erde“ auf unterschiedliche, aber stets Kreativität fördernde Arten und Weisen zu nähern.

Lion und Philipp mögen Lego und Computer. Wen wundert’s, dass sie sich für den Workshop „Robotik mit Lego“ gemeldet haben. „Ganz früh; deshalb sind wir auch reingekommen“, sagt Philipp stolz, während er per Maus und Tastatur auf einem PC-Bildschirm bunte, quadratische Bildsymbole zusammenfügt wie bei Letra-Mix.

„Ohohohoh“, ruft Lion dazwischen. Der kleine Lego-Kran, der über USB-Kabel mit dem Rechner verbunden ist, hat das selbst gebaute, mehrgliedrige Lego-Männchen am Haken rasch und viel zu weit nach oben gezogen, sodass die gesamte Konstruktion gerade ihr Gleichgewicht verliert und umstürzt. „Eigentlich sollte das Männchen stehen...“, bedauert Lion, doch das Programmieren von Bewegungsabläufen - auch wenn’s mithilfe von Bildsymbolen geschieht - ist gar nicht so einfach. „Ich glaube, wir nehmen das besser weg“, folgert Lion und löscht auf dem Bildschirm zwei Symbole aus der Abfolge.

Die zwei Jungs gehen locker mit dem kleinen Rückschlag um. Schließlich haben sie an diesem Morgen schon mit Erfolg ein Krokodil zum Schnappen gebracht und „verschiedene Antriebe wie Zahnräder und Riemen eingesetzt“, erklärt Philipp sachverständig.

Ein Stockwerk höher wollen mehr als 20 Mädchen und Jungen ebenfalls etwas in Bewegung bringen, allerdings nur zum Schein. Fotografie und Film faszinieren seit ihrer Erfindung besonders die Jugend. Medienpädagogin Stephanie Sulz-Stolle führt in diesem Workshop die Teenager in die Geheimnisse des Daumenkinos moderner Prägung ein. In Trick-Boxen - großen, an einer Seite offenen Kartons - ordnen die jungen Drehbuchautoren, Regisseure, Kameraleute, Schnitt- und Tontechniker kleine Szenen mit Spielfiguren an. Aufgabe: eine etwa 40 Sekunden lange Trickfilmsequenz zu drehen. „200 bis 300 einzelne Bilder brauchen wir dafür“, erklärt Leon, sichtlich beeindruckt von der großen Zahl an Einzelbildern, die ein solch kurzes Filmchen benötigt.

Seine Gruppe hat sich für ein Fantasy-Szenario entschieden. In der Mitte dreht sich eine Fee auf einer Rosenblüte um sich selbst, während geflügelte Pferde und Elfen umherlaufen und ein Schwan versucht, den See zu erreichen. „Fünf Bilder pro Einstellung müsst ihr mindestens schießen, sonst geht hinterher alles viel zu schnell und ihr seid enttäuscht“, rät Stephanie Sulz- Stolle.

Nur Millimeter für Millimeter werden die Figuren in ihren Positionen zwischen den Aufnahmen verändert, um später am Rechner die Illusion einer flüssigen Bewegung zu erzeugen, wenn die Bilder in rascher Folge nacheinander über den Screen huschen.

Das Trickfilmprojekt ist einer von mehreren Bestandteilen des Fotografie/Film-Workshops. Unterwasseraufnahmen im Helenental gehören dazu und schließlich drehen die Mädchen und Jungen einen Film über den GSG-Campus 2015. Sie dokumentieren die Arbeit auch der übrigen Gruppen, die das Wesen des Fliegens ergründen, Geheimnisse der Pflanzenwelt offenlegen, den Leuchtkristall jagen, Leonardo da Vinci kennenlernen, Musik machen mit Alltagsgegenständen oder Theater spielen.

Donnerstag geht der Campus zu Ende und viele der Nachwuchs-Studierenden können die Ausgabe 2016 kaum abwarten.

Von Matthias Schuldt

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