Hubertus Meyer-Burckhardt liest aus seinem Buch „Die Kündigung“

Lange Nächte verführen zum Schreiben

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Waldeck. - Bewegt bekennt sich der gebürtige Kasselaner Hubertus Meyer-Burckhardt mit den ersten Worten auf Schloss Waldeck zu seiner Heimat Nordhessen. Und schon hat er bei den zahlreichen Gästen beim „Literarischen Frühling“ im Rittersaal gepunktet.

Lässig und wortgewandt wickelt er die Zuhörer um den Finger, erzählt witzige Anekdoten und bringt das Publikum damit schnell zum Lachen. Vielleicht hat der Wahl-Hamburger genau das beabsichtigt, nämlich die „kühlen Nordhessen“ erst einmal auf Temperatur bringen.

„Ich lese übrigens noch“, sagt der Mann am Mikrofon zwischendurch immer wieder. Und dann warnt er auch die Männer vor der Dichterlesung, die „da durch müssten“, denn es sei schließlich ein Roman für Männer. Ein „erotischer Leckerbissen“ sei sein Roman „Die Kündigung“ aber auf keinen Fall, auch kein Ratgeber. „Wir definieren uns über unsere Funktion“, sagt der Buchautor und erinnert sich an viele Gespräche, in denen immer nur eins wichtig war: „Was machst du?“

Diese Gedanken und die Tatsache von vielen langen Nächten, in denen er für eine Telefonkonferenz aus dem Ausland erreichbar sein musste, führten schließlich dazu, dass Hubertus Meyer-Burckhardt mit dem Schreiben anfing:

Über dem Atlantik

Der Protagonist Simon Kannstatt wird von seinem Chef Altmann gekündigt. Kannstatt versteht die Welt nicht mehr, macht erst mal weiter, als wäre nichts geschehen, von Business Class zu Business Class, immer auf bekanntem Terrain.

In London schmiedet er einen verwegenen Plan, fliegt dann aber weiter, bis er in New York landet und sich in Newark in der Pension Atlantic Crossing einquartiert. Python, der Besitzer, entpuppt sich als Hippie und erklärter Retter des Rock’n’ Roll mit einem eigenwilligen Plattenladen nebenan. Hoch über dem Atlantik hört Kannstatt auf zu sein, er nennt sich nun Norman Greenbaum, Sänger seiner ersten Single „Spirit in the sky“.

Bekennender Jobwechsler

„Schaust aus wie ein Controller, der an sich selbst gescheitert ist“, meint Python und möchte ihn gern als solchen einstellen. Ganz langsam kehren für Kannstatt die Ideale aus längst vergangenen Zeiten zurück - doch haben sie ihm noch etwas zu sagen?

Hubertus Meyer-Burckhardt präsentiert eine überaus lebendige Lesung, die er mit Mimik und Körpereinsatz unterstreicht. Die Zuhörer lauschen gespannt, können sich aber auch köstlich amüsieren. Mehr als einmal beweist der Autor, dass er so schnell sprechen kann, dass man kaum noch die Worte versteht. Die Schnelligkeit, mit der er seine Lesebrille von der Nase nehmen kann und auch wieder aufsetzt, ist beachtlich.

„Wie viel Kannstatt ist in Ihnen?“, fragt ihn Lavinia Frey von der Kulturagentur Graf und Frey aus Berlin. „Ich bin ein bekennender Jobwechsler“, antwortet Meyer-Burckhardt. Der Professor an der Hamburg Media School, Filmproduzent und Gastgeber der NDR-Talkshow hat schon viel gemacht in seinem Leben, mit seinem Protagonisten kann er sich nicht identifizieren. Wichtig ist ihm in solchen Extremsituationen die Frage: „Was ist mein Traum vom Leben?“ oder „Was muss ich dafür noch tun?“

Schreiben habe ihm auf jeden Fall viel Freude bereitet. Die Arbeit mit der Lektorin bezeichnete Hubertus Meyer-Burckhardt als „persönlich bereichernden Prozess“, denn es sei so schwer, „etwas wegzuwerfen, woran man nächtelang gesessen hat“. Für ein neues Buch hat der Autor noch keine zündende Idee, denn er hat den Anspruch, dass die Geschichte auch spannend sein muss.

„Dürre Runde“

Und zum Abschluss spricht der Nordhesse noch einmal von seinem Heimatgefühl, das „mit dem Älterwerden immer stärker wird“. Er erwähnt die „Dürre Runde“, einen Stammtisch in Hamburg, bei dem sich gebürtige nordhessische Schauspieler treffen und den er selbst gern besucht.

Nach einer kurzweiligen Lesung, die auf jeden Fall noch nachwirkt, signierte Hubertus Meyer-Burckhardt seine Bücher und hatte auch dabei noch so manchen lockeren Spruch auf Lager. (sd) Schnell mit Zunge und Lesebrille: Hubertus Meyer-Burckhardt liest aus seinem Buch „Die Kündigung“.

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